Freitag, 24. Mai 2024
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Medizin

COPD: Depressionen und Angst gefährden Adhärenz

von Michaela Biedermann-Hefner

COPD: Depressionen und Angst gefährden Adhärenz
© adimas – stock.adobe.com
COPD-Patient:innen leiden nicht nur unter den physischen Beschwerden, auch die psychischen Folgen dieser Erkrankung sind nicht unerheblich. Vor allem Depressionen und Überforderung stehen dabei im Vordergrund.

Depressionen und Angst schwächen Adhärenz bei COPD

10 bis 42% der COPD-Betroffenen leiden unter einer Depression und bei 10 bis 55% der stationären Patient:innen treten zudem Angststörungen auf. Bei einer akuten Exazerbation verstärken sich diese noch und können bei bis zu 86% auftreten. Die Depressionen bei diesem Patientenklientel haben auch Folgen für die Therapieadhärenz, wie Prof. Dr. med. Nikola Stenzel, Berlin, erläuterte. Die Hälfte der Patient:innen nimmt die Medikamente nicht wie verordnet ein und auch die Sauerstofftherapie wird – falls erforderlich – nicht angewendet. Hinzu kommt, dass die Behandlungstermine oft nicht eingehalten werden, was sich ebenfalls negativ auf die Adhärenz auswirkt.

Vermeidungsverhalten bei COPD durch Angst

Außer der Angst in Hinblick auf COPD treten auch noch krankheitsbezogene Ängste auf, die sich auf die Folgen der Erkrankung beziehen. Körperliche Anstrengung wird vermieden, die Angst vor Dyspnoe steht auch im Vordergrund sowie End-of-Life Ängste.

Gesundheitsfragebogen (GAD-7) fragt psychische Verfassung bei COPD ab

Um feststellen zu können in welchem Zustand die Patient:innen sind, kann ein Gesundheitsfragebogen (GAD-7) verwendet werden, der den Umgang mit Sorgen und gedrückter Stimmung hinterfragt. Dabei sollen die Beschwerden, die in den letzten 2 Wochen aufgetreten sind, eingeordnet werden. Auch Selbsthilfegruppen sind ein wichtiger Bestandteil bei der Therapie. Hier können sich die Betroffenen austauschen und sich gegenseitig unterstützen.
 
 

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Antidepressiva bei COPD: SSRI, SNRI und trizyklische Antidepressiva

Wichtig ist auch, so die Wissenschaftlerin, dass die Angehörigen bei der Therapie miteinbezogen werden und die Verantwortung nicht auf ihnen alleine liegt. Hinsichtlich der medikamentösen Behandlung der psychischen Komorbiditäten gibt es immer noch zu wenig Studien und die Adhärenzprobleme sind häufig. Die Wahl der Initialtherapie ist abhängig von der Verträglichkeit und dem Nebenwirkungsprofil:
 
  • SSRI, z.B. Sertralin ( wenig Wechsel- und Nebenwirkungen)
  • SNRI (dual wirksam, noradrenerge und serotonerge Wirkung, z.B. Venlafaxin, Duloxetin) haben analgetische Wirkung
  • Trizyklische Antidepressiva ( z.B. Amitriptylin) werden in Schmerztherapie und aufgrund Schlaf-anstoßender Wirkung eingesetzt.
  • Einige Medikamente regen neben Schlaf den Appetit an ( z.B. Mirtazapin) → für Patient:innen mit fortgeschrittener Kachexie
  • Anxiolytische Wirkung einzelner Antidepressiva (z.B. Citalopram, Venlafaxin, Mirtazapin ) → zusätzlich Effekte für Patient:innen mit schwerer Atemnot und Angst
Informationen für Betroffene

Quelle: Fortbildungsveranstaltung für Ärzt:innen „Berliner LUFT 2023“, 17.06.2023; Veranstalter: Berlin-Chemie



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