Montag, 22. Juli 2024
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Medizin

Neue Therapieoption gegen Abstoßungsreaktionen bei Nierentransplantation

Neue Therapieoption gegen Abstoßungsreaktionen bei Nierentransplantation
© Dan Race – stock.adobe.com
Die antikörpervermittelte Abstoßung (AMR) ist eine der häufigsten Ursachen für das Versagen von Nierentransplantaten. Bisher steht allerdings keine Behandlung zur Verfügung, mit der diese Komplikation nachhaltig bekämpft werden könnte. Im Rahmen einer internationalen klinischen Studie hat sich ein in der Transplantationsmedizin neues Therapieprinzip als sicher und höchst wirksam erwiesen.

Studie untersucht Felzartamab zur Behandlung der antikörpervermittelten Abstoßung nach Nierentransplantation

An der Forschungsarbeit beteiligt waren 22 Patient:innen, bei denen zwischen 2021 und 2023 am Universitätsklinikum AKH Wien und an der Charité – Universitätsmedizin Berlin nach einer Nierentransplantation eine antikörpervermittelte Abstoßung (AMR) diagnostiziert wurde. In der randomisierten, doppelblinden und Placebo-kontrollierten Studie wurde den Patient:innen entweder der monoklonale CD38-Antikörper Felzartamab oder ein Placebo verabreicht. Felzartamab ist ursprünglich als Immuntherapie für die Behandlung des Multiplen Myeloms entwickelt wurde. „Aufgrund seines Potenzials, Immunreaktionen auf eine sehr besondere Art zu beeinflussen, rückte Felzartamab auch ins Blickfeld der Transplantationsmedizin“, berichtet Studienleiter Georg Böhmig über jüngste Entwicklungen, die maßgeblich auf seine Initiative zurückzuführen sind. Die mediane Zeit von der Transplantation bis zum Studieneinschluss betrug 9 Jahre. Leichte oder mittelschwere Infusionsreaktionen traten bei 8 Patient:innen in der Felzartamab-Gruppe auf. Schwerwiegende unerwünschte Ereignisse traten bei 1 Patienten in der Felzartamab-Gruppe und bei 4 Patienten in der Placebo-Gruppe auf; ein Transplantatverlust trat bei 1 Patienten in der Placebo-Gruppe auf.

Felzartamab führt zu einer langfristigen Reduktion der AMR

Nach 24 Wochen kam es unter Felzartamab häufiger zu einer Auflösung der AMR (9 von 11 Patient:innen (82%)) als unter Placebo (2 von 10 Patient:innen (20%)), was einer Differenz von 62 Prozentpunkten (95% Konfidenzintervall (KI), 19 bis 100) und einem Risikoverhältnis von 0,23 (95% KI, 0,06 bis 0,83) entspricht. Der mittlere mikrovaskuläre Entzündungswert war in der Felzartamab-Gruppe niedriger als in der Placebo-Gruppe (0 gegenüber 2,5), was einer mittleren Differenz von -1,95 (95% KI, -2,97 bis -0,92) entspricht. Auch der molekulare Score, der die Wahrscheinlichkeit einer Antikörper-vermittelten Abstoßung widerspiegelt (0,17 vs. 0,77), und die Menge der vom Spender stammenden zellfreien DNA (0,31% vs. 0,82%) waren niedriger. In Woche 52 wurde bei 3 von 9 Patient:innen, die auf Felzartamab angesprochen hatten, ein Wiederauftreten der Antikörper-vermittelten Abstoßung festgestellt, wobei die molekulare Aktivität und die Biomarkerwerte in Richtung der Ausgangswerte anstiegen.
 
 

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Große Hoffnung für Transplantationsmedizin

„Unsere Erkenntnisse geben Anlass zur Hoffnung, dass Felzartamab auch den Abstoßungen von anderen Spenderorganen wie Herz oder Lunge entgegenwirken könnte. Auch Xenotransplantationen von genetisch modifizierten Schweineorganen könnten dadurch vielleicht weiter in den Bereich des Möglichen rücken“, blickt Georg Böhmig optimistisch in die Zukunft.

Quelle: Medizinische Universität Wien

Literatur:

(1) Mayer K.A. et al. A Randomized Phase 2 Trial of Felzartamab in Antibody-Mediated Rejection, New England Journal of Medicine 2024, abrufbar unter: https://www.nejm.org/doi/full/10.1056/NEJMoa2400763, letzter Zugriff: 28.05.2024.



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