Blut abnehmen bei Neugeborenen: Weniger Schmerzen durch Zuckerlösung
Gibt man Neugeborenen eine winzige Menge Saccharose in den Mund, leiden sie wahrscheinlich weniger, wenn ihnen Blut abgenommen wird. Das zeigt ein neuer Cochrane Review von überwiegend kanadischen Forschenden, der 29 Studien mit mehr als 2.700 Früh- und Reifgeborenen ausgewertet hat [1]. Die untersuchte Methode ist einfach und kostengünstig anwendbar.
Vergleich von Saccharose mit verschiedenen anderen Methoden
„Die Evidenz zeigt: Eine kleine Menge Saccharose, die kurz vor dem Eingriff verabreicht wird, ist eine einfache, schnelle und wirksame Methode, um Schmerzen zu verringern“, so Mariana Bueno von der Universität Toronto, die Erstautorin des Reviews.
Die 29 Studien, die dem neuen Cochrane Review insgesamt zugrunde liegen, verglichen Saccharose-Lösung aus gewöhnlichem Haushaltszucker, mit verschiedenen anderen Methoden der Schmerzlinderung. In den ausgewerteten Studien wurde die Zuckerlösung auf drei Arten gegeben: per Spritze direkt in den Mund, per Tropfer oder über einen mit der Lösung benetzten Schnuller. Die Konzentration betrug meist 24%, die Menge lag zwischen 0,1 und 2 ml. Die verschiedenen Verabreichungswege wurden nicht direkt miteinander verglichen.
Zuckerlösung reduziert den Schmerz beim Blutabnehmen bei Neugeborenen
Der Cochrane Review hat die verschiedenen Teilresultate der Studien mit speziellen Methoden zusammengefasst und kommt dabei zu folgenden Ergebnissen: Im Vergleich zu keiner Behandlung, Wasser oder Standardversorgung reduziert die Zuckerlösung den Schmerz während und unmittelbar nach der Blutentnahme wahrscheinlich deutlich. Auf einer Schmerzskala von 0 bis 10 sanken die Werte durchschnittlich um rund 2 Punkte.
Vergleich mit Hautkontakt, Stillen und Schnullersaugen
Auch ein direkter Hautkontakt zwischen Mutter und Kind kann Schmerzen lindern. Im Vergleich dazu macht die Zuckerlösung beim Schmerz während der Blutentnahme für das Neugeborene möglicherweise kaum einen oder keinen Unterschied. Stillen kann Schmerzen beim Neugeborenen ebenfalls verringern. Im Vergleich zum Stillen lindert die Zuckerlösung den Schmerz unmittelbar während der Blutentnahme – also beim eigentlichen Pieks – wahrscheinlich stärker. Zwei Minuten nach dem Eingriff ist der Unterschied zwischen beiden Methoden möglicherweise gering. Gibt man einem Neugeborenen zugleich Zuckerlösung und Schnuller, reduziert das den Schmerz während und nach der Blutentnahme im Vergleich zu ausschließlichem Schnullersaugen wahrscheinlich stärker.
Keine Nebenwirkungen berichtet
Vier der Studien, die der aktuelle Review eingeschlossen hat, haben dezidiert nach Nebenwirkungen gesucht. Keine davon berichtete von unmittelbaren Nebenwirkungen wie Würgereiz oder Atemaussetzern nach der Gabe der Zuckerlösung.
Zuckerlösung kann fast immer gegeben werden
„Zuckerlösung, Schnuller, Stillen und Haut-zu-Haut-Kontakt zwischen Mutter und Kind schließen sich nicht gegenseitig aus – sie bilden ein Set einfacher und sicherer Methoden, die sich ergänzen und kombiniert eingesetzt werden können. Allerdings ist nicht immer jede Methode verfügbar: Stillen und Haut-zu-Haut-Kontakt sind nicht in jeder klinischen Situation möglich. Die Zuckerlösung hingegen kann nahezu immer und überall gegeben werden – und für ihren Einsatz bei Blutentnahmen haben wir mit diesem Review nun relativ gute Evidenz", ordnet Prof. Dr. Jörg Meerpohl die Ergebnisse ein. Meerpohl ist wissenschaftlicher Direktor von Cochrane Deutschland und war selbst nicht an der Erstellung des Reviews beteiligt. Die Review-Autor*innen betonen, dass Saccharose gezielt bei schmerzhaften Eingriffen eingesetzt werden solle – und nicht routinemäßig, um ein weinendes Baby zu beruhigen.
Quelle:Cochrane Deutschland
Literatur:
- (1)
Bueno M. et al. (2026) Sucrose analgesia for venepuncture in neonates, Cochrane Database of Systematic Reviews 2026, Issue 3. Art. No.: CD015221., DOI: 10.1002/14651858.CD015221.pub2.