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Impfstoffe schützen vor schweren Infektionskrankheiten

Impfstoffe schützen vor Infektionen durch Krankheitserreger, gegen die es oft nur eingeschränkte Behandlungsmöglichkeiten gibt. So sterben beispielsweise noch immer etwa zehn bis 20% der Erkrankten an einer Infektion mit dem Tetanus-Erreger. Auch vermeintlich harmlose Krankheiten wie Masern können schwere Komplikationen nach sich ziehen.

„Impfungen gehören zu den erfolgreichsten präventiven Maßnahmen der modernen Medizin. Sie schützen nicht nur das einzelne Kind, sondern auch die Gemeinschaft„, betont der Münchner Kinder- und Jugendarzt Prof. Dr. Berthold Koletzko, Vorsitzender der Stiftung Kindergesundheit. „Viele Infektionskrankheiten sind heute nur deshalb selten geworden, weil über Jahrzehnte hinweg konsequent geimpft wurde.“

Impfquoten insgesamt hoch – aber mit Lücken bei vollständigem Schutz

Die Impfquoten im Kindesalter sind in Deutschland weiterhin hoch. So hatten im Jahr 2024 beispielsweise 96% der Kinder bis zum Alter von 15 Monaten mit der Grundimmunisierung gegen Diphtherie, Tetanus, Keuchhusten und Kinderlähmung begonnen. Dennoch schließen viele Kinder die Impfserie nicht im empfohlenen Zeitraum ab: Mit zwei Jahren waren nur etwa drei Viertel vollständig geschützt.

Auch bei den Masern besteht weiterhin Nachholbedarf. Zwar hatten 87% der Kinder bis zum Alter von 15 Monaten die erste Impfung erhalten, doch zum zweiten Geburtstag fehlte mehr als einem Fünftel der Kinder noch die zweite notwendige Impfdosis. Erst im Schulalter erreichen die Impfquoten Werte über 90%. Die Folgen unzureichender Impfquoten zeigen sich bereits international: Großbritannien gilt nach Einschätzung der Weltgesundheitsorganisation inzwischen nicht mehr als masernfrei. Auch in Deutschland kommt es weiterhin zu regionalen Masern-Ausbrüchen.

Erfolge bei RSV-Prophylaxe, Defizite bei HPV-Impfung

Positive Entwicklungen gibt es bei der neuen RSV-Prophylaxe im Säuglingsalter: Mehr als die Hälfte der zwischen April und September 2024 geborenen Kinder war in ihrer ersten RSV-Saison bereits geschützt.

Besonders große Impflücken bestehen weiterhin bei der HPV-Impfung bei Jugendlichen: Nur rund 50% der Mädchen und etwa ein Drittel der Jungen verfügen über einen vollständigen Impfschutz gegen Humane Papillomviren. Damit starten viele Jugendliche ohne ausreichenden Schutz vor HPV-bedingten Krebserkrankungen ins Erwachsenenleben. Auch die Auffrischimpfung gegen Diphtherie, Tetanus, Keuchhusten und Kinderlähmung wird von vielen Jugendlichen nicht wahrgenommen.

Warum Impfen auch andere schützt: Gemeinschaftsschutz durch hohe Impfquoten

Impfungen schützen nicht nur die einzelne Person. Wenn genügend Menschen immun sind, kann sich ein Krankheitserreger kaum noch ausbreiten. Fachleute sprechen in diesem Zusammenhang von Gemeinschaftsschutz oder Herdenimmunität. „Gerade Säuglinge oder chronisch kranke Kinder sind darauf angewiesen, dass ihr Umfeld gut geimpft ist", erklärt Professor Koletzko. „Wer sein Kind impfen lässt, schützt damit auch andere besonders gefährdete Menschen.“ Ein hundertprozentiger Schutz lässt sich durch Impfungen zwar nicht erreichen. Dennoch senken Impfungen deutlich die Wahrscheinlichkeit einer Erkrankung und verhindern häufig schwere Krankheitsverläufe und Komplikationen.

Impfen ist sicherer als eine Erkrankung: Nebenwirkungen selten

Viele Eltern sorgen sich um mögliche Nebenwirkungen von Impfungen. Professor Koletzko weist darauf hin, dass Impfstoffe nach strengen wissenschaftlichen und gesetzlichen Vorgaben entwickelt und überprüft werden. „Moderne Impfstoffe sind gut verträglich und werden kontinuierlich überwacht", sagt Professor Koletzko. „Leichte Impfreaktionen wie Rötungen an der Einstichstelle oder kurzzeitiges Fieber sind meist unbedenklich und zeigen an, dass das Immunsystem sich mit den Impfstoff auseinandersetzt, was ja der Sinn der Impfung ist.“ Schwere Nebenwirkungen sind selten. Demgegenüber birgt das Durchmachen einer Infektionskrankheit meist deutlich höhere Risiken als eine Impfung.

Neuer STIKO-Impfkalender 2026 mit aktualisierten Empfehlungen

Mit dem neuen Impfkalender 2026 hat die Ständige Impfkommission (STIKO) ihre Empfehlungen aktualisiert und übersichtlich zusammengefasst. Neu aufgenommen bzw. angepasst wurden unter anderem Empfehlungen zur Meningokokken-Impfung im Jugendalter, zur RSV-Prophylaxe bei Säuglingen sowie erweiterte Empfehlungen zur Herpes-Zoster-Impfung für bestimmte Risikogruppen. Der aktualisierte Impfkalender berücksichtigt damit aktuelle epidemiologische Entwicklungen und wissenschaftliche Erkenntnisse.

Die Stiftung Kindergesundheit empfiehlt Eltern, sich am jeweils gültigen STIKO-Impfkalender zu orientieren, den Impfstatus ihrer Kinder regelmäßig überprüfen zu lassen und versäumte Impfungen möglichst bald nachzuholen. Besonders wichtig ist es, Impfserien vollständig und im empfohlenen Alter abzuschließen.

Hilfreich können Erinnerungssysteme in Kinderarztpraxen oder digitale Impferinnerungen sein. Auch niedrigschwellige Impfangebote sowie bessere Informationsangebote – etwa in Schulen oder über soziale Medien – können dazu beitragen, bestehende Impflücken zu schließen.

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Quelle:

Stiftung Kindergesundheit

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