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Erhöhtes Diabetesrisiko bei psychischen Erkrankungen

Menschen mit psychischen Erkrankungen haben multifaktoriell bedingt ein erhöhtes Risiko, an Diabetes zu erkranken. Sie werden bei bestehendem Diabetes jedoch nicht ausreichend medizinisch versorgt, wie eine internationale Studie unter Federführung der Medizinischen Fakultät der Universität Augsburg nun zeigt. In einer umfangreichen systematischen Übersichtsarbeit und Metaanalyse werteten die Wissenschaftler:innen Daten aus 49 Studien mit insgesamt mehr als 5,5 Millionen an Diabetes erkrankten Personen aus und fassten deren Ergebnisse quantitativ zusammen. Rund 15%, 840.000, dieser untersuchten Patient:innen hatten zusätzlich eine diagnostizierte psychische Erkrankung.

Erste Studie zum Vergleich der Versorgungsqualität

Erstautor und Leiter der Studie, die jüngst im Fachjournal The Lancet Psychiatry erschien, ist Prof. Dr. med. Elias Wagner, Sektionsleiter für Evidenzbasierte Psychiatrie und Psychotherapie am Lehrstuhl und der Klinik für Psychiatrie, Psychotherapie und Psychosomatik der Universität Augsburg. Es ist die erste wissenschaftliche Arbeit, die Diabetes-Quality-of-Care-Indikatoren quantitativ zwischen Personen mit und ohne psychische Begleiterkrankungen vergleicht.

Das zentrale Ergebnis: Menschen mit psychischen Erkrankungen erhalten seltener die empfohlenen Diabetes-Kontrolluntersuchungen. Insgesamt war die Wahrscheinlichkeit, überhaupt eine leitliniengemäße Überwachung und Versorgung zu erhalten, um fast 20% geringer als bei Menschen ohne psychische Erkrankung.

Defizite bei grundlegenden Kontrolluntersuchungen

Unterversorgt waren Menschen mit Diabetes und psychischer Erkrankung bei grundlegenden Maßnahmen des Diabetes-Managements und der Prävention typischer Folgeschäden: beim Messen des umgangssprachlich Langzeitzucker genannten HbA1c-Werts, bei Augenuntersuchungen zur Früherkennung diabetischer Netzhautschäden, bei Kontrollen von Fettstoffwechsel und Nieren und bei Fußuntersuchungen, um Nervenschädigungen dort frühzeitig zu entdecken. Diese Versorgungsdefizite traten über verschiedene psychische Erkrankungen hinweg auf, darunter Depressionen, Schizophrenie, bipolare Störungen und Suchterkrankungen.

Unterschiede auch bei medikamentöser Therapie

Auch bei der medikamentösen Therapie zeigten sich relevante Unterschiede. Menschen mit psychischen Erkrankungen erhielten häufiger Insulin, hatten jedoch geringere Chancen auf moderne GLP-1-Rezeptoragonisten, die bei Typ-2-Diabetes den Blutzucker senken und das Herz-Kreislauf-Risiko reduzieren können. Gerade dieser Befund ist aus Sicht der Forschenden besonders kritisch, da Menschen mit psychischen Erkrankungen ohnehin ein erhöhtes Risiko für kardiovaskuläre Erkrankungen und eine verkürzte Lebenserwartung haben.

Gezielte Maßnahmen gegen Versorgungsungleichheit notwendig

„Unsere Ergebnisse zeigen anhaltende Lücken in der Diabetesversorgung von Menschen mit psychischen Störungen auf. Deswegen sind gezielte Maßnahmen zur Beseitigung dieser Ungleichheiten erforderlich„, sagt Studienleiter Elias Wagner. „Über gezielte Interventionen hinaus unterstreichen die Ergebnisse auch die Notwendigkeit, grundlegende strukturelle und organisatorische Hindernisse anzugehen, um Präventionsmaßnahmen bezüglich der Diabetesversorgung in Hochrisikogruppen zu steuern.“

Systemische Lösungsansätze erforderlich

Wie genau die Versorgungsqualität verbessert werden kann, müsse mit weiteren Studien untersucht werden. „Dazu bedarf es Strategien auf Systemebene„, ergänzt Prof. Dr. Alkomiet Hasan, Lehrstuhlinhaber Psychiatrie und Psychotherapie. „Strukturelle Barrieren im Gesundheitssystem sollten abgebaut und somatische und psychische Versorgung stärker verzahnt werden.“ Dies sei individuell für jedes Land verschieden. Die vorliegende Studie hat Patient:innendaten aus den USA, Europa, Asien und Australien analysiert, die meisten aus den USA.

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Quelle:

Universität Augsburg

Literatur:

(1)

Wagner E et al. (2026) Disparities in diabetes treatment and monitoring for people with and without mental disorders: a systematic review and meta-analysis, The Lancet Psychiatry, DOI: 10.1016/S2215-0366(25)00332-3