Dienstag, 19. November 2019
Navigation öffnen

Patientenbereich

02. Mai 2018 Immunologie revolutioniert die Krebstherapie

Die Bekämpfung von Schnupfen-Viren ist eine leichte Übung für unser Immunsystem. Bei Krebs gerät es an seine Grenzen. Immunologen auf der ganzen Welt und auch in Regensburg arbeiten deshalb an innovativen Immuntherapien, die das Immunsystem bei der Zerstörung von Tumoren unterstützen. Der Internationale Tag der Immunologie rückt die Kraft des Immunsystems am 29. April in den Fokus der Öffentlichkeit.
Das körpereigene Abwehrsystem ist unsere stärkste Waffe gegen Krankheiten. Vom Schnupfen bis zum Krebs hat das Immunsystem die Kraft zu heilen. Da scheint es nur logisch, dass die Immunologie, also die Lehre vom Immunsystem, einige der größten medizinischen Durchbrüche unserer Zeit hervorgebracht hat. Dazu gehört das Konzept der Impfung, bei dem das Immunsystem lernt, wie es lebensbedrohliche Krankheitserreger abwehren kann. „Seit einigen Jahren erleben wir in der Krebsforschung einen Durchbruch, der sich in ähnlicher Weise auf die Gesundheit der Bevölkerung auswirken könnte wie Impfungen“, macht Professor Dr. Philipp Beckhove, Direktor des Regensburger Centrums für Interventionelle Immunologie (RCI), deutlich. So haben Immunologen nach jahrzehntelanger internationaler Forschung Mechanismen gefunden, mit denen das körpereigene Immunsystem bösartige Tumoren erkennen und zerstören kann. „Diese Entdeckungen münden aktuell in der Entwicklung von neuen Immuntherapien gegen Krebs. Damit können erstmals auch weit fortgeschrittene Tumoren erfolgreich behandelt und langfristig kontrolliert werden“, gibt Professor Beckhove einen Einblick in die Möglichkeiten der Immunologie. Da sich Tumoren nicht nur mit einem, sondern mit vielen, zum Teil noch nicht erforschten Mechanismen, vor dem Immunsystem schützen, kann mit der Immuntherapie allerdings bislang erst ein kleiner Teil der Krebsfälle effektiv behandelt werden.

Lange Immunologie-Tradition in Regensburg

In Deutschland gehört Regensburg zu den Leuchttürmen in der Interventionellen Immunologie. Wissenschaftler des Universitätsklinikums Regensburg (UKR) und des RCI sind bei der Erforschung und Entwicklung neuer Immuntherapieansätze gegen Krebs an vorderster Front beteiligt. Als Einrichtung des RCI ist das José-Carreras-Centrum für Somatische Zelltherapie (JCC) auf die Herstellung von Zelltherapeutika und Arzneimittel für neuartige Therapien spezialisiert. Die Immunologen dieser drei Institutionen konzentrieren sich auf die wirksamsten Immunzellen, die T-Lymphozyten. Diese weißen Blutkörperchen können Tumorzellen erkennen und zerstören, was ihnen den Spitznamen T-Killerzellen beschert.

„Wir wollen T-Lymphozyten durch genetische Manipulationen in die Lage versetzen, Tumorzellen noch besser als bisher zu erkennen“, erläutert Professor Dr. Wolfgang Herr, Direktor der Klinik und Poliklinik für Innere Medizin III des UKR und Sprecher des Sonderforschungsbereichs Transregio 221 zur Immunzelltherapie der Deutschen Forschungsgemeinschaft. Unter Federführung seiner Klinik startete kürzlich die erste klinische Studie in Deutschland zu einem neuen Ansatz in der Krebsimmuntherapie mit manipulierten T-Zellen.

„Die Immunzelltherapie ermöglicht es uns zukünftig, T-Killerzellen gegen unterschiedliche Tumorerkrankungen gezielt herzustellen, was mit anderen Immuntherapeutika bisher kaum möglich ist“, führt Professor Dr. Matthias Edinger, Leiter des José-Carreras-Centrums für Somatische Zelltherapie, aus. In den hochmodernen Reinräumen des JCC am Universitätsklinikum Regensburg erfolgt die zelluläre Wirkstoffproduktion. In Kooperation mit Biotechnologiefirmen wurden im JCC zuletzt neue Zellsortierungstechnologien entwickelt, die erstmals weltweit die gezielte Isolierung seltener Immunzellsubpopulationen ermöglichen und in ersten klinischen Studien zur Behandlung von Transplantationskomplikationen bereits erfolgreich eingesetzt werden.
 
Professor Dr. Markus Feuerer, Inhaber des Lehrstuhls für Immunologie am Regensburger Centrum für Interventionelle Immunologie (RCI), Professor Dr. Philipp Beckhove, Direktor des RCI, Professor Dr. Wolfgang Herr, Direktor der Klinik und Poliklinik für Innere Medizin III des UKR und Professor Dr. Matthias Edinger, Leiter des José-Carreras-Centrums für Somatische Zelltherapie (nicht im Bild), forschen an neuen Immuntherapieansätzen gegen Krebs. © UKR/Domenica Golka
Professor Dr. Markus Feuerer, Inhaber des Lehrstuhls für Immunologie am Regensburger Centrum für Interventionelle Immunologie (RCI), Professor Dr. Philipp Beckhove, Direktor des RCI, Professor Dr. Wolfgang Herr, Direktor der Klinik und Poliklinik für Innere Medizin III des UKR und Professor Dr. Matthias Edinger, Leiter des José-Carreras-Centrums für Somatische Zelltherapie (nicht im Bild), forschen an neuen Immuntherapieansätzen gegen Krebs. © UKR/Domenica Golka


RCI programmiert körpereigene Zellen gegen den Krebs

Die Erfolge der Regensburger Immunmedizin sollen nun mit Hilfe des Regensburger Centrums für Interventionelle Immunologie systematisch weiter entwickelt und ausgebaut werden. „Am RCI untersuchen wir, über welche Fähigkeiten eine Immunzelle verfügen muss, um Krebszellen effektiv abstoßen zu können, und statten sie dann gezielt damit aus“, erklärt Professor Beckhove. Das RCI bündelt die immunologische Expertise im Bereich Tumorimmunabwehr, Autoimmunität und Transplantationsmedizin und überführt die immunologische Grundlagenforschung in hochmoderne Immuntherapien zur Behandlung von Krebs und immunologischen Abstoßungsreaktionen, die dann im UKR direkt zur klinischen Anwendung kommen. Hierzu konnten international renommierte Wissenschaftler an das RCI rekrutiert werden. Noch in diesem Jahr sollen zwei neue Professuren für genetische und funktionelle Immunzellmanipulation besetzt werden. „Mit der Immuntherapie können wir in Zukunft nicht nur Krebs effektiv bekämpfen, sondern werden auch dazu in der Lage sein, unerwünschte Immunreaktionen, wie Autoimmunkrankheiten zu behandeln“ skizziert Professor Dr. Markus Feuerer, Inhaber des Lehrstuhls für Immunologie am RCI, seine Vision für die immunmedizinische Krankenversorgung.

Regensburg wird Immunologie-Forschungsstandort von internationaler Bedeutung

Die bayerische Staatsregierung unterstützt den ambitionierten Weg der Regensburger Immunmedizin nicht nur durch ein neues Institutsgebäude für das RCI am Universitätsklinikum Regensburg, dessen Richtfest im März dieses Jahres gefeiert wurde, sondern auch durch die Zusage des neuen bayerischen Ministerpräsidenten, das RCI in ein außeruniversitäres Forschungsinstitut umzuwandeln und mittelfristig in die Leibniz-Gemeinschaft zu überführen. „Dies gibt uns die nötigen Ressourcen und langfristige Sicherheit, um das RCI zu einem Forschungszentrum von internationaler Bedeutung auszubauen“, freut sich Professor Beckhove.
 

Universitätsklinikum Regensburg


Weitere Beiträge zum Thema

Videosprechstunde ermöglicht schnelle dermatologische Verlaufskontrolle

Videosprechstunde ermöglicht schnelle dermatologische Verlaufskontrolle
© Africa Studio / Fotolia.com

Um die Entwicklung einer Hauterkrankung oder den Heilungsprozess einer Wunde zu überwachen, ist in der Regel kein Vor-Ort-Termin in der Arztpraxis mehr notwendig. Zeitgemäß können Dermatologen nach Diagnosestellung und Therapieempfehlung im Rahmen der Eingangsuntersuchung mit der Videosprechstunde therapeutische Erfolge mit dem Patienten vertraulich via PC, Laptop oder Tablet besprechen. Mit dem durch die gesetzlichen Krankenkassen geförderten Patientenservice entlasten Dermatologen zugleich Praxispersonal, etablieren komfortable Arbeitsabläufe und verhindern...

Bisher kaum bekannt: Myrrhe spielte eine wichtige Doppelrolle bei Geburt und Tod Jesus Christus

Bisher kaum bekannt: Myrrhe spielte eine wichtige Doppelrolle bei Geburt und Tod Jesus Christus
© Sebastian Kaulitzki - stock.adobe.com

Jetzt in der (Vor-)Weihnachtszeit erhält eine Arzneipflanze wieder besondere Aufmerksamkeit, die nicht nur seit Jahrtausenden bei Gesundheitsbeschwerden eingesetzt wird: Die „mystische Myrrhe“ spielte auch in der religiösen Praxis sehr früh eine wichtige Rolle. Was jeder kennt: Die „Heiligen Drei Könige“ und deren Gaben Myrrhe, Weihrauch und Gold sind der – für Christen entscheidende – allgemein bekannte neutestamentliche Bezug. Aber es gibt noch mehr „Geheimnisse“ rund um die Myrrhe. „Im religiösen Kontext...

6 von 10 Menschen in Deutschland nicht ausreichend mit Vitamin D versorgt

6 von 10 Menschen in Deutschland nicht ausreichend mit Vitamin D versorgt
© den-belitsky - stock.adobe.com

Sind Patienten müde, kraftlos und infektanfällig, kann gerade in der sonnenarmen Winterzeit ein Vitamin D-Defizit der Grund sein. Wie akut diese Gefahr ist, deutet eine vom Robert Koch-Institut durchgeführte Studie an. Hier wurde die Konzentration von 25-Hydroxy-Vitamin-D (25(OH)D) bei 6.995 Teilnehmern im Blutserum gemessen: Insgesamt wiesen 30,2 % der Erwachsenen zwischen 18 und 79 Jahren 25(OH)D-Serumkonzentrationen < 30 nmol/l und damit eine mangelhafte Versorgung auf. Eine ausreichende Versorgung mit 25(OH)D-Serumkonzentrationen von ≥ 50 nmol/l erreichten...

Das könnte Sie auch interessieren

Rolle der Selbstmotivation bei schweren Lungenerkrankungen wie Asthma und COPD

Rolle der Selbstmotivation bei schweren Lungenerkrankungen wie Asthma und COPD
© Sebastian Kaulitzki / Fotolia.com

Neben den oft schweren körperlichen Einschränkungen leiden Patienten mit einer chronischen Lungenerkrankung häufig auch an starken seelischen und psychischen Belastungen. Die Angst vor Atemnot, vor dem Fortschreiten der Krankheit oder vor sozialer Ausgrenzung kann auf Dauer Mutlosigkeit und Depressionen nach sich ziehen. Ein Teil der Therapie kann daher auch die Behandlung psychischer Belastungen sein sowie das Erlernen von Ansätzen, sich in schwierigen Zeiten selbst zu motivieren.

Migräne: „World Brain Day“ widmet sich individualisierter Therapie

Migräne: „World Brain Day“ widmet sich individualisierter Therapie
© Sebastian Kaulitzki / Fotolia.com

Der „World Brain Day“ widmet sich am 22. Juli dem Thema Migräne. In Deutschland sind etwa 10% der Bevölkerung von Migräne betroffen, Frauen etwa doppelt so häufig wie Männer. Doch viele werden nicht diagnostiziert und ärztlich behandelt – sie therapieren sich stattdessen lieber selbst. Nicht selten führt das zu Chronifizierung und neuen Kopfschmerzen, denn Schmerzmedikamente können bei häufiger Einnahme Kopfschmerzen verursachen oder verstärken. Dabei lasse sich durch eine leitliniengerechte und individualisierte Therapie...

Was Eltern über Zöliakie wissen sollten

Was Eltern über Zöliakie wissen sollten
© J.Mühlbauer exclus. / fotolia.com

„Zöliakie?? Keine Angst!“, heißt es auf einem Informations-Portal, das seit Kurzem online kostenlos zur Verfügung steht. Der von der Stiftung Kindergesundheit gemeinsam mit dem Dr. von Haunerschen Kinderspital der LMU München erarbeitete Online-Kurs www.zoeliakie-verstehen.de bildet den maßgeblichen Teil des EU-Projekts Focus IN CD (Fokus auf Zöliakie). Das Lernprogramm soll Betroffenen aktuelles und umfassendes Wissen zu Zöliakie bieten und medizinisches „Fachchinesich“ anschaulich erklären. Ein weiterer Kurs für...

Jeder vierte Patient erhält die Diagnose bereits als Kind

Jeder vierte Patient erhält die Diagnose bereits als Kind
© magicmine / Fotolia.com

„In Deutschland sind etwa 400.000 Menschen von den chronisch entzündlichen Darmerkrankungen (CED) Morbus Crohn und Colitis ulcerosa betroffen“, sagt der CED-Experte der niedergelassenen Magen-Darm-Ärzte, PD Dr. Bernd Bokemeyer. „Die Diagnose wird bei etwa einem Viertel der Patienten schon vor dem 18. Lebensjahr gestellt. Ein Viertel dieser erkrankten Jugendlichen hat seine Diagnose sogar schon vor dem zehnten Lebensjahr erhalten.“  

Sie können folgenden Inhalt einem Kollegen empfehlen:

"Immunologie revolutioniert die Krebstherapie"

Bitte tragen Sie auch die Absenderdaten vollständig ein, damit Sie der Empfänger erkennen kann.

Die mit (*) gekennzeichneten Angaben müssen eingetragen werden!

Die Verwendung Ihrer Daten für den Newsletter können Sie jederzeit mit Wirkung für die Zukunft gegenüber der rsmedia GmbH widersprechen ohne dass Kosten entstehen. Nutzen Sie hierfür etwaige Abmeldelinks im Newsletter oder schreiben Sie eine E-Mail an: info[at]rsmedia-verlag.de.