Dienstag, 7. April 2020
Navigation öffnen

Patientenbereich

29. Oktober 2019 Krebsvorsorge: So läuft eine Darmspiegelung ab

Eine Darmspiegelung gilt als schnelle und sichere Untersuchung. Im Gegensatz zu anderen Arten der Krebsvorsorge können Polypen und andere Auffälligkeiten gleich entfernt werden.
Eine Darmspiegelung steht an. Der Patient liegt in bequemer Seitenlage auf einer Untersuchungsliege. Neben ihm steht der Arzt, in der Hand einen etwa anderthalb Meter langen flexiblen Schlauch von etwa einem Zentimeter Durchmesser: das Koloskop. An dessen Ende befindet sich neben einer Lichtquelle eine winzige Videokamera. Der Arzt schiebt es behutsam in den After des Patienten ein und bis zum Übergang zwischen Dick- und Dünndarm vor.

Langsam wird es dann wieder herausgezogen, dabei betrachtet der Arzt per Monitor die Darmwand des Patienten. Dieser spürt von all dem nichts - er hat vor der Untersuchung ein leichtes Narkosemittel bekommen und schläft. Entdeckt der Mediziner Polypen - knotige Auswucherungen auf der Darmschleimhaut - oder andere auffällige Stellen, kann er sie gleich entfernen. Dafür schiebt er kleine Schlingen oder Zangen in das Koloskop.

Darmkrebs ist zweithäufigste Krebserkrankung

Die Polypen zu entfernen, ist wichtig, „weil aus den oft gutartigen Gebilden mit der Zeit bösartige Tumore werden können und der Patient somit Darmkrebs hat“, erläutert Prof. Thomas Seufferlein. Er ist Vorstandsmitglied der Gastro-Liga und am Universitätsklinikum Ulm tätig. Darmkrebs ist in Deutschland die zweithäufigste Krebserkrankung und kann tödlich enden.

Schon Vorstufen von Darmkrebs können mit einer Darmspiegelung erkannt und beseitigt werden. „Das unterscheidet die Darmspiegelung von anderen Krebs-Vorsorgeuntersuchungen wie Mammographie oder Prostatascreening“, sagt Prof. Alexander Meining von der Deutschen Gesellschaft für Gastroenterologie, Verdauungs- und Stoffwechselkrankheiten (DGVS).

Eine Spiegelung dient aber nicht nur der Krebsvorsorge. Sie erfolgt auch bei Verdacht auf Morbus Crohn, einer chronischen Entzündung des Verdauungstraktes, oder bei Colitis ulcerosa, einer chronischen Dickdarmentzündung. „Hinweise darauf können anhaltende und immer wiederkehrenden Beschwerden im Bauchbereich sein“, erklärt Dagmar Mainz, Vorstandsmitglied im Berufsverband Niedergelassener Gastroenterologen Deutschlands.

Anzeichen für Magen-Darm-Probleme

Bauchkrämpfe, langanhaltender Durchfall oder Blut im Stuhl sind solche Beschwerden. Auch eine Gewichtsabnahme aus unklaren Gründen oder Appetitlosigkeit können Anzeichen dafür sein, dass etwas im Magen-Darm-Bereich nicht in Ordnung ist. Voraussetzung für die Spiegelung: „Der Darm muss absolut sauber sein“, so Seufferlein. Dafür muss sich der Patient 3 bis 7 Tage vor der Untersuchung strikt an die vorgegebenen Ernährungsregeln halten.

Was Körner, Kerne und Schalen enthält, darf nicht gegessen werden: Diese bleiben zu lange auf der Darmwand haften. „Sie blockieren den Arbeitskanal und erschweren so die Untersuchung“, erklärt Meining, der am Uniklinikum Würzburg arbeitet. So sind etwa Vollkornprodukte, Mohn und Sesam sowie Trauben, Tomaten und Kiwis tabu.

Am Tag vor der Darmspiegelung muss der Patient seinen Darm reinigen. Nach einem leichten Frühstück und gegebenenfalls einem leichten Mittagessen darf er nur noch Tee, Wasser oder Brühe zu sich nehmen - keine feste Nahrung. Auch klare Fruchtsäfte sind erlaubt. „Wichtig ist, viel zu trinken, weil dadurch der Darm gut durchgespült und gereinigt wird“, so Mainz.

Abführmittel gehört zur Untersuchung

Am Nachmittag oder Abend vor der Untersuchung beginnt das eigentliche Abführen: Der Patient trinkt 1 bis 2 Liter einer abführenden Lösung. Sie schmeckt nicht gerade gut und sollte möglichst schnell getrunken werden. Gegen den Nachgeschmack hilft weiteres Trinken von Tee oder Wasser. Auch am Untersuchungstag steht die Abführlösung noch mal auf dem Plan.

Darmspiegelungen erfolgen in der Regel ambulant. Auf mögliche Risiken wird vorher hingewiesen. So kann es etwa zu leichten Blutungen im Darm kommen - oder die Darmwand ist beschädigt. „Das passiert mitunter, wenn Polypen entfernt werden“, erklärt Meining. Solche Komplikationen sind aber eher selten. Oft wird der Darm für eine bessere Sicht vorher mit Luft aufgeweitet. Bleibt die Luftzufuhr aus, sind vorübergehende Nebenwirkungen wie leichte Schmerzen oder Blähungen möglich.

Wann die Kasse zahlt

Die Krankenkassen zahlen die Untersuchung bei Beschwerden oder Krankheitsverdacht - und im Rahmen der Darmkrebsvorsorge: bei Männern ab einem Alter von 50 und bei Frauen ab 55 Jahren. „Wenn bei der Vorsorgeuntersuchung keine Auffälligkeiten festgestellt werden, steht die nächste Darmspiegelung erst in 10 Jahren an“, sagt Mainz. Je nach Befund kann sie aber schon nach 6 Monaten, 3 oder 5 Jahren wiederholt werden.

Lange dauert die Untersuchung nicht. Nach rund 20 Minuten hat der Patient alles überstanden und bekommt mögliche Befunde direkt mitgeteilt. Etwa eine halbe Stunde später darf er wieder etwas essen. „Bettruhe muss er am Untersuchungstag nicht einhalten, aber man sollte sich noch für den Rest des Tags schonen“, sagt Seufferlein.

dpa


Weitere Beiträge zum Thema

Vorsorgekoloskopie gehört zu den effektivsten Maßnahmen in der Medizin

Vorsorgekoloskopie gehört zu den effektivsten Maßnahmen in der Medizin
© Crystal light - stock.adobe.com

Anlässlich des Darmkrebsmonats März ruft die Deutsche Gesellschaft für Gastroenterologie, Verdauungs- und Stoffwechselkrankheiten (DGVS) dazu auf, die Vorsorgekoloskopie besser zu nutzen. Das von den gesetzlichen Krankenkassen bezahlte Angebot gehört zu den effektivsten Früherkennungsmaßnahmen, die in der Medizin zu Verfügung stehen: In den ersten 10 Jahren nach Einführung der gesetzliche Darmkrebsfrüherkennung sank die Darmkrebssterblichkeit bei Männern ab 55 Jahren um fast 21 %, bei Frauen dieser Altersgruppe sogar um mehr als 26 %....

Patienten-Information.de im neuen Design – seriöse Gesundheitsinformationen leichter finden

Patienten-Information.de im neuen Design – seriöse Gesundheitsinformationen leichter finden
© LIGHTFIELD STUDIOS - stock.adobe.com

Die Webseite präsentiert sich im modernen Design und mit übersichtlicher Struktur. Die neu gestaltete Startseite ermöglicht einen schnellen Sucheinstieg zu rund 100 Krankheitsbildern und Gesundheitsthemen. Alle Inhalte sind kostenlos, werbefrei und leicht verständlich. Außerdem beruhen sie auf aktuellen Forschungsergebnissen. So können Patientinnen und Patienten gemeinsam mit ihrer Ärztin oder ihrem Arzt gute Entscheidungen bei Gesundheitsfragen treffen.   

Ausgewogene Ernährung reduziert Krebsrisiko

Ausgewogene Ernährung reduziert Krebsrisiko
© Daniel Vincek / Fotolia.com

Mit einer ausgewogenen und ballaststoffreichen Ernährung erhält der Körper nicht nur wertvolle Nährstoffe wie Kohlenhydrate, Eiweiße und Fette, sondern auch wichtige Vitamine, Mineralstoffe und Spurenelemente. Umgekehrt gilt: Mit dem stetigen Bevorzugen bestimmter Lebens- und Genussmittel schadet man der eigenen Gesundheit. „Das heißt, schon mit der Ernährung kann das Risiko für Darmkrebs erhöht oder gesenkt werden“, betont Lars Selig, Leiter des Ernährungsteams am Universitätsklinikum Leipzig (UKL). „Also: Nicht...

Wenn das Wetter krank macht: Tipps gegen Wetterfühligkeit

Wenn das Wetter krank macht: Tipps gegen Wetterfühligkeit
© Thaut Images - stock.adobe.com

Mal Sonne, mal Regen, mal warm, mal kalt: Der Frühling bringt – oft in schneller Abfolge – die unterschiedlichsten Wetterverhältnisse mit sich. Viele Menschen leiden dann unter der sogenannten Wetterfühligkeit. Genaue Zahlen gibt es nicht, schätzungsweise kämpft aber jeder zweite Deutsche mit den entsprechenden Symptomen. Dr. Wolfgang Reuter, Gesundheitsexperte der DKV Deutsche Krankenversicherung, gibt Tipps, wie Wetterfühlige gegensteuern können.

Das könnte Sie auch interessieren

Die wichtigsten Tipps zur Grippe-Impfung

Die wichtigsten Tipps zur Grippe-Impfung
© Konstantin Yuganov / fotolia.com

Es geht wieder los: Die Grippe-Zeit beginnt! Insbesondere ältere Patienten sind durch Influenza-Viren gefährdet. Aber auch Schwangere, Kinder und Pflegepersonal sind besonders betroffen. Deswegen raten Experten jetzt zur gezielten Grippeschutzimpfung. „Für ältere Menschen eignen sich insbesondere die sogenannten tetravalenten Impfstoffe, die nun auch von den Krankenkassen bezahlt werden“, sagt Dr. Andreas Leischker (Foto), Impfexperte der Deutschen Gesellschaft für Geriatrie (DGG) sowie Chefarzt der Klinik für Geriatrie des Alexianer-Krankenhauses...

Vitamin D-Mangel begünstigt Ausbildung von Osteoporose

Vitamin D-Mangel begünstigt Ausbildung von Osteoporose
© crevis / Fotolia.com

Osteoporose ist eine Erkrankung des Skeletts, bei der die Knochen an Festigkeit verlieren und leichter brechen. Dann kann es schnell zu einem Knochenbruch kommen. Sehr oft betroffen sind der Oberschenkelhalsknochen oder die Arme. Eine Ursache für ein schwaches Knochengefüge kann Vitamin D-Mangel sein, wie Prof. Andreas Roth, Leiter des Bereichs Endoprothetik der Klinik für Orthopädie, Unfallchirurgie und Plastische Chirurgie am UKL, anlässlich des Welt-Osteoporose-Tages am 20. Oktober erläutert. Doch auch ein Zuviel an Vitamin D kann zu Gefährdungen führen.

Sie können folgenden Inhalt einem Kollegen empfehlen:

"Krebsvorsorge: So läuft eine Darmspiegelung ab"

Bitte tragen Sie auch die Absenderdaten vollständig ein, damit Sie der Empfänger erkennen kann.

Die mit (*) gekennzeichneten Angaben müssen eingetragen werden!

Die Verwendung Ihrer Daten für den Newsletter können Sie jederzeit mit Wirkung für die Zukunft gegenüber der rsmedia GmbH widersprechen ohne dass Kosten entstehen. Nutzen Sie hierfür etwaige Abmeldelinks im Newsletter oder schreiben Sie eine E-Mail an: info[at]rsmedia-verlag.de.


Cookies

Diese Webseite benutzt Cookies, um den Nutzern das beste Webseiten-Erlebnis zu ermöglichen. Ausserdem werden teilweise auch Cookies von Diensten Dritter gesetzt. Weitere Informationen erhalten Sie in den Allgemeine Geschäftsbedingungen und in den Datenschutzrichtlinien.

Verstanden