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Warum weder Sport noch eine Diät helfen 06. November 2018

Oft unerkannt: Frauenkrankheit Lipödem

Etwa jede zehnte Frau in Deutschland leidet unter einem Lipödem, auch als Reiterhosenphänomen bekannt. Hierbei treten symmetrische schwammige Schwellungen an den Beinen und in 30 Prozent der Krankheitsfälle auch an den Armen auf. Die Ursache: eine Fettverteilungsstörung, die mit Wassereinlagerungen einhergeht. Lipödempatienten stehen aus mehreren Gründen unter einem sehr hohen Leidensdruck. Sie haben nicht nur sehr starke Berührungs- und Druckschmerzen, sondern auch Spannungsgefühle, sodass bereits einfache Tätigkeiten wie Haare föhnen oder Wäsche aufhängen Beschwerden verursachen. Zudem können Scheuerwunden entstehen, wenn die Oberschenkel aneinander reiben. Zu den physischen Beschwerden kommen auch psychologische Belastungen hinzu. „Aufgrund ihres unproportionalen Aussehens – Körpermitte, Hände und Füße sind nicht von den Fettansammlungen betroffen – schämen sich viele Frauen. Darüber hinaus weiß ein Großteil gar nicht, dass sie unter einer Krankheit leiden, da oft keine entsprechende Diagnose erfolgt. Sie gelten als dick, dabei hilft bei einem Lipödem keine Diät“, berichtet Dr. Lijo Mannil, Chefarzt für Plastische und Ästhetische Chirurgie, Klinik für Chirurgie V am St. Vinzenz-Hospital Köln.
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Unklare Ursachen

Bei einem Lipödem vergrößern und vermehren sich die Zellen des Unterhautfettgewebes in Armen und Beinen – unabhängig davon, ob jemand sich gesund ernährt oder sich viel bewegt. Zusätzlich zur Zunahme der Fettzellen kommt es zu Flüssigkeitseinlagerungen: Die Durchlässigkeit der kleinsten Blutgefäße, auch Kapillaren genannt, steigt, dadurch gelangt mehr Flüssigkeit in das Zwischenzellgewebe. Darüber hinaus verursachen die Fettzellen eine Verstopfung der Kapillargefäßöffnungen, sodass kein ausreichender Abtransport der Flüssigkeit erfolgt. Bisher herrscht noch Unklarheit über die Ursache für ein Lipödem, jedoch geht die Forschung von einer genetischen oder hormonellen Veranlagung aus. „Die Erkrankung tritt fast ausschließlich bei Frauen auf, oft im Zusammenhang mit einer hormonellen Umstellung, beispielsweise der Pubertät oder einer Schwangerschaft“, erklärt Dr. Mannil. Je nach Ausprägung der Erkrankung differenzieren Mediziner drei verschiedene Stadien: Während im ersten Stadium die Struktur des Unterhautfettgewebes noch feinknotig ist und sich lediglich leichte Dellen abzeichnen, treten im Stadium drei überdimensionale Hautlappen beziehungsweise -wülste auf.

Kompression hilft gegen die Symptome

Ohne eine entsprechende Behandlung verschlimmert sich ein Lipödem sukzessive. Da es keine Heilung gibt, lassen sich bei einer richtigen und frühzeitigen Diagnose lediglich die Symptome bekämpfen. Betroffene sollten bei einem Verdacht frühzeitig einen Facharzt aufsuchen, um Folgeschäden wie Gelenkerkrankungen oder ein Lipo-Lymphödem, eine Kombination aus Lip- und Lymphödem, zu vermeiden. „Um ein Lipödem zu diagnostizieren, führe ich ein ausführliches Anamnesegespräch. Anschließend schaue ich mir die Schwellungen an und taste sie ab. Mithilfe eines Ultraschalls kann ich zudem das Unterhautfettgewebe sichtbar machen“, so Dr. Mannil. Steht die Diagnose fest, hilft Lymphdrainage dabei, die Schwellungen unter der Haut zu reduzieren. Patienten müssen zudem Flachstrick-Kompressionsstrümpfe tragen, um das Voranschreiten der Krankheit zu verlangsamen.

Mit einem Wasserstrahl gegen die Fettzellen

Als einzige Möglichkeit einer dauerhaften Reduktion des Fettgewebes hat sich die wasserstrahlassistierte Liposuktion, kurz WAL, als Goldstandard bewährt. Hierbei lösen die Plastischen Chirurgen das Fettgewebe mithilfe eines Wasserstrahls vom restlichen Gewebe und saugen dieses gleichzeitig ab. „Anders als bei anderen Methoden zur Fettabsaugung lassen wir bei der WAL die abzusaugenden Areale nicht anschwellen: Es wird weniger Tumeszenzflüssigkeit injiziert, so können wir die betroffenen Areale zielsicher behandeln und kontrollieren bereits während des Eingriffes die Ergebnisse, damit diese gleichmäßig ausfallen. Der Einsatz des Wasserstrahls schont zudem das Gewebe, das ist wichtig, da das Lymphsystem bereits vorgeschädigt ist“, erklärt Dr. Mannil und ergänzt abschließend: „Nach dem Eingriff müssen Patienten noch für mindestens sechs Wochen ein Kompressionsmieder tragen. Doch nach dem Abheilen der Schwellungen und Blutergüssen steigt die Lebensqualität der Operierten um ein Vielfaches.“

Weitere Informationen unter www.vinzenz-hospital.de

St. Vinzenz-Hospital Köln


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