Freitag, 30. Juli 2021
Navigation öffnen
Patientenbereich
19. April 2021

Ein krankes Herz kann niemals warten – Trotz Corona: Warnsignale des Herzens nicht ignorieren

Mit der dritten Corona-Welle und steigenden COVID-19-Infektionen befürchten Herzspezialisten, dass in den kommenden Wochen der Pandemie Herzkranke mit akuten Herzbeschwerden erneut Kliniken und Praxen meiden könnten. Besonders fatal zeigte sich das bereits im 1. Lockdown: Menschen scheuten bei Verdacht auf Herzinfarkt und anderen notfallartigen Herzbeschwerden den lebensrettenden Notruf 112 oder den Weg in die Notfallambulanz – aus Angst vor Ansteckung mit SARS-CoV-2 oder wegen befürchteter pandemiebedingter Kapazitätsengpässe in den Kliniken im Zuge von Verschiebungen vieler elektiver Eingriffe am Herzen.  
Anzeige:
Eigenwerbung
 
„Mit jeder Minute, die man mit Symptomen eines Herzinfarkts abwartet ohne den Notarzt unter der 112 zu alarmieren und den Herzinfarkt sofort medizinisch versorgen zu lassen, verlässt man das optimale Zeitfenster für eine Behandlung des Herzinfarkts in der Klinik“, warnt Prof. Dr. med. Thomas Voigtländer, stellvertretender Vorstandsvorsitzender der Deutschen Herzstiftung und Kardiologe am Cardioangiologischen Centrum Bethanien (CCB) Frankfurt am Main. „Dadurch steigt das Risiko eines plötzlichen Herztodes und irreparable Schäden am Herzen bei dauerhaften Leistungseinbußen werden wahrscheinlicher.“

Kampagne informiert über Herzerkrankungen und ihre häufigsten Warnzeichen

Umso wichtiger ist es, die Menschen über die wichtigsten Symptome von Herzinfarkt und anderen Herzkrankheiten zu informieren, die sich zum Teil mit Symptomen von COVID-19 (Luftnot, Brustschmerzen) überschneiden können. Ziel ist es auch, dafür zu sensibilisieren, trotz Corona-Lockdown bei Herzinfarkt-Verdacht wie auch bei Herzbeschwerden generell medizinische Versorgung in den Kliniken und Praxen in Anspruch zu nehmen. Aus diesem Grund haben die Deutsche Herzstiftung und die Deutsche Gesellschaft für Kardiologie – Herz- und Kreislaufforschung (DGK) gemeinsam mit der Europäischen Gesellschaft für Kardiologie (European Society of Cardiology, ESC) und dem Bündnis der Europäischen Herzstiftungen (European Heart Network, EHN) die Aufklärungskampagne „Ein krankes Herz kann niemals warten – Trotz Corona: Warnsignale des Herzens nicht ignorieren“ gestartet. Auf der Kampagnenseite www.herzstiftung.de/krankesherzwartetnie bieten die Initiatoren Informationsangebote in Form von Ratgebern, Experten-Beiträgen, Video-Clip und Illustrationen rund um das Thema Herzinfarkt (Ursachen, Symptome, Therapie) und richtiges Verhalten im Herznotfall sowie zu Herzerkrankungen allgemein.  
 
„Nicht nur der akute Herzinfarkt, auch andere lebensbedrohliche Komplikationen wie bösartige Herzrhythmusstörungen oder Schlaganfall sind keine aufschiebbaren Krankheitsfälle, sondern erfordern eine notfallmedizinische Versorgung durch den Notarzt und die Klinik“, wie Prof. Dr. med. Andreas Zeiher, Präsident der DGK und Kardiologe am Universitätsklinikum Frankfurt am Main betont. Ebenso zählen dazu Durchblutungsstörungen des Herzens (Ischämien) höherer Dringlichkeit wie Hauptstammstenosen und die instabile Angina pectoris als Vorstufen des Herzinfarkts sowie die entgleiste (dekompensierte) Herzschwäche, die hochgradige Aortenklappenstenose und der Bluthochdrucknotfall. „Sie unterliegen auch in der Pandemie weiterhin selbstverständlich der Notfallversorgung“, so Zeiher. 
 
Unser Herz sollte aber immer höchste Priorität genießen – auch in diesen schwierigen Zeiten. „Deshalb unser Appell an chronisch Herzkranke und Personen mit erstmaligen Herzbeschwerden: Hören Sie auf Ihr Herz, nehmen Sie medizinische Hilfe in der Klinik oder Praxis in Anspruch. Nehmen Sie weiterhin Ihre Medikamente und halten Sie Ihre Kontrolltermine ein“, so der Appell von ESC-Präsident Prof. Dr. med. Stephan Achenbach, Kardiologe am Universitätsklinikum Erlangen.

Über 40% weniger Herzinfarkte und andere Herzgefäßkomplikationen in Kliniken

Während des 1. Lockdowns sank allein die Zahl der stationär versorgten akuten Herzinfarkte um 31%, das Spektrum auf Durchblutungsstörungen des Herzens (Ischämien) höherer Dringlichkeit wie Hauptstammstenosen, instabile Angina pectoris, dekompensierte Herzschwäche, kardiogener Schock und Herzinfarkt erweitert, kam man sogar auf 42% weniger stationäre Behandlungen (1). Eine ESC-Umfrage unter mehr als 3.100 Klinikärzten und Pflegekräften in 141 Ländern weltweit ergab, dass während der 1. Corona-Welle im Frühjahr 2020 die Zahl der Herzinfarktpatienten, die notfallmedizinische Versorgung in den Kliniken in Anspruch nahmen, sogar um über 50% sank (2). „Anstatt den Notarzt zu rufen, dürften diese Menschen einen Herzinfarkt zu Hause erlitten haben mit fatalen Folgen für ihre Überlebenschancen“, berichtet ESC-Präsident Achenbach. „Trotz der Corona-Pandemie muss aber unser Herz seine volle Aufmerksamkeit erhalten wie zu Zeiten vor Corona. Wir Ärzte erleben leider allzu häufig Notfälle, die durch einen vorzeitigen Arzt- oder Klinikbesuch vermeidbar gewesen wären.“
 
COVID-19 war im Jahr 2020 zwar für den Tod von mehr als 1,6 Millionen Menschen weltweit verantwortlich, über 7 Millionen erliegen einem Herzinfarkt. Allein in Deutschland starben daran rund 46.200 Menschen im Jahr 2018 (bei ca. 75.000 COVID-19-Sterbefällen 2020/2021 seit Pandemiebeginn) (3).

Deutsche Herzstiftung

Literatur:

(1) Der Untersuchungszeitraum reichte vom 16. März bis 5. April 2020, siehe WidO-Report: Günster, C, Drogan D, Hentschker C, Klauber J, Malzahn J, Schillinger G, Mostert C.  WidO-Report: Entwicklung der Krankenhausfallzahlen während des Coronavirus-Lockdowns. Nach ICD-10-Diagnosekapiteln und ausgewählten Behandlungsanlässen, Berlin 2020.
(2) Pessoa-Amorim G, Camm CF, Gajendragadkar P, et al. Admission of patients with STEMI since the outbreak of the COVID-19 pandemic. A survey by the European Society of Cardiology. Eur Heart J Qual Care Clin Outcomes. 2020;6:210–216. doi: 10.1093/ehjqcco/qcaa046.
(3) Deutsche Herzstiftung (Hg.), Deutscher Herzbericht 2019, Frankfurt am Main 2020; Robert Koch-Institut (RKI).


Anzeige:
Eigenwerbung
 
Weitere Beiträge zum Thema
Kinder und Sport: Alarmzeichen Rückenschmerz
Kinder und Sport: Alarmzeichen Rückenschmerz
©Dusan Kostic - stock.adobe.com

Bei Kindern und Jugendlichen, die intensiv Sport treiben, sollte man auf Alarmzeichen wie Kreuz- und Rückenschmerzen unbedingt achten. Bei der noch wachsenden Wirbelsäule kann es – im Unterschied zum Erwachsenen – zu echten strukturellen Problemen kommen. Werden diese nicht erkannt und therapiert, sind Schäden im Erwachsenen-Alter vorprogrammiert. Die Gesellschaft für Orthopädisch-Traumatologische Sportmedizin (GOTS) beleuchtet dieses Thema intensiv auf ihrem 36. Jahreskongress am 1. und 2. Juli. In Live-Streams und „on demand-Sitzungen“ tauschen sich Hunderte Ärzte, Physiotherapeuten und...

Sport für Kinder: Warum richtiges Training und die vernünftige Dosis so wichtig sind
Sport für Kinder: Warum richtiges Training und die vernünftige Dosis so wichtig sind
©Pixel-Shot - stock.adobe.com

Kinder sind keine kleinen Erwachsenen. Ihre Knochen, Muskeln, Sehnen sowie ihr Stoffwechsel, „ticken“ im Alter des Heranwachsens noch anders. Deshalb sollte beim Sport explizit darauf geachtet werden, kind- und entwicklungsgerechtes Training anzubieten und kein reduziertes Erwachsenen-Training durchzuführen. Die Gesellschaft für Orthopädisch-Traumatologische Sportmedizin (GOTS) widmet sich als Partner auf dem Sports, Medicine and Health Summit 2021 unter anderem diesem Thema.

Helm auf beim Fahrradfahren
Helm auf beim Fahrradfahren
© Rido / Fotolia.de

Helm auf beim Fahren mit dem Fahrrad, E-Bike oder E-Scooter empfiehlt die Deutsche Gesellschaft für Orthopädie und Unfallchirurgie (DGOU). Kommt es zu einem Unfall, sind Zweiradfahrer besonders verletzungsgefährdet. Denn das Zweirad bietet keine Knautschzone wie etwa ein Pkw. „Fahrradhelme können Unfälle nicht vermeiden, aber die Verletzungsfolgen deutlich verringern. Kopf- und insbesondere Gehirnverletzungen können irreversible Schäden verursachen. Im Gegensatz dazu können wir heute Knochenbrüche so gut behandeln, dass diese meist...

Hornhautveränderungen bei Liderkrankungen
Hornhautveränderungen bei Liderkrankungen
©Vera Kuttelvaserova - stock.adobe.com

Die Augenoberfläche ist ein sensibles System. Jedes einzelne ihrer Bestandteile – die Lider, die Bindehaut, die Hornhaut und der Tränenfilm – spielt eine wichtige Rolle. So lange alles funktioniert, ist uns gar nicht bewusst, wie komplex dieses Zusammenspiel ist. Doch eine Störung an einem Teil wirkt sich auf alle anderen aus. Das kann gravierende Folgen für das Sehvermögen und das Wohlbefinden des Betroffenen haben.

Frühlingssonne genießen – Hautkrebs vermeiden: Deutsche Krebshilfe und ADP einfache Tipps gegen Hautkrebs
Frühlingssonne genießen – Hautkrebs vermeiden: Deutsche Krebshilfe und ADP einfache Tipps gegen Hautkrebs
©Brian Jackson / Fotolia.de

Warmes, sonniges Frühlingswetter: „Balsam für die Seele“ nach entbehrungsreichen Winterwochen im Pandemie-Lockdown. Neben wohltuender Wärme und sichtbarem Licht gehören allerdings auch unsichtbare ultraviolette (UV-) Strahlen zum Spektrum der Sonne. Viele Menschen unterschätzen gerade im Frühjahr die Gefahren der schon jetzt intensiven Sonnenbestrahlung. Die Deutsche Krebshilfe und die Arbeitsgemeinschaft Dermatologische Prävention e.V. (ADP) raten daher: Gewöhnen Sie Ihre Haut behutsam an die sonnenreiche Jahreszeit und vermeiden Sie...

Das könnte Sie auch interessieren

Ein krankes Herz kann niemals warten – Trotz Corona: Warnsignale des Herzens nicht ignorieren

Ein krankes Herz kann niemals warten – Trotz Corona: Warnsignale des Herzens nicht ignorieren
© Robert Kneschke / Fotolia.de

Mit der dritten Corona-Welle und steigenden COVID-19-Infektionen befürchten Herzspezialisten, dass in den kommenden Wochen der Pandemie Herzkranke mit akuten Herzbeschwerden erneut Kliniken und Praxen meiden könnten. Besonders fatal zeigte sich das bereits im 1. Lockdown: Menschen scheuten bei Verdacht auf Herzinfarkt und anderen notfallartigen Herzbeschwerden den lebensrettenden Notruf 112 oder den Weg in die Notfallambulanz – aus Angst vor Ansteckung mit SARS-CoV-2 oder wegen befürchteter pandemiebedingter Kapazitätsengpässe in den Kliniken im Zuge von...

Diabetes in Deutschland: Lücken in Versorgung, Prävention und Aufklärung

Diabetes in Deutschland: Lücken in Versorgung, Prävention und Aufklärung
© pikselstock - stock.adobe.com

Was ist bloß mit der Politik los?! Das fragen sich kopfschüttelnd immer mehr Patienten mit Diabetes, Angehörige und Risikopatienten. Laut einer aktuellen Umfrage von diabetesDE – Deutsche Diabetes-Hilfe mit mehr als 1500 Menschen fühlen sich 86 % der Menschen mit Typ-2-Diabetes nicht angemessen in der Politik vertreten. Das will die neue „Digitale Allianz Diabetes Typ 2“, ein Bündnis aus 16 Diabetesorganisationen und Fachverlagen, ändern! 

Mit achtsamer Lebensweise Burn-out vorbeugen

Mit achtsamer Lebensweise Burn-out vorbeugen
© natalialeb - stock.adobe.com

Nach einer Studie des Lebensversicherungskonzerns Swiss Life lag der Personalausfall im Jahr 2018 zu 37 Prozent an Krankheiten bedingt durch psychische Belastung am Arbeitsplatz. Zu den häufigsten Gründen der Krankmeldungen zählten Burn-out und Depressionen. „Menschen leben heute in einer Welt von stetiger Erreichbarkeit. Auch am späten Abend nach der eigentlichen Arbeitszeit, am Wochenende oder sogar im Urlaub erreichen sie E-Mails oder Anrufe, sodass sie nicht zur Ruhe kommen. Deshalb fühlen sich immer mehr Menschen körperlich sowie emotional...

Mittelmeerdiät ist gesund – auch fernab mediterraner Gefilde

Mittelmeerdiät ist gesund – auch fernab mediterraner Gefilde
© Daniel Vincek / fotolia.com

Neue Analysen der EPIC-Potsdam-Studie zeigen, dass eine mediterrane Kost auch außerhalb des Mittelmeerraums das Risiko für Typ-2-Diabetes senken kann. Zudem können Menschen mit Gemüse, Obst, Olivenöl und Co wahrscheinlich zusätzlich ihr Herzinfarkt-Risiko verringern. Die Ergebnisse zum Zusammenhang von regionalen Diäten und chronischen Erkrankungen haben DIfE-Wissenschaftler im Rahmen des Kompetenzclusters NutriAct jetzt im Fachblatt BMC Medicine publiziert.

Sie können folgenden Inhalt einem Kollegen empfehlen:

"Ein krankes Herz kann niemals warten – Trotz Corona: Warnsignale des Herzens nicht ignorieren"

Bitte tragen Sie auch die Absenderdaten vollständig ein, damit Sie der Empfänger erkennen kann.

Die mit (*) gekennzeichneten Angaben müssen eingetragen werden!

Die Verwendung Ihrer Daten für den Newsletter können Sie jederzeit mit Wirkung für die Zukunft gegenüber der Medical Tribune Verlagsgesellschaft mbH - Geschäftsbereich rs media widersprechen ohne dass Kosten entstehen. Nutzen Sie hierfür etwaige Abmeldelinks im Newsletter oder schreiben Sie eine E-Mail an: info[at]rsmedia-verlag.de.


EILMELDUNGEN zu SARS-CoV-2 und COVID-19
  • CHMP empfiehlt SARS-CoV-2-Impfstoff von Moderna für Jugendliche von 12-17 Jahren (Quelle: PEI, 23.7.2021)
  • CHMP empfiehlt SARS-CoV-2-Impfstoff von Moderna für Jugendliche von 12-17 Jahren (Quelle: PEI, 23.7.2021)