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Neben Tee ist Kaffee das beliebteste Getränk rund um den Globus. Was seinen zahllosen Liebhabern die Freude am Genuss jedoch über viele Jahrzehnte hinweg verdorben hat, waren die Warnungen vor den gesundheitsschädigenden Effekten. Auf der langen Liste der Risiken fanden sich unter anderem die Gefahr der Abhängigkeit, Erkrankungen von Magen und Nieren sowie Bluthochdruck und Herzrhythmusstörungen. So hatte Kaffee seinen Stempel weg, weshalb die Einschränkung seines Konsums als besser für die Gesundheit empfohlen wurde. Das kann allerdings getrost zu den wissenschaftlichen Akten gelegt werden. Denn eine ganze Reihe von Untersuchungen hat den schlechten Ruf des beliebten Stimulans inzwischen vollauf widerlegt. Mehr noch: Sie haben gezeigt, dass Coffea arabica, wie der Kaffeestrauch botanisch heißt, in seinen Bohnen ganz im Gegensatz zur lang gehegten These eine Menge Gutes für unser Wohlbefinden bereithält.

Kaffee erhöht nicht den Blutdruck, sondern senkt ihn

Beginnen wir mit dem wohl erstaunlichsten Befund: Anstatt den Blutdruck – wie lange fälschlich propagiert – zu erhöhen, senkt ihn der Muntermacher langfristig [1]. So haben gewohnheitsmäßige Kaffeetrinker im Vergleich zu Menschen, die keinen Kaffee trinken, geringere Werte beim systolischen und diastolischen Blutdruck sowie beim peripheren Kreislauf sowie dem zentralen Aortendruck. Die zunächst blutdrucksteigernde Wirkung von Koffein wird ganz offensichtlich von den anderen bioaktiven Bestandteilen im Kaffee ausgeglichen [1]. Sehr erfreulich ist des Weiteren die Erkenntnis, dass Kaffeetrinken selbst bei bereits erhöhten Blutdruckwerten nicht mit einer höheren kardiovaskulären Sterblichkeit oder Gesamtmortalität verbunden war [2]. Das gilt natürlich nicht bei zehn und mehr Tassen täglich, sondern beim moderaten Konsum von drei bis vier Tassen am Tag. Dieser ist übrigens ferner auch mit einem geringeren Risiko für Herzschwäche und Herzrhythmusstörungen assoziiert [3].

Wie Kaffee Herz und Gefäße schützt

Die blutdrucksenkende Wirkung geht allen voran auf die in den Kaffeebohnen enthaltenen Polyphenole zurück. Dabei handelt es sich um sekundäre Pflanzenstoffe, welche die Blutgefäße entspannen und so den Blutdruck herunter regulieren. Der nächste Grund für die guten Wirkungen auf Herz und Gefäße ist der hohe Gehalt an Antioxidantien. Diese Stoffe fangen im Körper die schädlichen freien Sauerstoffradikale ab und schützen damit vor zahlreichen Erkrankungen; auch außerhalb des Herz-Kreislauf-Systems. Kommen wir zum Koffein, dem ein hochinteressanter Wirkmechanismus bescheinigt wurde: Es greift in den Stoffwechsel der Mitochondrien, der potenten Kraftwerke unserer Zellen ein. Das gelingt ihm, indem es den Transport eines wichtigen Proteins in die Mitochondrien fördert. Dort angekommen, aktiviert der Eiweißstoff deren Funktionen. Dieser Kick für die Zellkraftwerke sorgt dafür, dass Kaffee Herz und Blutgefäße vor Schädigungen schützen kann.

Koffein macht Ibuprofen effektiver

Die Wirksamkeit des bekannten Schmerzmittels Ibuprofen wird in Kombination mit Koffein deutlich verstärkt. Dies ergab unter anderem eine Untersuchung an Patient:innen, die nach der Entfernung eines Weisheitszahns an mittelstarken bis starken Schmerzen litten [4]. Die Kombination aus Koffein und Ibuprofen führte zu einer um rund 30% stärkeren Schmerzlinderung. Diese setzte zudem schneller ein, als bei Ibuprofen alleine.

Großer Einfluss auf Darmkrebs

Bemerkenswerte Befunde lieferten Forschungen auch zum Effekt von Kaffee auf Organe eine Etage unterhalb des Herzens, nämlich auf Dünn- und Dickdarm. Sein regelmäßiger Genuss entpuppte sich als überaus positiv für den Krankheitsverlauf bei Patient:innen mit Darmkrebs, sogar im fortgeschrittenen Stadium [5]. Die in Studien untersuchten Patient:innen hatten alle eine Darmoperation hinter sich und mussten sich anschließend einer Chemotherapie unterziehen. Wie sich zeigte, war das Risiko einen Krankheitsrückfall zu erleiden oder gar an der Darmkrebserkrankung zu sterben, bei den regelmäßigen Kaffeetrinkern erheblich geringer als bei den anderen Patient:innen. Kaffee kann aber auch wirksam vor Darmkrebs schützen. Forschungen wiesen nach, dass regelmäßiges Kaffeetrinken das Risiko für diese Krebserkrankung senkt.

Altbewährte Heilmittel

Dass Kaffeebohnen nicht nur der wohltuenden Anregung dienlich, sondern auch medizinisch wertvoll sind, ist übrigens keine neue Erkenntnis. In jenen Regionen, wo der Muntermacher schon lange genutzt wird, sind seine Samen in der traditionellen Volksmedizin auch als Arznei zugegen. So kaut man in Nord- und Ostafrika die Kaffeebohnen geröstet gegen Kopfschmerzen, Erkältungen und Schwächezustände. In arabischen Ländern schätzt man den Kaffeesatz auf eitrige Wunden und Entzündungen aufgelegt. Auch in unseren Breiten existiert schon länger eine medizinische Anwendung: Starker schwarzer Kaffee mit Zitronensaft als probates Mittel gegen Kopfschmerzen und den morgendlichen Kater nach einem zu tiefen Blick ins Glas. Auch eine homöopathische Arznei wird aus den Kaffeebohnen hergestellt. Unter der Bezeichnung Coffea verordnen Homöopathen sie gegen Kopf- und Wundschmerzen, Schlafstörungen und nervöser Übererregtheit.

Bei Magenproblemen besser schwarz

Wer einen empfindlichen Magen hat, sollte auf Milch oder Sahne im Kaffee verzichten. Denn der Milchzuschuss führt auf Grund seines Gehalts an Eiweiß und Fett dazu, dass der Kaffee länger im Magen verweilt, bis er im Verdauungstrakt weiter befördert wird. Damit können auch jene Substanzen länger schädigend wirken, die der Magenschleimhaut oftmals zu schaffen machen: die sogenannten Röststoffe, wie unter anderem die Chlorogensäure.

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Literatur:

(1)

Cicero AFG. et al. (2023) On behalf of the Brisighella Heart Study. Self-Reported Coffee Consumption and Central and Peripheral Blood Pressure in the Cohort of the Brisighella Heart Study. Nutrients, DOI: 10.3390/nu15020312

(2)

Quarti-Trevano F et al. (2025) Habitual coffee consumption and risk of cardiovascular and all-cause mortality in the PAMELA hypertensive population, DOI: 10.1016/j.numecd.2024.10.014

(3)

Dewland TA et al. (2025) Coffee and cardiovascular disease. European Heart Journal, DOI: 10.1093/eurheartj/ehaf421.

(4)

Weiser T et al. (2017): Efficacy and safety of a fixed-dose combination of ibuprofen and caffeine in the management of moderate to severe dental pain after third molar extraction. European Journal of Pain, DOI: 10.1002/ejp.1068

(5)

Fuchs CS et al. (2015) Coffee Intake, Recurrence, and Mortality in Stage III Colon Cancer: Results From CALGB 89803 (Alliance). Journal of Clinical Oncology, DOI: 10.1200/JCO.2015.61.5062