Sonntag, 21. April 2024
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Medizin

Digital unterstützte TENS-Schmerztherapie

Digital unterstützte TENS-Schmerztherapie
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Das elektromedizinische Verfahren TENS (Transkutane Elektrische Nervenstimulation) ist ein Baustein der multimodalen Schmerztherapie und kann im häuslichen Umfeld als Selbstbehandlung durch Patient:innen angewendet werden. Für symptomatische Verbesserungen der Funktionalität chronischer Schmerzpatient:innen ist die Therapie über längere Zeiträume erforderlich. Daher kommt der Adhärenz zum TENS-Therapieplan eine besonders hohe Bedeutung zu. Welche Chancen und Möglichkeiten die digital unterstützte TENS-Therapie bieten kann, erörterten Expert:innen im Rahmen eines Meet-the-Experts anlässlich des Deutschen Schmerz- und Palliativtags. Sie kamen zu dem Schluss, dass die digitale Unterstützung des Therapieverfahrens zusätzliches Potenzial der bewährten TENS-Therapie darstellt und Patient:innen dadurch einen größeren Behandlungserfolg ermöglichen kann.

TENS: Ausschüttung von schmerzstillenden Substanzen und Hemmung der Schmerzübertragung

TENS wird im Bereich der Schmerztherapie zur Behandlung akuter und chronischer Schmerzen eingesetzt (1, 2). Die niederfrequente Stimulation führt zur Ausschüttung körpereigener Substanzen wie z. B. Endorphine, die schmerzstillend wirken (3-5). Die hochfrequente Stimulation blockiert die Schmerzübertragung in den Nerven im Sinne der Gate-Control-Theorie (6). Für einen bestmöglichen und langanhaltenden analgetischen Effekt ist eine wiederholte Anwendung von TENS in ausreichend hoher Intensität erforderlich.

Patient:innen müssen für die TENS-Therapie motiviert werden

Die Bedeutung von TENS für die multimodale Schmerztherapie wurde in zahlreichen Studien belegt. Allerdings verlangt die regelmäßige Durchführung einer TENS-Therapie von den Anwender:innen weitaus mehr Motivation als zur Einnahme von Medikamenten. Schmerzpatient:innen benötigen unterschiedliche Arten der Motivation, um ihre Therapietreue zu steigern: Dazu gehören neben einem Verständnis für die Funktionsweise und der korrekten Anwendung von TENS ebenso die Etablierung einer Routine und sichtbare Erfolge in der Verlaufsbeobachtung.

tiNa-start: Digitale Begleitung für mehr Treue zur TENS-Therapie

„TENS hat sich als Therapie für chronische Schmerzpatient:innen über Jahrzehnte hinweg als erfolgreiche Behandlungsmethode etabliert. Deshalb arbeitet schwa-medico kontinuierlich an der Weiterentwicklung des elektromedizinischen Therapieverfahrens. Mit Hilfe der neu entwickelten, DiGA tiNa-start soll es gelingen, das volle Potential der bewährten TENS-Therapie zu entfalten, indem Patient:innen durch erhöhte Therapietreue, Entspannung, Mentaltraining und in ihrer Selbstbestimmung unterstützt werden“, erläuterte Dr. Roger Pierenkemper, CEO von schwa-medico. „Nebenwirkungsarm und einfach von zuhause anzuwenden, wollen wir im Rahmen einer klinischen Studie zeigen, dass tiNa-start im Rahmen einer multimodalen Schmerztherapie mithilfe der digitalen Unterstützung einen signifikanten Mehrwert zur TENS-Therapie beiträgt.“
„tiNa-start bietet u.a. Funktionen für die Selbstüberwachung und die direkte Therapieunterstützung. Durch die erwartete Steigerung der Therapietreue soll in der Folge vor allem die Funktionalität der Schmerzpatient:innen verbessert werden“, fasste Dr. Reinhard Sittl die Vorteile der durch tiNa-start unterstützten TENS-Therapie zusammen. „Die Lebensqualität von Schmerzpatient:innen kann auf diesem Weg kontinuierlich erhöht werden, sodass sie den Teufelskreis des Schmerzes Schritt für Schritt verlassen können.“
 
 

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Wirksamkeit von TENS zur Schmerzreduktion bei muskuloskelettalen Erkrankungen

Einen Überblick zur aktuellen Evidenz aus klinischen Studien gab Prof. Dr. Sven Gottschling. Die Studienlage zur TENS-Therapie ist heterogen, wobei Studien zu TENS bislang weitgehend nicht nach höchsten Standards durchgeführt wurden (3-5). Allerdings zeigen systematische Übersichtsarbeiten und Meta-Analysen die Wirksamkeit von TENS zur Schmerzreduktion und Verbesserung der Funktionalität bei muskuloskelettalen Erkrankungen wie zum Beispiel chronischen Schmerzen aufgrund von Kniearthrose (7, 8) oder chronischen Rücken- und Nackenschmerzen (9-11).

Studie untersucht den Einfluss von tiNa-start auf die TENS-Therapieadhärenz

Der Einfluss der digitalen Unterstützung durch tiNa-start auf die TENS-Therapieadhärenz bei muskuloskelettalen Schmerzpatient:innen wird derzeit in einer laufenden Studie evaluiert. Die offene, 2-armige, kontrollierte, randomisierte, multizentrische Studie über 12 Wochen untersucht die Effekte von tiNa-start auf die Therapieadhärenz im häuslichen Umfeld, die Patient:innen-Souveränität sowie Funktionalität bei muskuloskelettalen Schmerzpatient:innen. Eingeschlossen werden erwachsene Patient:innen (n=258) in 3 Kohorten entsprechend des Bereichs ihrer Schmerzdiagnose (unterer Rücken, Nacken und Knie). Die Patient:innen werden im Verhältnis 1:1 zufällig der interventionellen Gruppe (TENS-Therapie + tiNa-start, n=129) oder Kontrollgruppe (nur TENS-Therapie, n=129) zugeordnet. Der primäre Endpunkt ist die Therapieadhärenz. In sekundären Endpunkten werden die Funktionalität der Patient:innen, Patient:innen-Souveränität, Schmerzen, Sicherheit und Verträglichkeit sowie das Ansprechen der Therapie erfasst. „Über das Studienziel hinaus werden anonymisierte Anwendungsdaten systematisch statistisch ausgewertet“, so Prof. Gottschling. „Damit schafft die Evaluationsstudie eine solide Datenlage zur Beurteilung der Bedeutung der Adhärenz für die Steigerung der Funktionalität chronischer Schmerzpatient:innen.“

Quelle: schwa-medico

Literatur:

(1) Johnson M. Transcutaneous Electrical Nerve Stimulation (TENS). Research to Support Clinical Practice; Oxford University Press: Oxford, UK, 2014.
(2) Vance CGT et al. Using TENS for pain control: Update on the state of the evidence. Medicina (Kaunas). 2022;58(10):1332.
(3) Andersson SA et al. Evaluation of the pain suppression effect of different frequencies of peripheral electrical stimulation in chronic pain conditions. Acta Orthop Scand. 1976;47(2):149-157.
(4) Mayer DJ, Prince DD. The neurobiology of pain. In: Snyder‐Mackper L, Robinson A editor(s). Clinical Electrophysiology, Electrotherapy and Electrophysiologic Testing. 1st Edition. Baltimore, MD: Williams & WIlkins, 1989:141‐201.
(5) Grimmer K. A controlled double blind study comparing the effects of strong Burst Mode TENS and High Rate TENS on painful osteoarthritic knees. Aust J Physiother. 1992;38(1):49-56.
(6) Melzack R, Wall PD. Pain mechanisms: A new theory. Science 1989;150(3699): 971-979.
(7) Bjordal JM et al. Short-term efficacy of physical interventions in osteoarthritic knee pain. A systematic review and meta-analysis of randomised placebo-controlled trials. BMC Musculoskelet Disord. 2007;8:51.
(8) Osiri M et al. Transcutaneous electrical nerve stimulation for knee osteoarthritis. Cochrane Database of Systematic Reviews 2000, Issue 4. Art. No.: CD002823.
(9) Jauregui JJ et al. A Meta-Analysis of Transcutaneous Electrical Nerve Stimulation for Chronic Low Back Pain. Surg Technol Int. 2016;28:296-302.
(10) Paley CA et al. Does TENS Reduce the Intensity of Acute and Chronic Pain? A Comprehensive Appraisal of the Characteristics and Outcomes of 169 Reviews and 49 Meta-Analyses. Medicina (Kaunas). 2021;57(10):1060.
(11) Wu LC et al. Literature Review and Meta-Analysis of Transcutaneous Electrical Nerve Stimulation in Treating Chronic Back Pain. Reg Anesth Pain Med. 2018;43(4):425-433.



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