Dienstag, 28. Mai 2024
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Medizin

Renale Denervierung: Vielversprechende Option bei resistenter Hypertonie

Renale Denervierung: Vielversprechende Option bei resistenter Hypertonie
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Die renale Denervierung (RDN) eröffnet neue Wege für Patient:innen mit resistenter Hypertonie, die trotz medikamentöser Therapien erhöhte Blutdruckwerte aufweisen. Durch eine gezielte Behandlung der Nierennerven kann die RDN eine klinisch relevante Senkung des Blutdrucks erreichen und somit das Risiko für kardiovaskuläre Erkrankungen signifikant verringern. Die aktuellen Leitlinien der European Society of Hypertension (ESH) sowie der Nationalen VersorgungsLeitlinie (NVL Hypertonie 2023) empfehlen den Eingriff bei diesen Patient:innen.

Renale Denervierung bei Patient:innen mit resistenter Hypertonie

Die Senkung einer arteriellen Hypertonie gehört nach wie vor zu den wirksamsten Maßnahmen, die kardiovaskuläre Übersterblichkeit zu mindern. Nach Ausschöpfung aller medikamentösen Optionen und Sicherstellung einer tatsächlichen Therapieadhärenz verbleiben immer noch etwa 5% der Patient:innen mit einer echten resistenten Hypertonie mit systolischen Werten über 140 mmHg (oder diastolisch über 90 mmHg). Den aktuellen Leitlinien der ESH sowie der NVL Hypertonie 2023 zufolge kann bei diesen Patient:innen die RDN als Therapieoption eingesetzt werden. Denn sie bietet auch ihnen eine klinisch bedeutsame Blutdrucksenkung mit langanhaltender Minderung der kardiovaskulären Mortalität. Das erklärte Prof. Dr. Michael Böhm, Homburg/Saar bei der 90. Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Kardiologie (DGK) in Mannheim.

Systolische Hypertonie: Risikoreduktion durch Blutdrucksenkung

Die systolische Hypertonie trägt den größten Ursachenanteil an der kardiovaskulären Mortalität weltweit und ist deshalb als eigenständiger Surrogatparameter für klinische Endpunkte schon seit Jahren anerkannt. Ebenso gesichert ist der Nutzen einer Blutdrucksenkung, den Böhm auf eine Risikoreduktion um 10% mit jeder systolischen Senkung um 5 mmHg bezifferte – und dies unabhängig vom Alter der Patient:innen und vom Ausgangsblutdruck.
 
 

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RDN sollte an zertifizierten Zentren vorgenommen werden

Um auch Patient:innen diesen Vorteil verschaffen zu können, die trotz aller medikamentösen Bemühungen mit 2- oder 3-fach Fixkombinationen ihre Zielwerte nicht erreichen, plädierte der Kardiologe dafür, eine RDN als Alternative zu einer zusätzlichen Gabe eines weiteren Antihypertensivums wie etwa Spironolacton in Erwägung zu ziehen. Ähnliches sollte seiner Auffassung nach für Patient:innen gelten, die Verträglichkeitsprobleme mit der Medikation haben oder aus anderen Gründen definitiv nicht medikamentös einstellbar sind. Der Eingriff sollte wie in den Leitlinien festgelegt, nach gemeinsamer Arzt-Patienten-Entscheidung in zertifizierten Zentren durchgeführt werden. Diese Zentren sind mittlerweile deutschlandweit zu finden.

Durch die RDN soll die Bildung von blutdrucksteigernden Hormonen verringert werden

Mit Hilfe der RDN soll die überaktive Signalübertragung zwischen dem zentralen sympathischen Nervensystem und den Nieren moduliert werden, sodass die Bildung von blutdrucksteigernden Hormonen verringert wird, erklärte Prof. Dr. Joachim Weil, Lübeck. Bei der ultraschallbasierten RDN geschehe dies durch gezielte ringförmige Erhitzung des Gewebes, für die ein Ballon-Katheter in die Nierenarterien geführt wird. Dort werden die efferenten und afferenten Nervenbahnen in einer kontrollierten Zielablationstiefe von 1 bis 6 mm für 7 Sekunden moduliert, wobei die Intima durch Kühlung des Ballons gleichzeitig vor thermischen Verletzungen geschützt wird.

Durchschnittliche Senkung des systolischen Blutdrucks um 17,3 mmHg

In einem Zeitraum von 2 Monaten konnten in Sham-kontrollierten randomisierten klinischen Studien (RADIANCE-Studienprogramm) zufolge eine Blutdrucksenkung zwischen 4,5 und 6,3 mmHg versus Sham in der 24-Stunden-Messung beim systolischen Blutdruck am Tag dokumentiert werden, die beim Praxis-Blutdruck noch höher ausfällt. Da in diese gemittelten Ergebnisse auch die Werte von Non-Respondern eingegangen sind, fielen die positiven Effekte bei den reinen Respondern nochmals wesentlich besser aus. Sie können von einer durchschnittlichen systolischen Blutdrucksenkung von bis zu 17,3 mmHg (RADIANCE-HTN TRIO) profitieren (1).

Quelle: Pressekonferenz „Renale Denervierung: Wo stehen wir nach Zulassung des Verfahrens 2024?” im Rahmen der 90. Jahrestagung der DGK, 04.04.24, Mannheim Veranstalter: Recor Medical

Literatur:

(1) Azizi et al. Ultrasound renal denervation for hypertension resistant to a triple medication pill (RADIANCE-HTN TRIO): a randomised, multicentre, single-blind, sham-controlled trial, Lancet. 2021, abrufbar unter: https://www.thelancet.com/journals/lancet/article/PIIS0140-6736(21)00788-1/abstract, letzter Zugriff: 07.05.2024.



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