Freitag, 1. März 2024
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Medizin

Sind Frauen Patienten 2. Klasse?

Sind Frauen Patienten 2. Klasse?
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Ist die Gesundheitsversorgung in Deutschland erstklassig? An welchen Stellen brauchen wir dringend Verbesserungen? Diesen Fragen widmete sich die Veranstaltung „Frauengesundheit in Deutschland – erstklassig?“. Ausgangspunkt des hochkarätig besetzten Treffens waren die Ergebnisse des „Hologic Global Women’s Health Index (GWHI)“, einer weltweiten Befragung von Frauen zu ihrer gesundheitlichen Situation.

Entscheidungen im Gesundheitssystem werden vornehmlich von Männern getroffen

„Frauenrecht und Frauengesundheit sind kaum voneinander zu trennen.“ betonte Saskia Weishaupt MdB (Bündnis 90/Die Grünen) in ihrer Keynote, mit der sie die Veranstaltung eröffnete. Auch Vera Cordes, Moderatorin des NDR-Gesundheitsmagazins „Visite“, befand, dass in unserem Gesundheitssystem zwar jedermann bekomme, was er brauche – aber nicht jede Frau. Die Entscheidungen würden in letzter Instanz immer noch von Männern getroffen.
 
 

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„Gender Data Gap“ besteht noch immer

Wie lang die Tradition eines männerdominierten Blickes auf die Frauengesundheit zurückreicht, erläuterte Prof. Dr. Christine Schües, Medizinhistorikerin aus Lübeck. Seit Aristoteles sei der männliche Körper Prototyp des Körpers, die Frau eher ein „verunglückter Mann“. Bis heute äußere sich das Ungleichgewicht noch in mangelnden Daten zu Frauengesundheit, dem „Gender Data Gap“.

Prävention für Frauen in Deutschland noch nicht ausreichend

Dass dies weltweit der Fall ist, belegt der Global Women’s Health Index, den Wouter Peperstraete, General Manager DACH von Hologic, vorstellte. Dieser Index wird weltweit, in 116 Ländern, einheitlich erhoben und erlaubt so einen Vergleich zwischen den Staaten im Jahresrhythmus. Deutschland ist hier zwar auf Platz 6, bekam in der Befragung aber nur 65 von 100 Punkten und zeigte besonders im Bereich Prävention Aufholbedarf. Peperstraete hob die geringe Teilnahmerate an Früherkennungsprogrammen in Deutschland hervor, die er u.a. auf eine fehlgeleitete Kommunikation zurückführt.
 
 

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Therapie des Herzinfarkts nicht auf Frauen ausgelegt

Prof. Dr. med. Vera Regitz-Zagrosek gilt als Pionierin der Gendermedizin in Deutschland. Sie erläuterte am Beispiel des Herzinfarktes, dass Diagnose und Therapie im Wesentlichen auf die Behandlung des Mannes ausgerichtet seien. In der Konsequenz sei die Frühsterblichkeit nach Herzinfarkt vor allem bei jüngeren Frauen deutlich höher als bei altersgleichen Männern. Auch in Kliniken sei die Sterberate von Frauen nach Herzinfarkt höher.

Wird die Hysterektomie in Deutschland zu häufig durchgeführt?

Ein weiteres eindrucksvolles Beispiel aus der Praxis gab Prof. Dr. med. Sven Becker. Er erläuterte, dass in Deutschland die Hysterektomie die zweithäufigste Operation nach dem Kaiserschnitt sei, obwohl es sich in 80% der Fälle um gutartige Erkrankungen handele. Endometriumablationen seien viel seltener als Hysterektomie in Deutschland, weil sie immer noch nicht zugelassen seien. Im Vergleich dazu seien Ablationen in Großbritannien und den Niederlanden wesentlich häufiger als Hysterektomien. Bei frauenspezifischen Erkrankungen seien die Kostenträger:innen oftmals zögerlicher, als bei männerspezifischen Indikationen.

Gesundheitssystem muss Gender mehr berücksichtigen

In der anschließenden Podiumsdiskussion erörterten die diesjährige Preisträgerin des Berliner Frauenpreises Prof. Dr. med. Mandy Mangler, die Journalistin und ehemalige Brustkrebspatientin Kirsten Metternich von Wolff, sowie Carsten Frederik Buchert, Experte für Gesundheitskommunikation, die wichtigsten Herausforderungen des Gesundheitssystems in der Gendermedizin. Prof. Mangler betonte, das Gesundheitssystem müsse die Sicht der Betroffenen einnehmen und müsse geschlechtergerecht umgestaltet werden, um den Bedürfnissen der Patientinnen gerecht werden zu können. Carsten Frederik Buchert kritisiert die Fehlinterpretation der Leitphilosophie „informierte Entscheidung“ und fordert, Patient:inneninformation so zu gestalten und zu platzieren, dass sie für alle leicht verständlich und zugänglich sind. Es gelte, die Zögerlichen und Unsicheren zu erreichen.

Erzeugt Aufklärung zum Brustkrebsscreening unnötige Angst?

Kirsten Metternich von Wolff bestätigte, das Lesen eines langen Flyers zum Brustkrebsscreening erzeuge Angst bei den Patientinnen und halte sie eher davon ab zur Früherkennung zu gehen. Sie wünsche sich von der Medizin, mehr Zeit für die einzelne Patientin aufzubringen, und forderte die Patientinnen auf, mehr Mut an den Tag zu legen und nachzufragen, nicht alles über sich ergehen zu lassen und eigene Bedürfnisse zu äußern.

Quelle: GWHI



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