Mittwoch, 5. Oktober 2022
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Medizin

Verkürzung der Ischämiezeit bei Herztransplantationen?

Verkürzung der Ischämiezeit bei Herztransplantationen?
©ThorstenSchmitt – stock.adobe.com
Als erste Klinik in Deutschland setzt das Deutsche Herzzentrum Berlin (DHZB) ein neuartiges System zur Konservierung von Spenderherzen ein. Dabei wird das Organ während des Transports über eine Pumpe mit einer speziellen Nähr- und Konservierungsflüssigkeit versorgt. Die neue Technik soll eine noch bessere Funktion der Spenderorgane sowie wesentlich längere Transporte ermöglichen. Nach sehr guten Ergebnissen im Tierversuch erfolgt nun der Einsatz bei menschlichen Herzen im Rahmen einer Zulassungsstudie. Die Bestätigung der Leistungsfähigkeit dieses Systems hätte für die Transplantationsmedizin erhebliche Folgen.

Ischämiezeit bei Herztransplantation besonders wichtig

Die Ischämiezeit ist ein wichtiger Faktor für den Erfolg einer Herztransplantation. Denn von allen Organen, die von einer Verstorbenen oder einem Verstorbenen zur Spende entnommen werden können, nimmt das Herz am schnellsten Schaden, wenn es nicht durchblutet wird.
 

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Transplantation: Standards für psychosoziale Versorgung gefordert

Erschienen am 27.03.2019Die Verpflanzung eines Organs findet immer in einer Krisensituation statt, die nicht nur den Körper, sondern auch die Psyche des Empfängers betrifft. Meist geht der Transplantation eine lange Phase schwerer Erkrankung voraus mit Klinikaufenthalten, Abhängigkeit von Maschinen, Ungewissheit und Todesangst. Unbehandelte psychische Probleme und andere ungünstige psychosoziale Faktoren, etwa unrealistische Erwartungen an den Eingriff, können mit der Grund sein, weshalb das transplantierte Organ abgestoßen wird. Wie Transplantatempfänger und Lebendorganspender psychosozial vor und nach der Operation begleitet werden sollten, entwickeln Experten derzeit in einer neuen S3-Leitlinie, die ab 2020 wissenschaftlich fundierte, praxisorientierte Handlungsempfehlungen geben soll.

Erschienen am 27.03.2019undefined

Begrenzte Ischämiezeit bei Herzen schränkt Möglichkeiten der Empfänger ein

Bislang werden Spenderherzen meist mit einer etwa 4 Grad Celsius kalten, konservierenden Lösung durchspült und in Kühlboxen transportiert. So können Gewebeschäden zunächst weitgehend zuverlässig vermieden werden. Dennoch sollte die Ischämiezeit bei Spenderherzen möglichst nicht mehr als 4 Stunden betragen. Die Möglichkeiten bei der Auswahl eines passenden Organs für Menschen auf der Warteliste sind damit entsprechend eingeschränkt.

Spezielle Lösung soll Ischämiezeit verlängern

In Schweden wurde jetzt ein neues System entwickelt, das diese Einschränkung recht umfassend aufheben könnte. Es besteht aus einem neuen Gerät zum Transport und einer speziellen Lösung zur Konservierung des Organs und wird nun im Rahmen einer internationalen Zulassungsstudie am DHZB als erster Klinik in Deutschland eingesetzt.
 

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Leben mit einem Kunstherz: Was Betroffene wissen müssen

Erschienen am 26.05.2017Jährlich werden rund 1.000 Kunstherzen als Alternative für ein Spenderherz oder zur Überbrückung verpflanzt, weil nur rund 280 Spenderherzen zur Verfügung stehen. „Die Situation bei den Herztransplantationen ist derart dramatisch, dass die Kunstherztherapie für Patienten mit schwerer Herzmuskelschwäche oftmals die einzige Option und damit unverzichtbar geworden ist. Ein Kunstherz bringt für die Betroffenen und ihre Angehörigen viele Veränderungen für den Alltag mit, auf die man sich allerdings sehr gut vorbereiten kann“, betont Herzchirurg Prof. Dr. med. Jan Gummert vom Vorstand der Deutschen Herzstiftung.  „Andererseits ist vielen Betroffenen nicht bewusst, dass ein Kunstherz ihre Lebensqualität erheblich verbessern kann, dass sie mit der Herzunterstützungspumpe mit ihrer Familie Fahrrad fahren, einen Beruf ausüben oder verreisen können. Hier spielt die Zusammenarbeit des Patienten mit dem Team des behandelnden Arztes eine besonders wichtige Rolle, wobei der Kunstherz-Ratgeber eine hilfreiche Stütze sein kann.“

Erschienen am 26.05.2017undefined

Wie funktioniert die „XVIVO Heart Box“?

Das Gerät, genannt „XVIVO Heart Box“, wiegt etwa 25 Kilogramm und ist etwas größer als ein Umzugskarton. Es enthält im Wesentlichen ein Kühlsystem, eine Kreislaufpumpe und einen Oxygenator, also vereinfacht gesagt eine künstliche Lunge.
Vor dem Transport wird das Gerät mit einer neu entwickelten Nähr- und Konservierungslösung befüllt. Sie besteht unter anderem aus roten Blutkörperchen, verschiedenen Hormonen, Eiweißen und Humanalbumin, einem Protein, das im menschlichen Blut sowohl als „Transporter“ für Hormone als auch als Regulator für den osmotischen Druck dient.
Nach der Entnahme aus dem Körper der Spenderin oder des Spenders wird das Herz zunächst an die Kreislaufpumpe in der „Heart Box“ angeschlossen und dann in der Nähr- und Konservierungslösung schwimmend gelagert.
Über die Pumpe in der „Heart Box“ wird das Herz während des Transports fortlaufend mit der Lösung durchspült. Dabei werden die Herzmuskelzellen mit Hilfe des Oxygenators in der „Heart Box“ fortlaufend mit frischem Sauerstoff versorgt. Der Kreislauf wird zur zusätzlichen Konservierung des Organs auf konstant acht Grad Celsius gekühlt.
 
 

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Herzmuskelentzündung: Impella-Pumpe als dauerhaftes Implantat

Erschienen am 20.02.2020Mediziner des Deutschen Herzzentrums Berlin (DHZB) konnten einer 37-jährigen Frau mit lebensbedrohlicher Herzmuskelentzündung ein Kunstherz oder eine Transplantation ersparen – dank einer schlauchförmigen Mikropumpe direkt im Herzen. Das System – eigentlich nur für den kurzfristigen Betrieb konzipiert – unterstützte den Kreislauf über Wochen, so dass die Entzündung erfolgreich medikamentös therapiert werden konnte.

Erschienen am 20.02.2020undefined

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Verlängerung der Ischämiezeit auf 24 Stunden im Tierversuch

Im Tierversuch habe die „Heart Box“ ihre Funktionsfähigkeit bereits eindrucksvoll unter Beweis gestellt, sagt Herzchirurg Dr. med. Felix Hennig, der die Studie am DHZB koordiniert: „Schweineherzen nehmen außerhalb des Körpers noch schneller Schaden als Menschenherzen, dennoch war selbst nach 24-stündigem Einsatz keinerlei Beeinträchtigung der Funktionsfähigkeit zu erkennen.“
Das System wurde nun in Rahmen einer internationalen Studie für den Einsatz am Menschen zugelassen und am DHZB erstmals in Deutschland eingesetzt.

Studie am Menschen mit der „Heart Box“ erfolgreich

Die Premiere war aus Sicht der Ärztinnen und Ärzte ein voller Erfolg. Das Herz zeigte nach der Verpflanzung in einen 65-jährigen Berliner eine ausgezeichnete Funktionsfähigkeit. Der Patient erholt sich gut.
Außer dem DHZB beteiligen sich derzeit 8 weitere Zentren an Studie. Sie ist auf mehr als 200 Einsätze ausgelegt und randomisiert, der Einsatz der „Heart Box“ erfolgt also nach dem Zufallsfaktor.

„Heart Box“ soll Zeit gewinnen und größere Auswahl für Empfänger von Herzen liefern

Die Entwicklerinnen und Entwickler und ersten Anwenderinnen und Anwender erhoffen sich von der Studie die wissenschaftliche Bestätigung mehrerer wesentlicher Vorteile des Systems:
„Die Möglichkeit deutlich längerer Transportzeiten ohne Schädigung des Spenderorgans könnte die Anzahl in Frage kommender Spenderorgane für unsere Patientinnen und Patienten auf der Warteliste deutlich erhöhen“, sagt Herzchirurg Prof. Dr. med. Christoph Knosalla, chirurgischer Leiter des Transplantationsprogramms am DHZB. „Außerdem könnten wir Organe akzeptieren, die wir heute ablehnen müssen, da sie auch kürzere Transporte ohne Sauerstoffversorgung aufgrund verschiedener Faktoren nicht schadlos überstehen würden.“

Großer Fortschritt für die Transplantationsmedizin

Die Medizinerinnen und Mediziner erwarten auch einen besseren Schutz des Spenderherzens, wenn die Entnahme des erkrankten Organs bei der Empfängerin oder beim Empfänger besonders zeitaufwändig ist, etwa nach mechanischer Kreislaufunterstützung oder anderen Voroperationen, so Prof. Christoph Knosalla. Sein Fazit: „Wir sind sehr zuversichtlich, dass die Ergebnisse der Studie unsere Einschätzung bestätigen werden, dass die Transplantationsmedizin hier vor einem großen Fortschritt steht.“

Quelle: Deutsches Herzzentrum Berlin



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