Donnerstag, 8. Dezember 2022
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Medizin

Herzinfarkt: KI verbessert Behandlung von Frauen

Herzinfarkt: KI verbessert Behandlung von Frauen
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Verglichen mit Männern sterben Frauen häufiger an einem Herzinfarkt. Gründe sind Unterschiede im Alter und in Begleiterkrankungen, die auch die Risikoabschätzung bei Frauen erschweren. Mit Hilfe künstlicher Intelligenz (KI) haben Forschende der Universität Zürich eine neue Risikobewertung entwickelt (1), die die personalisierte Versorgung von Frauen mit Herzinfarkt verbessert.

Herzinfarkt-Symptome bei Frauen werden oft falsch interpretiert

Herzinfarkt ist eine der häufigsten Todesursachen weltweit. Frauen, die einen Herzinfarkt erleiden, haben eine höhere Sterblichkeitsrate als Männer. Dieser Befund bereitet Kardiolog:innen seit Jahrzehnten Sorge und hat zu medizinischen Kontroversen über die Ursachen und Auswirkungen allfälliger Behandlungslücken geführt. Das Problem fängt bei den Symptomen an: Im Gegensatz zu Männern, die meist einen schmerzhaften Druck auf der Brust mit Ausstrahlung in den linken Arm verspüren, führt ein Herzinfarkt bei Frauen häufig zu Bauchschmerzen und einem Ausstrahlen in den Rücken oder Übelkeit und Erbrechen. Diese Symptome werden aber von den Betroffenen und den erstbetreuenden Ärzt:innen oft falsch interpretiert – mit verhängnisvollen Folgen.
 
 

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Risikoprofil und Krankheitsbild eines Herzinfarkts ist bei Frauen anders als bei Männern

Ein internationales Forschungsteam unter der Leitung von Thomas F. Lüscher, Professor am Zentrum für Molekulare Kardiologie der Universität Zürich (UZH), hat die Rolle des biologischen Geschlechts bei Herzinfarkten nun genauer untersucht. „Unsere Untersuchung zeigt, dass sich Frauen und Männer in ihrem Risikofaktorprofil bei der Aufnahme ins Krankenhaus deutlich unterscheiden. Auch das Krankheitsbild von Frauen und Männern mit Herzinfarkt ist unterschiedlich“, sagt Lüscher. So weisen Patientinnen eine höhere Sterblichkeit auf als Patienten, wenn man die Altersunterschiede bei der Einlieferung und bestehende Risikofaktoren wie Bluthochdruck und Diabetes außer Acht lässt. „Werden diese Unterschiede aber statistisch berücksichtigt, weisen Frauen und Männer eine ähnliche Sterblichkeit auf“, ergänzt der Kadiologe.

Aktuelle Herzinfarkt-Risikomodelle begünstigen Unterbehandlung von Patientinnen

In ihrer Studie, die in Lancet publiziert wurde, haben die Forschenden aus der Schweiz und dem Vereinigten Königreich die Daten von 420.781 Patient:innen aus ganz Europa mit der häufigsten Art von Herzinfarkt analysiert. „Die Studie zeigt unter anderem, dass etablierte Risikomodelle, die das derzeitige Patientenmanagement steuern, bei Frauen weniger genau sind und die Unterbehandlung weiblicher Patienten begünstigen“, sagt Erstautor Florian A. Wenzl vom Zentrum für Molekulare Medizin der UZH. „Mit Hilfe von maschinellem Lernen und den größten Datensätzen in Europa haben wir einen neuartigen Risiko-Score entwickelt, der geschlechtsspezifische Unterschiede im Risikoprofil berücksichtigt und die Vorhersage der Sterblichkeit bei Frauen und Männern verbessert“, so Wenzl.
 
 

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KI-basierte Risikoprofile verbessern individualisierte Versorgung von Patient:innen mit Herzinfarkt

Viele Forschenden und Biotech-Unternehmen sind sich einig, dass künstliche Intelligenz und die Analyse von Big Data der nächste Schritt auf dem Weg zur personalisierten Patientenversorgung sind. „Unsere Studie läutet die Ära der künstlichen Intelligenz in der Behandlung von Herzinfarktpatient:innen ein“, sagt Wenzl. Moderne Computeralgorithmen können aus großen Datensätzen lernen und genaue Vorhersagen über die Prognose einzelner Patient:innen treffen. Und diese sind wiederum der Schlüssel zu individualisierten Behandlungen.

KI bietet großes Potenzial zur Verbesserung der Therapie von Herzerkrankungen

Lüscher und sein Team sehen großes Potenzial in der Anwendung von KI zur Verbesserung der Therapie von Herzerkrankungen sowohl bei männlichen als auch bei weiblichen Patienten. „Wir hoffen, dass der Einsatz der neuen Risikobewertung die derzeitigen Behandlungsstrategien verfeinern, geschlechtsspezifische Ungleichheiten verringern und letztlich das Überleben insbesondere von Frauen mit Herzinfarkt verbessern wird“, sagt Lüscher.
 
 

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Quelle: Universität Zürich

Literatur:

(1) Wenzl FA et al. Sex-specific evaluation and redevelopment of the GRACE score in non-ST-segment elevation acute coronary syndromes in populations from the UK and Switzerland: a multinational analysis with external cohort validation. Lancet 2022, doi: 10.1016/S0140-6736(22)01483-0.



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