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Hepatitis E

von Dr. rer. nat. med. habil. Eva Gottfried

Hepatitis E
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Bei Hepatitis E handelt es sich um eine Infektionskrankheit, die durch das Hepatitis-E-Virus (HEV) hervorgerufen wird. Die akute Form heilt häufig von selbst ab; Patienten mit geschwächtem Immunsystem haben allerdings ein erhöhtes Risiko einer schweren chronischen Hepatitis, die Leberzirrhose und Leberversagen nach sich ziehen kann.  Das Virus wird über kontaminierte Lebensmittel und verunreinigtes Trinkwasser unbemerkt aufgenommen. Deshalb ist Hygiene die wichtigste Schutzmaßnahme; in Europa ist noch keine Impfung zugelassen.
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Welche Symptome zeigt Hepatitis E?

Die Hepatitis E ist eine Leberentzündung, die zu den Virushepatitiden zählt und vom Krankheitsbild her einer Hepatitis A ähnelt.

Eine Infektion mit dem in Deutschland vorherrschenden Hepatitis-E-Virus Genotyp 3 (HEV-3) verläuft überwiegend ohne Symptome, wenn doch, sind diese meist unspezifisch, wie
 
  • Müdigkeit,
  • Übelkeit, Erbrechen, Beschwerden im Magen-Darm-Trakt
  • Oberbauchschmerzen
Bei einer von selbst abheilenden akuten Virushepatitis finden sich häufig auch
 
  • Gelbfärbung von Haut und Schleimhäuten (Gelbsucht, Ikterus)
  • Dunkelfärbung des Urins
  • Farbloser Stuhl
  • Fieber
In seltenen Fällen, und eher bei eingeschränktem Immunsystem, tritt ein fulminanter Verlauf auf, der schnell zu  schwerer Leberschädigung bis hin zu akutem Leberversagen führen kann.
Insbesondere bei immunsupprimierten Patient:innen, wie Transplantatempfängern, Patient:innen während und nach einer Chemotherapie oder Menschen mit unbehandelter HIV-Infektion/AIDS besteht die Gefahr einer chronischen Infektion, die das Lebergewebe zunehmend schädigt.
 
 
 

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Wie infiziert man sich mit Hepatitis-E-Viren?

Schätzungsweise jeder sechste in Deutschland hat einmal im Leben eine Hepatitis-E-Infektion. Weil die Anzeichen aber häufig unspezifisch sind, ist die Dunkelziffer hoch.
Bei HEV handelt es sich um ein RNA-Virus. Die vier bekannten HEV-Genotypen treten weltweit in verschiedenen Regionen auf und werden auf unterschiedliche Weise übertragen, wie
 
  • kontaminierte Lebensmittel
  • verunreinigtes Trinkwasser
  • Kontakt zu infizierten Tieren oder Fäkalien
Der in Deutschland vorherrschende Genotyp 3 des Hepatitis-E-Virus kommt überwiegend in Hausschweinen, Wildschweinen und Rotwild vor. Die Übertragung auf den Menschen erfolgt insbesondere beim Verzehr von nicht ausreichend gegartem Fleisch. Des Weiteren gelten Jäger und Tierärzte mit möglichem Kontakt zu infizierten Wildtieren als Risikogruppe.
Die Genotypen 1 und 2 des Hepatitis-E-Virus kommen vor allem in Asien, Afrika und Mittelamerika vor und werden dort fäkal-oral über Fäkalien-verunreinigtes Trinkwasser und kontaminierte Lebensmittel übertragen. Außerdem wird HEV bei mangelnder persönlicher Hygiene durch Mensch-zu-Mensch-Übertragung oder von Tier zu Mensch weitergegeben.

Wie wird eine Hepatitis-E-Infektion festgestellt?

Die Inkubationszeit, d.h. die Zeit zwischen Infektion und Ausbruch der Erkrankung reicht von 15 bis 64 Tagen.
Bei Verdacht auf eine Infektion werden Blut und Stuhl untersucht, zum einen zur Diagnose der Hepatitis, zum anderen zur Unterscheidung gegenüber einer Hepatitis A. Hierzu werden u.a. betrachtet:
 
  • Blutwerte wie Transaminasen (ALT, AST)
  • HEV-Antikörper (Anti-HEV-IgG, Anti-HEV-IgM)   
  • Virus-RNA  (HEV-RNA)
 
 

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Wie wird eine Hepatitis E behandelt?

Bei den meisten Patient:innen mit Hepatitis ist keine spezielle Therapie oder Einweisung ins Krankenhaus nötig. Eine, die Symptome der Leberentzündung, lindernde Behandlung kann die Heilung unterstützen, ebenso ein Verzicht auf leberschädigende Substanzen, einschließlich Alkohol.
Bleibt eine HEV-Infektion über mehr als sechs Monate bestehen, wird sie als chronisch bezeichnet. Um die zunehmende Schädigung der Leber und schwere Verläufe zu verhindern, muss das Virus möglichst weit reduziert werden. Zur Therapie der Erkrankung stehen derzeit nur pegyliertes Interferon und das Virostatikum Ribavirin zur Verfügung. Ribavirin ist ein Arzneistoff aus der Gruppe der Nukleosid-Analoga und hemmt die Vermehrung verschiedener Virenarten.
Kommt es im Rahmen einer fulminanten Hepatitis zur massiver Leberschädigung mit nachfolgendem Leberversagen, ist eine Lebertransplantation die einzige weitere Möglichkeit einer Therapie.

Wie beugt man einer Hepatitis E Infektion vor?

Anders als bei Hepatis A, ist in Europa noch kein Impfstoff gegen das Hepatitis-E-Virus zugelassen. Auch wenn sich die Symptome der Krankheiten ähneln, schützt der Hepatitis-A-Impfstoff nicht vor einer HE-Erkrankung. Für beide gilt aber gleichermaßen eine gute Lebensmittel- und Körperhygiene als wichtigste Maßnahme zum Schutz vor Infektion und Hepatitis.
Hierzu zählen u.a.
 
  • regelmäßiges Händewaschen, insbesondere nach Kontakt mit potentiell verunreinigtem Material
  • strenge Hygiene beim Verarbeiten von Fleisch (insbesondere vom Schwein, Wildschwein und Rotwild)
  • Vorsicht mit nicht ausreichend erhitzten anderen Speisen (besonders bei Reisen in Endemiegebieten)
  • Trinkwasserdesinfektion (besonders in Endemiegebieten)
  • insbesondere auch schwangere Frauen müssen auf gute Hygiene achten
Aufgrund der Gefährdung für den Meschen werden  Blutprodukte in Deutschland vor Übertragung auf Patient:innen auf Viren getestet.

Weitere Informationen zu Infektion, Symptomen, Erkrankung, Impfung und Behandlung finden Sie auf den Seiten der Fachgesellschaften und des Robert Koch-Instituts mit Ständiger Impfkommission (STIKO).
 
 

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Redaktion journalmed.de

Literatur:

(1) Deutsche Leberstiftung, Hepatitis E-Virus (HEV) / Hepatitis E, https://www.deutsche-leberstiftung.de/presse/pressemappe/lebererkrankungen/virushepatitis/hepatitis-e/, aufgerufen 03.01.2023.
(2) Robert Koch Institut, Hepatitis E, RKI-Ratgeber, 2015, https://www.rki.de/DE/Content/Infekt/EpidBull/Merkblaetter/Ratgeber_HepatitisE.html, aufgerufen 03.01.2023.
(3) Cornberg, M., Manns, M.P.  Hepatitis A, B, C, D, E: Trotz gleicher Namen viele Unterschiede, Perspektiven der Infektiologie
Dtsch Arztebl 2015; 112(23): [4]; DOI: 10.3238/PersInfek.2015.06.05.01, https://www.aerzteblatt.de/archiv/170780/Hepatitis-A-B-C-D-E-Trotz-gleicher-Namen-viele-Unterschiede, aufgerufen 03.01.2023.
(4) afp/deutsches Ärzteblatt, Künftig auch Testung auf Hepatitis E. Dtsch Arztebl 2019; 116(22): A-1087 / B-895 / C-883 afp, https://www.aerzteblatt.de/archiv/208089/Blutspenden-Kuenftig-auch-Testung-auf-Hepatitis-E, aufgerufen 03.01.2023.
(5) Pischke, S. et al., Hepatitis E in Deutschland – eine unterschätzte Infektionskrankheit. Dtsch Arztebl Int 2014; 111: 577-83; DOI: 10.3238/arztebl.2014.057