Journal MED
Herzinfarkt
Inhaltsverzeichnis

Was ist ein Herzinfarkt?

Der Myokardinfarkt – im klinischen Alltag häufig schlicht als Herzinfarkt bezeichnet – ist durch eine akute Minderdurchblutung des Herzmuskels gekennzeichnet, die zum irreversiblen Untergang von Myokardzellen führt. Ursächlich liegt dem Geschehen in der überwiegenden Mehrzahl der Fälle ein thrombotischer Verschluss einer oder mehrerer Koronararterien zugrunde. Diese Herzkranzgefäße umgeben das Herz kranzförmig und sind unter physiologischen Bedingungen für die ausreichende Versorgung des Myokards mit Sauerstoff und Nährstoffen verantwortlich.

Wie häufig ist ein Herzinfarkt?

Die koronare Herzkrankheit (KHK) und der Myokardinfarkt stellen mit 538.675 stationären Aufnahmen im Jahr 2023 den häufigsten Hospitalisierungsgrund in Deutschland dar. Allein auf den akuten Herzinfarkt entfielen dabei 186.100 Behandlungsfälle, die im Rahmen der fallpauschalenbezogenen Krankenhausstatistik des Statistischen Bundesamts erfasst wurden.

Trotz eines Rückgangs der Mortalität – seit dem Jahr 2000 hat sich die Zahl der Infarkttoten etwa halbiert – bleiben der akute Myokardinfarkt und die chronisch-ischämische Herzkrankheit in der Summe die führende Todesursache in Deutschland.

Molekularer Schalter für Behandlung nach Herzinfarkt entdeckt

Lesen Sie mehr zu diesem Thema:

Molekularer Schalter für Behandlung nach Herzinfarkt entdeckt

Jetzt lesen

Was sind Risikofaktoren für einen Infarkt?

Die Entstehung eines Myokardinfarkts wird durch eine Vielzahl kardiovaskulärer Risikofaktoren begünstigt. Dabei lassen sich modifizierbare von nicht-beeinflussbaren Faktoren unterscheiden.

Modifizierbare Risikofaktoren

Nicht-modifizierbare und weitere Risikofaktoren

  • Positive Familienanamnese für frühe atherosklerotische Herz-Kreislauf-Erkrankungen

  • Metabolisches Syndrom

  • Chronische Nierenerkrankung

  • Chronisch-entzündliche Systemerkrankungen (z.B. rheumatoide Arthritis, Psoriasis, HIV/AIDS)

  • Präeklampsieoder frühe Menopause in der Anamnese

  • Ethnische Zugehörigkeit mit erhöhtem Risiko (z.B. südasiatische Abstammung)

Colchicin reduziert Schlaganfälle und Herzinfarkte bei Herz-Kreislauf-Patient:innen in Cochrane-Review

Lesen Sie mehr zu diesem Thema:

Colchicin reduziert Schlaganfälle und Herzinfarkte bei Herz-Kreislauf-Patient:innen in Cochrane-Review

Jetzt lesen

Was sind Symptome eines Herzinfarkts?

Typisch sind plötzliche Schmerzen in der Brust, die in Ruhe auftreten und länger als 15-20 Minuten anhalten. Sie gehen häufig mit einem starken Engegefühl und Druck im Brustkorb einher und können in Arme (besonders links), Schulter, Unterkiefer oder Oberbauch ausstrahlen. Darüber hinaus kommt es oft zu:

  • Schwitzen und Schweißausbrüchen

  • Übelkeit und Erbrechen

  • Atemnot und Kurzatmigkeit

  • starker Unruhe bis Todesangst

Je größer ein Myokardinfarkt ist, desto schwerer sind in der Regel die Symptome. Aber es gibt auch sogenannte stille oder stumme Herzinfarkte. So verläuft etwa jeder fünfte Infarkt ohne Anzeichen oder nur mit unspezifischen Beschwerden, die von den Patient:innen erst einmal nicht wahrgenommen werden, sondern erst im Rahmen einer späteren EKG-Untersuchung erkannt werden.

Geschlechtsspezifische Unterschiede in der Symptomatik

Während bei Männern häufig die klassische Infarktsymptomatik mit ausstrahlenden Schmerzen in Arme, Rücken oder Nacken, massivem thorakalem Engegefühl, starkem Brennen im Herzbereich sowie kalter, blasser Haut auftritt, zeigt sich bei Frauen oft ein unspezifischeres klinisches Bild:

  • Übelkeit und Erbrechen

  • Ausgeprägte Erschöpfung

  • Schmerzen im Oberbauch und Rücken

  • Dyspnoe

  • Thorakale Schmerzen können vollständig fehlen

Herzinfarkt: Neue Therapie durch Ribonukleinsäure-Hemmung

Lesen Sie mehr zu diesem Thema:

Herzinfarkt: Neue Therapie durch Ribonukleinsäure-Hemmung

Jetzt lesen

Welche Untersuchungen dienen zur Diagnostik?

Bei anhaltenden, typischen Ruheschmerzen (> 20 min) ist der Transport ins Krankenhaus unter ärztlicher Begleitung obligat. Eine unverzügliche ärztliche Erstuntersuchung nach Klinikaufnahme ist zwingend erforderlich.

  • EKG: Ein 12-Kanal-EKG ist prästationär durch den Notarzt bzw. spätestens innerhalb von 10 Minuten nach Krankenhausaufnahme anzufertigen und durch qualifiziertes ärztliches Personal zu befunden, wiederholte EKG-Registrierungen sind bei jeder erneuten Schmerzepisode sowie nach 6-12 Stunden durchzuführen

  • Labordiagnostik: Die Blutentnahme zur Bestimmung von Troponin T oder Troponin I muss sofort erfolgen, das Ergebnis sollte spätestens 60 Minuten nach Aufnahme vorliegen. Die Troponinbestimmung besitzt die höchste prognostische Aussagekraft für das Infarktrisiko im 30-Tage-Verlauf und stellt den diagnostischen Goldstandard dar. Erhöhte Troponinwerte sind frühestens 3-4 Stunden nach dem ischämischen Ereignis nachweisbar. Bei initialem Negativ-Befund ist eine zweite Messung im Zeitfenster 6-12 Stunden nach Aufnahme obligat. Das Ergebnis ist stets im Kontext der klinischen Befunde und des EKG zu interpretieren. Differenzialdiagnostisch können auch andere Erkrankungen mit Myokardzellschädigung (z. B. Myokarditis, Lungenembolie, dekompensierte Herzinsuffizienz, hypertensive Krise) zu Troponinanstiegen führen.

  • Risikostratifizierung: Patient:innen mit typischer Symptomatik und folgenden Hochrisikomerkmalen weisen ein erhöhtes Risiko für Tod oder Myokardinfarkt innerhalb von 30 Tagen auf und erfordern eine invasive Abklärung mittels Koronarangiografie:

    • Troponin T oder Troponin I Erhöhung

    • ST-Streckensenkung (> 0,1 mV) im EKG

    • Hämodynamische Instabilität (z. B. Schock)

    • Rhythmusinstabilität (Kammerflimmern, Kammerflattern, ventrikuläre Tachykardien)

    • Diabetes mellitus

Eine Koronarangiografie ist häufig eine Kombination aus Diagnostik und Therapie. Hierbei wird ein Katheter vom Handgelenk aus in die Herzkranzgefäße geschoben und diese mit einem Kontrastmittel sichtbar gemacht. Außerdem kann hiermit ein verstopftes Gefäß durch Ballondilatation oder Stentimplantation geöffnet werden.

Wie wird ein Herzinfarkt behandelt?

Allgemeine Erstmaßnahmen

  • Lagerung mit 30° angehobenem Oberkörper

  • Sauerstoffgabe über Nasensonde/Maske (4-8 l/min)

  • Kontrolle und Therapie von Herzfrequenz und Rhythmus

  • Medikamente gegen Schmerzen, Übelkeit, Erbrechen

  • Antikoagulation

Reperfusionstherapie

Bei allen Patient:innen mit Myokardinfarkt ist innerhalb der ersten 12 Stunden eine Reperfusionstherapie indiziert.

  • Primäre perkutane Koronarintervention (PCI): Die primäre Katheterintervention stellt die bevorzugte Behandlungsstrategie dar. Die empfohlenen Zeitintervalle bis zur Therapie sollten konsequent eingehalten werden.

  • Fibrinolytische Therapie: Die medikamentöse Fibrinolyse ist indiziert, wenn eine interventionelle Versorgung erst mit einer Verzögerung von > 90 Minuten im Vergleich zum Lysebeginn erfolgen kann. Die prästationäre Einleitung der Fibrinolyse ist der stationären überlegen. Fibrinspezifische Fibrinolytika sind zu bevorzugen.

Am gefährlichsten sind die ersten zwei bis drei Tage direkt nach dem Infarktereignis, weshalb Patient:innen hier zur ständigen Überwachung auf Intensivstation behandelt wird. Zu den Akut- und Spätfolgen (Komplikationen) von Herzinfarkt zählen u.a.:

  • Herzrhythmusstörungen (insbesondere Kammerflimmern) mit plötzlichem Herztod

  • Herzleistungsschwäche (Herzinsuffizienz)

  • Mitralklappeninsuffizienz (Schädigung der linken Herzklappe)

Genetische Mutation reduziert Herz-Kreislauf-Risiko trotz starker Adipositas

Lesen Sie mehr zu diesem Thema:

Genetische Mutation reduziert Herz-Kreislauf-Risiko trotz starker Adipositas

Jetzt lesen

Wie erfolgt die Nachsorge nach Herzinfarkt?

Nach einem überstandenen Myokardinfarkt ist eine konsequente medikamentöse Sekundärprävention essenziell, um das Risiko kardialer Rezidivereignisse zu minimieren und die Langzeitprognose zu verbessern. Die medikamentöse Therapie umfasst typischerweise:

  • Thrombozytenaggregationshemmer (z. B. Acetylsalicylsäure (ASS), Clopidogrel) sowie ggf. Antikoagulanzien (z. B. Heparin) zur Thromboseprophylaxe

  • Antihypertensiva wie ACE-Hemmer oder AT1-Antagonisten zur Blutdruckkontrolle und kardialen Protektion

  • Betablocker zur Herzfrequenz- und Rhythmuskontrolle

  • Lipidsenker (Statine) zur Optimierung des Fettstoffwechsels

Eine strukturierte kardiologische Rehabilitationsbehandlung fördert die körperliche und psychische Genesung der Patient:innen, unterstützt die nachhaltige Modifikation kardiovaskulärer Risikofaktoren und erleichtert die Reintegration in den Alltag sowie das Berufsleben.

Wie kann man einem Herzinfarkt vorbeugen?  

Die beste Vorbeugung ist herzschädliches Verhalten zu unterlassen und die Ursachen zu beseitigen. Wichtig sind hierzu:

  • gesunde Ernährung und körperliche Aktivität

  • Gewichtskontrolle

  • Kontrolle von Diabetes, Bluthochdruck und Blutfetten

  • Verzicht auf Rauchen, Alkohol und sonstige Drogen

  • Stressreduktion

Patient:innen-FAQ

Häufig gestellte Fragen zum Thema Herzinfarkt

Rund um das Thema Herzinfarkt stellen sich für Betroffene und Angehörige oft viele Fragen: zur Diagnose, zu Behandlungsmöglichkeiten, zu Nebenwirkungen oder zum Alltag mit der Erkrankung. In dieser Patient:innen-FAQ finden Sie Antworten auf die häufigsten Fragen.

Literatur:

(1)

Patientenleitlinie zur Nationalen Versorgungsleitlinie Chronische Koronare Herzkrankheit: KHK., abrufbar unter: https://register.awmf.org/assets/guidelines/nvl-004p1_S3_Chronische-KHK_2025-03.pdf. Zuletzt aufgerufen 04.03.2026.

(2)

Deutsche Herzstiftung, Infos zu Herzkrankheiten, Herzinfarkt. Abrufbar unter: https://herzstiftung.de/infos-zu-herzerkrankungen/herzinfarkt. Zuletzt aufgerufen 04.03.2026.

(3)

Deutsche Herzstiftung: Deutscher Herzbericht – Update 2025 vorgestellt, abrufbar unter: https://herzstiftung.de/service-und-aktuelles/presse/pressemitteilungen/herzbericht-2025-herzinfarkt-todesursache-nr-1. Zuletzt aufgerufen 04.03.2026.

(4)

Deutsches Zentrum für Herz-Kreislauf-Forschung: Herzinfarkt, abrufbar unter: https://dzhk.de/erkrankungen/ueberblick/herzinfarkt. Zuletzt aufgerufen 04.03.2026.

(5)

Gesundheitsatlas Deutschland, abrufbar unter: https://www.gesundheitsatlas-deutschland.de/erkrankung/herzinfarkt_akut. Zuletzt aufgerufen 04.03.2026.

(6)

American Heart Association: Understand Your Risks to Prevent a Heart Attack, abrufbar unter: https://www.heart.org/en/health-topics/heart-attack/understand-your-risks-to-prevent-a-heart-attack. Zuletzt aufgerufen 04.03.2026.

(7)

Universitätsklinikum Freiburg: Heart attack in women: Signs often different than in men, abrufbar unter: https://www.uniklinik-freiburg.de/en/press/publications/im-fokus/heart-attack-in-women-signs-often-different-than-in-men.html. Zuletzt aufgerufen 04.03.2026.

(8)

Deutsche Gesellschaft für Kardiologie: Pocket Leitlinien Akutes Koronarsyndrom, abrufbar unter: https://leitlinien.dgk.org/files/2005_Pocket-Leitlinien_Akutes_Koronarsyndrom.pdf. Zuletzt aufgerufen 04.03.2026.