Dienstag, 29. November 2022
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Medizin

Erstes Positionspapier zu patientengerechter Sprache in der Medizin für Menschen mit Diabetes mellitus aus Deutschland veröffentlicht

Erstes Positionspapier zu patientengerechter Sprache in der Medizin für Menschen mit Diabetes mellitus aus Deutschland veröffentlicht
© Alexander Raths - stock.adobe.com
Seit vielen Jahren wird gesellschaftlich über die Macht der Worte und Kommunikation diskutiert. Der Sprachgebrauch hat auch tiefgreifenden Einfluss darauf, wie Menschen mit Erkrankungen wie Diabetes mellitus in der Gesellschaft gesehen, diskutiert und behandelt werden. Ausgehend von englischsprachigen Ländern hat sich „Language Matters Diabetes“ zu einer globalen Bewegung entwickelt, die nun auch in Deutschland angekommen ist. Die Diabetologie nimmt dabei in der gesamten Medizin eine visionäre und fortschrittliche Rolle ein: Sie ist die erste medizinischen Fachrichtung, in der sich unter anderem mit der Deutschen Diabetes Gesellschaft (DDG), diabetesDE – Deutsche Diabetes-Hilfe und der Diabetes Online Community #dedoc° Behandelnde und mit Diabetes lebende Menschen zusammengefunden haben, um gemeinsam ein Positionspapier zu sensibler Sprache zu entwickeln. Dieses wurde anlässlich des Weltdiabetestags veröffentlicht.

Sprachgebrauch von Personal in den Gesundheitsberufen kann die Selbstwahrnehmung von Diabetes-Patient:innen beeinflussen

„Ihr Stoffwechsel ist aber schlecht eingestellt!“, „Warum bewegen Sie sich so wenig?“, „Wenn Sie weiterhin nichts für sich tun, drohen Ihnen Herzinfarkt, Schlaganfall, Blindheit oder eine Amputation!“ Wie Angehörige von Gesundheitsberufen Sprache gebrauchen, kann die Selbstwahrnehmung von Menschen mit Diabetes stark beeinflussen. Ein integrativer und werteorientierter Sprachgebrauch kann Ängste abbauen, Vertrauen schaffen, aufklären und die Selbstfürsorge fördern. Umgekehrt kann Sprache auch stigmatisieren, verletzen, die Selbstwirksamkeit schwächen und sich somit nachteilig auf das Diabetesmanagement auswirken.

Positionspapier soll erhöhtes Bewusstsein für die Sprache im Zusammenhang mit Diabetes schaffen

„Mit unserem Positionspapier möchten wir auch für den deutschsprachigen Raum ein erhöhtes Bewusstsein für die Sprache im Zusammenhang mit Diabetes schaffen und für einen diskriminierungs- und stigmatisierungsfreien Sprachgebrauch plädieren“, erklärt Dr. med. Katarina Braune, Co-Autorin des „Language matters“-Positionspapiers und Fachärztin für Kinder- und Jugendmedizin sowie Diabetologin der DDG an der Charité – Universitätsmedizin Berlin. Es wurde von Menschen mit Typ-1- und Typ-2-Diabetes in Zusammenarbeit mit Expert:innen aus Fachgesellschaften erstellt und wendet sich gleichermaßen an Menschen mit Diabetes und deren Angehörige, Fachpersonal der verschiedenen Gesundheitsberufe, Medienschaffende, Lehrkräfte, Jurist:innen sowie allgemein an alle Personen in der Öffentlichkeit.
 
 

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Sensible Sprache ist wichtig für partizipative Entscheidungsfindungen der Patient:innen

„Das Thema ‚sensible Sprache‘ ist auch in der partizipativen Entscheidungsfindung prioritär: Menschen mit Diabetes treffen jeden Tag im Zusammenhang mit ihrer Erkrankung selbstständige und -verantwortliche Entscheidungen, die von den Ärzt:innen akzeptiert werden müssen. Die Sprache sollte dabei unterstützen, um eine gute Übereinstimmung zwischen den Anforderungen der Diabeteserkrankung und den Wünschen und Zielen einer Person zu erreichen“, unterstreicht Dr. med. Jens Kröger, Vorstandvorsitzender von diabetesDE – Deutsche Diabetes-Hilfe und niedergelassener Diabetologe.

Höhere Sensibilität auch in der fachlichen Kommunikation zwischen ärztlichem Personal nötig

Genauso wichtig ist die Sprache aber auch in der fachlichen Kommunikation zwischen ärztlichem Personal und Berufsgruppen im Gesundheitswesen – sie beeinflusst die Güte der Diabetes-Therapie. Prof. Dr. Andreas Fritsche, Vizepräsident der DDG, betont: „In der Art, wie auch die Berufsgruppen im Gesundheitswesen über Menschen mit Diabetes sprechen, offenbart sich die Einstellung gegenüber dieser Erkrankung“. Er appelliert daher auch beim ärztlichen Personal an eine höhere Sensibilität und hin zu einem gelegentlichen Reflektieren über manchen Sprachgebrauch im Hinblick auf Diabetes.
 
 

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Sensibler und respektvoller Sprachgebrauch auf Augenhöhe mit den Patient:innen

„Ein sensibler Sprachgebrauch drückt eine Haltung gegenüber Menschen mit Diabetes aus“, bekräftigt auch Prof. Dr. Dipl.-Psych. Bernd Kulzer, Sprecher und 1. Vorsitzender der Arbeitsgemeinschaft Diabetes und Psychologie der DDG. Daher sollte die Kommunikation von Behandelnden gegenüber Menschen mit Diabetes respektvoll sein und anerkennen, dass die wesentlichen Therapieentscheidungen tagtäglich von ihnen eigenständig getroffen werden. „Das kann nicht belehrend von oben herab, sondern nur auf Augenhöhe gelingen!“

Quelle: diabetesDE – Deutsche Diabetes-Hilfe



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