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19. März 2021

Im Fakten-Check: 7 Vorurteile über die Darmkrebsvorsorge

Die gesetzliche Vorsorge-Darmspiegelung ist mittlerweile 19 Jahre alt und hat sich auch seit ihrer Einführung 2002 stetig weiterentwickelt. Trotzdem existieren immer noch Vorurteile und Mythen über diese Untersuchung. Und manches hat sich regelrecht in eine Art kollektives Gedächtnis eingebrannt: So denken immer noch viele, dass man vor der Untersuchung tagelang Diät halten und unzählige Liter Abführmittel trinken müsse.
Wie falsch es sein kann, die Vorsorge aufgrund dieser Vorbehalte hinauszuzögern, zeigt diese Auswertung: Aktuell erkranken rund 61.000 Menschen jedes Jahr neu an Darmkrebs. Rund 24.600 Menschen sterben pro Jahr daran.
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Dabei könnten diese Zahlen quasi gen Null sinken!

Wenn nur mehr Versicherte mitmachen und rechtzeitig - ohne Symptome - zur Vorsorge gehen.  Denn Darmkrebs ist ein Krebs, der sich hervorragend verhindern lässt. Bei der Koloskopie können Vorstufen des Darmkrebs entdeckt und schmerzfrei entfernt werden. Somit wird dem Darmkrebs der Garaus gemacht, noch bevor er überhaupt entstehen kann. Ziemlich genial! Seit Einführung dieser kostenfreien Präventionsleistung konnten auf diesem Weg circa 306.000 Neuerkrankungen und 145.000 Todesfälle verhütet werden. Das ist eine großartige Bilanz.Wer keinen Darmkrebs bekommen möchte, checkt diese Mythen und geht bestens informiert zur Vorsorge. So einfach ist das!

7 mal Unsinn

1. „An Darmkrebs erkranken nur alte Menschen."

Falsch! Aktuelle Zahlen zeigen, dass immer mehr junge Menschen an Darmkrebs erkranken. In Deutschland sind es jedes Jahr rund 3.400 Personen im Alter unter 50. Das Risiko für Darmkrebs steigt zwar ab dem Alter von 50 Jahren deutlich an, der Krebs kann aber auch schon in jüngeren Jahren auftreten, wenn es z. B. Fälle von Darmkrebs in der Familie gibt. In dem Fall gilt, dass die erste Vorsorgedarmspiegelung 10 Jahre vor dem Alter liegen soll, in dem beim Familienmitglied Darmkrebs festgestellt wurde. Spätestens jedoch mit 40-45 Jahren.

2. „Ich habe keine Darm-Probleme, also brauche ich keine Vorsorge.“

Sowas von falsch! Darmkrebs macht lange Zeit keine Beschwerden. Man kann sich also gesund fühlen und dennoch Darmkrebs haben. Vorsorge heißt aber ohnehin, dass man eben ohne jegliche Symptome zum Magen-Darm-Arzt geht. Denn bei der Vorsorge will der Arzt die Vorstufen entdecken, die zu Krebs werden könnten. Werden die dann entfernt, ist das echte Prävention.
Aber sind erst einmal Symptome vorhanden, ist der Darmkrebs womöglich schon gewachsen und eine Heilung nur sehr schwer möglich. Liegt kein bekannter Risikofaktor vor, wird für Männer ab dem Alter von 50 und Frauen ab dem Alter von 55 Jahren eine Vorsorge-Darmspiegelung empfohlen. Alternativ kann ab 50 ein immunologischer Stuhltest durchgeführt werden, der Blut im Stuhl und damit mögliche Anzeichen für Darmkrebs erkennt. Liegen ein oder mehrere Risikofaktoren (z.B. Darmkrebs in der Familie oder sichtbares Blut im Stuhl) vor, sollte dringend bereits früher mit der Vorsorge begonnen werden. Die Krankenkassen übernehmen die Kosten.

3. „Eine Darmspiegelung ist zeitaufwändig und schmerzhaft.“

Falsch! Die Darmspiegelung wird heute nahezu ausschließlich ambulant durchgeführt. Der Patient liegt während der circa 20 Minuten dauernden Untersuchung entspannt und zugedeckt auf einer Liege. Auf Wunsch erhält er eine Kurzschlafspritze. Diese ist auch nicht mit einer Vollnarkose zu verwechseln! Der Patient fällt lediglich in einen kurzen und leichten Schlaf. So spürt er während der gesamten Untersuchung keinerlei Schmerzen. Der häufigste Satz, den ein Magen-Darm-Arzt nach der Untersuchung vom Patienten hört, lautet daher auch „Wann geht's denn los?". Dabei ist dann schon alles vorbei. Durchgeführt wird die Untersuchung von einem Facharzt, einem Magen-Darm-Arzt bzw. Gastroenterologen. Wurde eine Kurzschlafspritze verabreicht, ist man den restlichen Tag nicht verkehrstüchtig. Ansonsten kann man nach der Untersuchung den üblichen Tagesablauf wieder aufnehmen. Im übrigen lohnt zum Thema Zeit, dieser Vergleich: Die Vorsorge-Koloskopie ist das in 20 Minuten, was AHA-Regeln und Lockdowns in den vergangenen 12 Monaten waren: Prävention – der Schutz vor einer schweren Erkrankung.

4. „Für die Vorbereitung muss ich viele Liter einer schlecht schmeckenden Flüssigkeit trinken.“

Falsch! Dieser Mythos ist schon lange überholt. Im Gegensatz zu (viel) früher müssen heute zur Vorbereitung des Darms oft nur noch zweimal 0,5 Liter der Spülflüssigkeit getrunken werden. Angereichert mit Zitronen- oder Orangengeschmack hat diese sich inzwischen auch geschmacklich verbessert. Eine gute Reinigung des Darms ist Voraussetzung für ein sicheres Untersuchungsergebnis, deswegen trinkt man zu dem Mittel am besten noch klare Flüssigkeiten, wie Tee oder klare Obstsäfte. Dann wird alles sauber und der Arzt kann auch die kleinsten Veränderungen im Darm bestens erkennen. Also: Alles halb so wild.

5. „Gesunde Lebensmittel schützen mich vor Darmkrebs.“

Falsch. Selbst wenn ich mich gesund ernähre, nicht rauche, kein Fleisch esse und Sport treibe, können trotzdem Vorstufen im Darm wachsen oder sich eben auch Darmkrebs entwickeln. Mit dem gesunden Lebensstil lässt sich lediglich das allgemeine Risiko etwas minimieren. Ein Schutz, im Sinne einer Sicherheit, ist dadurch allerdings nicht gegeben. Als Faustregel gilt: Durch einen gesunden Lebensstil kann ich mir nicht nur generell etwas Gutes tun, sondern auch mein Risiko für Krankheiten, wie bspw. Darmkrebs, etwas verringern. Durch einen schlechten Lebensstil - bspw. Rauchen, keine Bewegung, viel Alkohol, viel Frittiertes, viel verarbeitetes Fleisch – erhöhe ich mein Risiko an Darmkrebs zu erkranken dagegen deutlich.

6. „Es ist in diesen Corona-Zeiten besser, nicht zur Vorsorge zu gehen, da man sich sonst mit SARS-CoV2 infiziert.“

Sehr falsch. Natürlich gingen viele in der ersten Corona-Welle ab März 2020 aus Angst vor Ansteckung nicht mehr zum Arzt. Auch der Praxisbetrieb musste anfangs wegen mangelnder Schutzausrüstung stark eingeschränkt werden. Mittlerweile aber spielen diese Faktoren keine Rolle mehr. Die Praxen der Magen-Darm-Ärzte sind hervorragend hygienisch auf die Pandemiebedingungen eingestellt. „Bürgerinnen und Bürger können ohne Sorge ins Krankenhaus oder die Arztpraxis gehen. Es besteht kein Grund, notwendige Arztbesuche aufzuschieben“, betont die Präsidentin des Berufsverbandes Deutscher Internisten (BDI), Christine Neumann-Grutzeck. Und tatsächlich: Laut der Auswertung des Zi (Zentralinstitut für die kassenärztliche Versorgung) von Januar bis September 2020, wurden sogar 9.500 Vorsorge-Koloskopien mehr durchgeführt, als im Vergleichszeitraum 2019. Trotz Corona!

7. „Viele haben Angst vor der Vorsorge.“

Naja, die Präventiophobie ist zwar noch weit verbreitet, hat aber wohl auch viel mit den oben genannten Vorbehalten zu tun. Tatsache ist: Immer mehr Menschen nehmen die Chance gegen Darmkrebs in Anspruch und entscheiden sich für die kostenfreie, gesetzliche Darmkrebsvorsorge. Aktuell rund 545.000 gesetzlich Versicherte pro Jahr in Deutschland. Eine schlaue Entscheidung. Denn Vorsorge ist harmlos, Darmkrebs dagegen ist viel schlimmer. Bis heute haben übrigens rund 8 Millionen Versicherte in Deutschland an dieser Präventionsmaßnahme teilgenommen.

Felix Burda Stiftung


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