Tachykardie: Rhythmusstörung mit breitem ätiologischem Spektrum
Dr. rer. nat. med. habil. Eva Gottfried und Nina HaußerHerzrhythmusstörungen, bei denen das Herz zu schnell schlägt, werden als Tachykardien bezeichnet. Die bekanntesten Formen sind Vorhofflimmern und Kammerflimmern. Die Symptome wie Herzrasen, Schwindel und Atemnot variieren je nach Herzfrequenz und Dauer. Stress, Alkohol- oder Drogenkonsum sowie Kreislauf- und Schilddrüsenerkrankungen zählen zu den häufigsten Ursachen. Eine Tachykardie kann zu plötzlichem Herztod führen.
Was ist eine Tachykardie?
Von einer Tachykardie sprechen Mediziner:innen, wenn die Herzfrequenz in Ruhe dauerhaft über 100 Schläge pro Minute liegt. Während die physiologische Ruheherzfrequenz bei Erwachsenen typischerweise zwischen 60 und 90 Schlägen pro Minute rangiert, überschreitet sie bei tachykarden Rhythmusstörungen diese Normgrenze deutlich.
Wie kommt es zur Tachykardie?
Herzrhythmusstörungen lassen sich grundlegend in tachykarde und bradykarde Arrhythmien unterteilen. Das Herz – bestehend aus zwei Ventrikeln und zwei Atrien – pumpt durch rhythmisches Kontrahieren (Systole) und Relaxieren (Diastole) kontinuierlich Blut durch den Organismus. Die elektrische Steuerung dieser Pumpfunktion erfolgt über spezialisierte Schrittmacherzellen im Sinusknoten und im Atrioventrikularknoten (AV-Knoten), die als physiologische Taktgeber fungieren.
Bei Tachykardien kommt es zu einer übermäßigen elektrischen Erregungsbildung oder -weiterleitung, die sich in einer Ruheherzfrequenz von über 100 Schlägen pro Minute manifestiert. Als häufigste Ursache des plötzlichen Herztodes kommt tachykarden Rhythmusstörungen eine besondere klinische Bedeutung zu.
Welche Formen von Tachykardien gibt es?
Je nach Entstehungsort im Herzen teilt man schnelle Herzrhythmusstörungen in supraventrikuläre und ventrikuläre Tachykardien ein.
Supraventrikuläre Tachykardien entstehen in den Vorhöfen des Herzens und können in Vorhofflimmern übergehen. Dazu gehören z.B. die AV-Knoten-Reentry-Tachykardie (AVNRT) oder das Vorhofflattern.
Ventrikuläre Tachykardien entstehen in den Herzkammern und können in lebensbedrohliches Kammerflimmern übergehen. Dazu zählen
Was sind die Ursachen einer Tachykardie?
Tachykardien treten in verschiedenen Formen auf, die jeweils unterschiedliche Auslöser und Risikofaktoren aufweisen.
Sinustachykardie
Eine Sinustachykardie entwickelt sich häufig als physiologische Reaktion des Körpers auf verschiedene Belastungssituationen. Zu den typischen Auslösern zählen:
körperliche Anstrengung
Angst, psychischer Stress
Fieber
Schmerzzustände
Medikamente, Drogen
Seltener liegen pathologische Ursachen zugrunde, darunter Anämie, Infektionen, Hyperthyreose, Myokardschädigungen nach Herzinfarkt oder bei Herzinsuffizienz, schwere Blutungen, ausgeprägte Hypotonie oder pulmonale Erkrankungen.
Ventrikuläre Tachykardie
Die ventrikuläre Tachykardie ist meist mit Störungen des kardialen Erregungsleitungssystems assoziiert. Auslöser sind häufig:
koronare Mangelperfusion mit konsekutiver myokardialer Hypoxie
Kardiomyopathien mit strukturellen Herzveränderungen
Medikamentennebenwirkungen oder der Konsum illegaler Drogen wie Kokain oder Methamphetamin
entzündliche Systemerkrankungen wie Sarkoidose
Narbengewebe nach Myokardinfarkt und angeborene Herzfehler
Elektrolytstörungen
Supraventrikuläre Tachykardie
Für supraventrikuläre Tachykardien wurden verschiedene Risikofaktoren identifiziert: Frauen sind häufiger betroffen als Männer, das Risiko steigt mit zunehmendem Alter, wobei SVT gleichzeitig die häufigste Rhythmusstörung im Kindesalter darstellt. Psychische Belastung und Angstzustände gelten ebenfalls als prädisponierende Faktoren. Als spezifische Trigger einer SVT-Episode gelten:
körperliche Anstrengung und Schlafmangel
Dehydratation
vorbestehende kardiale Erkrankungen wie koronare Herzkrankheit, Zustand nach Herzoperation oder angeborene Vitien
Chronische Lungenerkrankungen, exzessiver Koffein- oder Alkoholkonsum, Nikotinabusus, Drogenkonsum (insbesondere Kokain und Methamphetamin), Schwangerschaft, Menopause, arterielle Hypertonie sowie bestimmte rezeptfreie Medikamente – etwa gegen Asthma, Erkältungen oder Allergien – können ebenfalls eine SVT begünstigen.
Was sind die Symptome einer Tachykardie?
Typische Symptome einer schnellen Herzrhythmusstörung sind:
Herzrasen, auch plötzliches Herzrasen
Herzstolpern, Aussetzer, sehr starkes Herzklopfen (Palpitationen)
Schwindel
Ohnmacht
Atemnot
verminderte Belastbarkeit
Wie wird eine Tachykardie diagnostiziert?
Ruhe-EKG
Belastungs-EKG
Langzeit-EKG
Herzultraschall
ggf. elektrophysiologische Untersuchung mittels Herzkatheter
Wie wird eine Tachykardie behandelt?
Für eine behandlungsbedürftige Tachykardie stehen verschiedene Therapieformen zur Verfügung.
Medikamentöse Behandlung
Medikamente der Klasse der Antiarrhythmika, wie Betablocker, Kalziumkanalblocker oder Digitalispräparate
Gegebenenfalls Antikoagulantien zur Blutverdünnung und Vorbeugung von Schlaganfall
Nicht-medikamentöse Behandlung
Kardioversion mit synchronisierter Elektroschockabgabe zur Wiederherstellung eines normalen Herzrhythmus
Katheterablation, d.h. Verödung von Herzmuskelzellen in auslösenden Herzbereichen
Häufig gestellte Fragen zum Thema Tachykardie
Rund um das Thema Tachykardie stellen sich für Betroffene und Angehörige oft viele Fragen: zur Diagnose, zu Behandlungsmöglichkeiten, zu Nebenwirkungen oder zum Alltag mit der Erkrankung. In dieser Patient:innen-FAQ finden Sie Antworten auf die häufigsten Fragen.
Literatur:
- (1)
Deutsche Herzstiftung e.V.: Leben mit Herzrhythmusstörungen, Wissen kompakt erklärt. Abrufbar unter: https://herzstiftung.de/infos-zu-herzerkrankungen/herzrhythmusstoerungen/broschuere-leben-mit-rhythmusstoerung, zuletzt abgerufen am 03.03.2026.
- (2)
Deutsche Herzstiftung e.V.: Herzrasen: Ursachen unbedingt abklären lassen. Abrufbar unter: https://www.herzstiftung.de/infos-zu-herzerkrankungen/herzrhythmusstoerungen/herzrasen, zuletzt abgerufen am 03.03.2026.
- (3)
Gesundheitsinformation.de, Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG): Tachykardie. Abrufbar unter: https://www.gesundheitsinformation.de/glossar/tachykardie.html, zuletzt abgerufen am 03.03.2026.
- (4)
American Heart Association: Tachycardia: Fast Heart Rate, abrufbar unter: https://www.heart.org/en/health-topics/arrhythmia/about-arrhythmia/tachycardia--fast-heart-rate, zuletzt abgerufen am 03.03.2026.