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24. März 2017
aktualisiert: 30. März 2021

Schlaganfall – die dritthäufigste Todesursache in Deutschland

© psdesign1 / Fotolia.com

Jedes Jahr erleiden in Deutschland rund 270.000 Menschen einen Schlaganfall (Apoplex), zwei Drittel davon zum ersten Mal, ein Drittel zum wiederholten Male. Das sind mehr als drei von 1.000 Einwohnern. Trotz der Einführung sogenannter Stroke-Units im Krankenhaus und einer verbesserten Behandlung mit Lysetherapie versterben immer noch rund ein Viertel der Patienten an den Folgen eines Schlaganfalls. Nach Herz-Kreislauferkrankungen und Krebs ist er damit die dritthäufigste Todesursache hierzulande. Jeder fünfte Betroffene stirbt innerhalb der ersten vier Wochen, knapp jeder zweite erleidet körperliche Einschränkungen, die von Problemen beim Sprechen bis zu Lähmungen reichen. Die Fallzahlen sind in den letzten Jahren stetig gestiegen und auch jüngere Menschen sind zunehmend betroffen.
 

Keine Schmerzen aber plötzlich auftretende, akute Symptome


Bei einem Schlaganfall, manchmal auch Hirnschlag genannt, kommt es zu Sauerstoffmangel (Ischämie) im Gehirn. In den betroffenen Gehirnarealen sterben Nervenzellen ab und das Gehirngewebe wird geschädigt.
 

Als plötzliche Symptome treten auf:

 
  • Sehstörungen mit Doppelbildern, verschwommenes Sehen und kurzzeitiges Erblinden auf einer Seite
  • Schwindel und Gleichgewichtsstörungen auch beim Gehen
  • Übelkeit und Erbrechen
  • Taubheitsgefühl und Lähmungen im Gesicht und an den Armen und Beinen
  • Sprech- und Schluckschwierigkeiten
  • selten auch starke Kopfschmerzen
  • Bewusstseinsstörungen bis hin zum Koma
Die Symptome können einige Minuten bis Stunden anhalten. Bei kurzzeitigen Ausfallerscheinungen spricht man von einer vorübergehenden Minderdurchblutung, auch transitorische ischämische Attacke (TIA) genannt. Halten die Beeinträchtigungen mehr als 24 Stunden an, bezeichnet man dies als vollendeten Schlaganfall. Beides ist ein Notfall, der sofort beim Eintreten der Symptome behandelt werden muss.
 

Ursachen eines Schlaganfalls

In mehr als drei Viertel aller Fälle ist ein Hirninfarkt, ein sogenannter ischämischer Infarkt, die Ursache des Schlaganfalls. Zur mangelnden Durchblutung des Gehirns kommt es hierbei, weil eine Gehirnarterie durch ein Blutgerinnsel (Thrombus) verstopft wird, das sich im Herzen oder den Arterien gebildet hat und mit dem Blutstrom ins Gehirn transportiert wurde. Die zweite mögliche Ursache eines Schlaganfalls ist eine Hirnblutung, was bei etwa jedem zehnten Fall der Auslöser ist. Zur Hirnblutung kommt es, wenn ein Gefäß im Gehirn aufgrund von Bluthochdruck (Hypertonie) oder Gefäßverkalkung (Arteriosklerose) reißt. Auch bei diesem sogenannten hämorrhagischen Infarkt wird das Gehirngewebe nicht ausreichend mit Sauerstoff versorgt.
 

Risikofaktoren für einen Schlaganfall

Die Wahrscheinlichkeit für einen Schlaganfall steigt mit dem Alter an. So ereignen sich 80 Prozent aller Schlaganfälle bei über 60-Jährigen, doch auch jüngere Menschen sind zunehmend betroffen. Bei Frauen ist das Risiko eines Schlaganfalls höher als das eines Herzinfarkts, bei Männern ist es umgekehrt. Neben dem Alter sind eine ganze Reihe weiterer Risikofaktoren bekannt: ein erhöhter Blutdruck, Rauchen, erhöhte Blutfettwerte, Fettleibigkeit (Adipositas), Zuckerkrankheit (Diabetes) und eine familiäre Veranlagung. Auch schwere Infektionen, wie eine echte Grippe (Influenza), können das Risiko für einen Schlaganfall steigern. So wird auch für die SARS-CoV-2-Infektion („Corona“) untersucht, inwieweit sich eine Infektion auf das Schlaganfallrisiko auswirkt. Abschließende Berichte hierzu sind noch nicht verfügbar, erste Auswertungen erhärten aber den Verdacht, dass das Risiko für neurologische Erkrankungen, zu denen auch der Schlaganfall zählt, gesteigert ist.
 

Wie wird ein Schlaganfall nachgewiesen?

Laut medizinischer Leitlinien ist jeder Schlaganfall und jede transitorisch ischämische Attacke (TIA) ein medizinischer Notfall, bei dem umgehend der Notarzt informiert werden soll, um eine sofortige Behandlung einzuleiten. In den Kliniken haben sich sogenannte Stroke-Units (Englisch: stroke = Schlaganfall) auf die Notfallhilfe spezialisiert. Ein interdisziplinäres Team aus Neurologen, Kardiologen, Angiologen und weiteren Fachkräften kümmert sich dort um die Patienten. Hirnblutungen können mit dem CT (Computertomographie) aufgespürt werden, eine Arterienverengung in den hirnversorgenden Gefäßen kann durch Ultraschalluntersuchung (Sonographie) entdeckt werden, und mittels CT- oder MR (Magnetresonanz)-Angiographie können die Blutgefäße mit Kontrastmittel detailliert dargestellt werden. Auf diese Weise erhält der Arzt ein präzises Bild über das Ausmaß der Schädigung. Des Weiteren erfolgen eine Herz-Kreislauf-Diagnostik mithilfe von EKG (Elektrokardiogramm) und Laboruntersuchungen von Elektrolyten, Nieren-, Leber- und Blutwerten, sowie HbA1c- Blutzuckerwerten und Lipidstatus.
 

Behandlung eines Schlaganfalls

Um bleibende Schäden zu minimieren, muss so schnell wie möglich die Blutversorgung im Gehirn wiederhergestellt werden. Hierzu wird beim ischämischen Hirnschlag möglichst innerhalb von 4,5 Stunden eine intravenöse Lysetherapie eingeleitet, bei der das Gerinnsel mithilfe eines Medikaments aufgelöst wird. Neue Untersuchungen wie die WAKE UP-Studie deuten an, dass eine Lysetherapie auch zu einem späteren Zeitpunkt noch erfolgversprechend ist. Außerdem kann das Blutgerinnsel auch mechanisch mit einem Katheter (Neurothrombektomie) entfernt werden. Ein hämorrhagischer Infarkt wird mit blutdrucksenkenden Medikamenten bzw.  Punktion versorgt.

Im Anschluss an die Notfallbehandlung wird in einer Reha-Behandlung versucht, die körperlichen Fähigkeiten des Patienten wiederherzustellen. Zusammen mit Physiotherapeuten, Ergotherapeuten und Sprachtherapeuten werden Übungen trainiert, die zur Verbesserung der Körperwahrnehmung, der Gang- und Bewegungsfähigkeit und des Sprechens dienen und je nach Ausmaß der betroffenen Gehirnareale unterschiedlich gute Erfolge bieten. So können 60% der Patienten mit einem schweren Schlaganfall drei Monate nach einer erfolgreichen Therapie wieder ein eigenständiges Leben führen. Allerdings bleiben häufig auch dauerhafte Schäden von Lähmungen, Bewegungsstörungen bis Sprachstörungen, die beim Einzelnen zu unterschiedlich viel Pflegebedarf führen.
 

Schlaganfall-Vorsorge

Nachdem ein Großteil der Bevölkerung Risikofaktoren zeigt, ist Vorsorge äußerst wichtig. Hierzu zählen körperliche Aktivität, eine gesunde Ernährung, nur eingeschränkter Konsum von Alkohol, nicht Rauchen, Erhalt von Normalgewicht und gegebenenfalls eine medikamentöse Behandlung von Bluthochdruck sowie eine antithrombotische Therapie. Mit einer gesunden Lebensweise, ausreichend Bewegung und Normalgewicht kann damit jeder für sich das Risiko eines Schlaganfalls deutlich senken.

Redaktion journalmed.de (EG)

Literatur:

Schlaganfall: Was ist das? Internisten im Netz

Stiftung Deutsche Schlaganfallhilfe

Gesundheitsinformation.de, Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG), Schlaganfall

DEGAM Patienteninformation Schlaganfall vorbeugen, erkennen und behandeln,
Deutsche Gesellschaft für Allgemeinmedizin und Familienmedizin, 2020


S3-Leitlinie Schlaganfall, AWMF-Register-Nr. 053-011DEGAM-Leitlinie Nr. 8, 2020

Deutsche Gesellschaft für Neurologie, Schlaganfall – Lyse auch jenseits des Zeitfensters von 4,5 Stunden möglich

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