Journal MED

Aktuelles

Eine schwere Pneumokokken-Erkrankung, die eine Krankenhausbehandlung erfordert, kann bei erwachsenen Patient:innen ein Hinweis auf zuvor undiagnostizierten Blutkrebs und Immunschwäche sein. Dies zeigt eine Studie der Universität Göteborg [1]. Die Forschenden untersuchten 156 Personen, die zwischen 2018 und 2023 in Schweden, an einer invasiven Pneumokokken-Erkrankung erkrankten und im Krankenhaus behandelt werden mussten. Jede vierte Person hatte M-Protein im Blut – einen Marker, der bei Blutkrebs oder Vorstufen vorhanden sein kann. Die Untersuchungen führten dazu, dass bei sieben Patient:innen Blutkrebs diagnostiziert wurde, während bei weiteren zwölf eine Vorstufe festgestellt wurde.
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Die Therapie chronisch-entzündlicher Darmerkrankungen orientiert sich zunehmend nicht mehr ausschließlich an der Symptomkontrolle. Mit der STRIDE-II-Strategie hat sich vielmehr ein proaktiver „Treat-to-Target“-Ansatz etabliert, der ein engmaschiges Monitoring sowie eine Kombination aus kurz- und langfristigen, objektiv messbaren Therapiezielen vorsieht. Das langfristige Ziel besteht in einer nachhaltigen und objektiv nachweisbaren Krankheitskontrolle. Hierzu zählen die Normalisierung von Biomarkern wie dem C-reaktiven Protein und dem fäkalen Calprotectin sowie v.a. das Erreichen und Aufrechterhalten einer endoskopischen Remission. Biomarker und Endoskopie sind laut Prof. Dominik Bettenworth, Münster, wichtige Instrumente zur Beurteilung der Krankheitsaktivität und zur Steuerung der Therapie. Schnittbildgebungsverfahren wie Magnetresonanztomografie oder intestinaler Ultraschall können dabei eine wertvolle Ergänzung darstellen.
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Medizin
 2 Min|

Herzinsuffizienz: Waist-to-Height Ratio übertrifft BMI bei Risikobewertung

Die Ursachen für eine Herzinsuffizienz können vielfältig sein, Adipositas spielt aber in den meisten Fällen, insbesondere bei Herzinsuffizienz mit erhaltener Auswurffraktion (HFpEF), eine wichtige Rolle. Bisher wurde oft der BMI als Grundlage für die Beurteilung herangezogen. In einer aktuellen Studie zeigen Forschende aber, dass ein anderer Parameter für die Risikobewertung von HFpEF besser geeignet ist.
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Medizin
 3 Min|
ERS 2026

RSV-Saison: Neue Real-World-Daten bestätigen hohe Impfeffektivität bei Risikogruppen

Mit Beginn der Saison für Atemwegsinfektionen rückt das Respiratorische Synzytial-Virus (RSV) erneut in den Fokus. Aktuelle Daten, die auf dem Kongress der European Respiratory Society (ERS) vorgestellt wurden, verdeutlichen die Belastung durch RSV-Infektionen für ältere Menschen und solche mit Grunderkrankungen. Gleichzeitig bestätigen neue Real-World-Daten über 2 Winter-Saisons, dass der adjuvantierte RSV-Impfstoff in der Praxis eine hohe Effektivität bei Menschen mit Grunderkrankungen aufweist.
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Medizin
 4 Min|

Mukoviszidose: Dreifachtherapie im frühen Kindesalter besonders wirksam

Mukoviszidose ist eine unheilbare Erbkrankheit. Seit 2020 gibt es eine ursächlich wirkende Behandlung, die mittlerweile auch für Kinder ab zwei Jahren zugelassen ist. Forschende der Charité Berlin zeigten in ihrer Studie, dass diese Therapie im frühen Kindesalter besonders wirksam ist. Die molekularen Schleimhautkanäle, die bei Mukoviszidose nicht oder nur schlecht funktionieren, erreichten nach der Behandlung bei Kindern zwischen zwei und elf Jahren fast normale Funktionswerte. Das Ergebnis werten die Forschenden als Plädoyer für einen frühen Behandlungsstart. Die Studie ist im Fachmagazin European Respiratory Journal veröffentlicht [1].
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Medizin
 2 Min|

Rilzabrutinib: Neuer BTK-Inhibitor zur Behandlung der refraktären ITP ab Oktober verfügbar

Ab dem 1. Oktober 2026 steht für Patient:innen mit Immunthrombozytopenie (ITP), die gegenüber anderen Behandlungen refraktär sind, der Bruton-Tyrosinkinase (BTK)-Inhibitor Rilzabrutinib zur Verfügung. Rilzabrutinib adressiert über eine Multi-Immunmodulation gezielt zentrale Signalwege der ITP. In der Zulassungsstudie LUNA 3 zeigte sich u.a. eine schnelle und anhaltende Thrombozytenantwort, aber auch eine signifikante Verbesserung der körperlichen Fatigue, eines für viele Patient:innen besonders belastenden Symptoms der ITP [1]. Durch die Zulassung von Rilzabrutinib eröffnet sich ein neuer therapeutischer Ansatz zur Behandlung dieser Autoimmunerkrankung.
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Medizin
 3 Min|

S3-Leitlinie und STIKO definieren Impfstrategien gegen Hepatitis A und B

Ob auf Fernreisen, durch kontaminierte Lebensmittel oder enge Kontakte – Hepatitis A ist weltweit verbreitet und auch außerhalb klassischer Risikogebiete besteht Infektionsgefahr. Erwachsene erkranken häufig schwer: Über 60% müssen hospitalisiert werden, die Genesung dauert oft Monate. Auch Hepatitis B bleibt ein globales wie nationales Gesundheitsproblem. Schätzungen zufolge leben weltweit rund 254 Millionen Menschen mit einer chronischen HBV-Infektion – in Deutschland etwa 250.000 bis 300.000. Im Jahr 2023 wurden dem Robert Koch-Institut fast 22.900 Fälle gemeldet – ein deutlicher Anstieg von 36% gegenüber dem Vorjahr, 2024 kamen 22.162 weitere gemeldete Fälle dazu. Diese Entwicklung unterstreicht die Bedeutung klarer Impfempfehlungen. Die S3-Leitlinie der Deutschen Gesellschaft für Gastroenterologie, Verdauungs- und Stoffwechselkrankheiten (DGVS) und die Ständige Impfkommission (STIKO) definieren präzise, welche Bevölkerungsgruppen besonders geschützt werden sollten und wie eine effektive Prävention aussieht.
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Gesundheitspolitik
 3 Min|
Symbolbild Ungleichheit: Spielsteine stehen auf unterschiedlich hohen Münzstapeln

Forschende: Ungleichheit von Gesundheitschancen wird durch planetare Krisen verschärft

Die weltweite Ungleichheit von Gesundheitschancen wird durch die dreifache planetare Krise – Klimawandel, Verlust der Artenvielfalt und Umweltverschmutzung – weiter verschärft. Sie zu verhindern, ist damit mehr als eine Frage der Gesundheitssysteme, sondern muss als zentrales Anliegen in der Klima- und Umweltpolitik verankert werden. Das fordern Wissenschaftler:innen der Universität Heidelberg, die unter anderem zu globaler Gesundheit, umweltbezogenen Krankheiten und Klimaschutzmaßnahmen forschen. Sie treten dafür ein, dieser Ungleichheit nicht nur auf individueller Ebene zu begegnen, sondern auch strukturelle Ursachen zu beseitigen. Welche Ansätze dafür in der Forschung und auf politischer Ebene erforderlich sind, erläutern sie in einem Paper, das in der Fachzeitschrift Nature Human Behaviour erschienen ist [1].
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Medizin
 4 Min|
3D-Illustration: Bakterium wird von einer Gruppe Phagen attackiert

Gemeinsame Standards für den Einsatz von Phagen gegen schwer behandelbare Infektionen

Eine internationale Arbeitsgruppe unter Leitung der Deutschen Gesellschaft für Infektiologie (DGI) hat eine Leitlinie zur personalisierten Phagentherapie entwickelt. Beteiligt waren 20 Fachgesellschaften, 18 internationale Expert:innen einschließlich Vertretungen von Behörden sowie zwei Patientenvertretungsorganisationen. Die Leitlinie umfasst mehr als 60 praxisorientierte Empfehlungen zu Auswahl und Testung geeigneter Phagen, Infrastruktur, Herstellung und Qualitätskontrolle, Anwendung, Monitoring und Dokumentation sowie zu zukünftigen Forschungsfragen. Das Consensus Statement wurde im Fachmagazin Nature Medicine veröffentlicht [1].
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Medizin
 4 Min|
Person misst Blutzucker, man sieht Hände und Messgerät

Typ-2-Diabetes bei jungen Erwachsenen: Armut und Migrationserfahrung spielen eine Rolle

Typ-2-Diabetes trifft in Deutschland immer häufiger junge Erwachsene. Neue Daten zeigen: Armut, geringe Bildung und eigene Migrationserfahrung gehen damit einher. Eine Studie des Leibniz-Instituts für Präventionsforschung und Epidemiologie - BIPS auf Basis der NAKO-Gesundheitsstudie findet diese sozialen Unterschiede auch dann, wenn familiäre Vorbelastung und der eigene Lebensstil einbezogen werden [1]. Die Autor:innen fordern deshalb ein Umdenken: weg von reinen Verhaltensratschlägen, hin zu einer Prävention, die die Lebensumwelt verändert.
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Medizin
 6 Min|

Nur 13 Prozent der Kinder und Jugendlichen bewegen sich ausreichend

Die AOK Rheinland/Hamburg hat 5.000 Eltern im Rheinland und in Hamburg zur Gesundheitssituation ihrer Kinder befragt. Der AOK-Kindergesundheitsatlas 2026 liefert Zusammenhänge zwischen dem Ideal und der Lebensrealität von Familien. Fast neun von zehn Kindern erreichen nicht die WHO-Bewegungsempfehlung von 60 Minuten pro Tag. Rund jedes fünfte Kind überschreitet die empfohlene Bildschirmzeit mit Sozialen Medien und bei jedem zehnten Kind gehören große Mengen von Zucker täglich zum Alltag, schon ab dem ersten Lebensjahr.
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Medizin
 3 Min|
Blutgerinnsel / Thrombose in Arterie oder Vene

Erkältungsvirus führt zu seltenen Blutgerinnseln

Die Universitätsmedizin Greifswald identifizierte im internationalen Forschungsteam bei einem Kind in Österreich erstmals die auslösende Variante des Adenovirus als Ursache lebensbedrohlicher Blutgerinnsel. Zur Diagnose zogen die behandelnden Ärzt:innen der Medizinischen Universität Innsbruck die Greifswalder Transfusionsmediziner:innen hinzu. Weitere virologische Untersuchungen erfolgten gemeinsam mit Forschenden der Medizinischen Fakultät der Universität Duisburg-Essen. Die Erkenntnisse dieses Falles wurden nun in einer Studie im New England Journal of Medicine veröffentlicht [1].
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Medizin
 2 Min|

CHMP empfiehlt Filgotinib zur Behandlung der axialen Spondyloarthritis

Der Ausschuss für Humanarzneimittel (CHMP) der Europäischen Arzneimittel-Agentur (EMA) hat eine positive Stellungnahme zu Filgotinib abgegeben. Demnach soll der einmal täglich oral einzunehmende, präferenzielle Januskinase 1(JAK1)-Inhibitor künftig zur Behandlung erwachsener Patient:innen mit aktiver axialer Spondyloarthritis (axSpA) eingesetzt werden, sowohl bei nicht-röntgenologischer als auch bei röntgenologischer axSpA, wenn diese auf eine konventionelle Therapie unzureichend angesprochen haben.
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Medizin
 3 Min|
Post-Stroke-Spastizität: Frühzeitige interdisziplinäre Behandlung bleibt Versorgungsdefizit
Deutscher Schlaganfallkongress

Post-Stroke-Spastizität: Frühzeitige interdisziplinäre Behandlung bleibt Versorgungsdefizit

Die Entwicklung einer Spastizität nach Schlaganfall (post-stroke spasticity, PSS) ist für die Betroffenen häufig mit gravierenden Folgen verbunden. Die mit PSS einhergehenden motorischen Einschränkungen beeinträchtigen Mobilität, Selbstständigkeit und Lebensqualität erheblich und belasten auch Angehörige und Pflegende. Trotz klarer Leitlinienempfehlungen für eine frühzeitige therapeutische Intervention und interdisziplinäre Betreuung wird die PSS häufig erst spät diagnostiziert und behandelt. Dadurch können sich funktionelle Einschränkungen und sekundäre Komplikationen verfestigen. Bei einem Symposium im Rahmen des 2. Deutschen Schlaganfallkongresses (DSG26) wurde dieses reale Problem im Versorgungsalltag von PSS-Patient:innen diskutiert.
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