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Leberzirrhose
Inhaltsverzeichnis

Was ist Leberzirrhose?

Leberzirrhose ist ein spätes Stadium der Vernarbung (Fibrose) der Leber. Sie entsteht durch viele Formen von Lebererkrankungen wie Hepatitis und chronischem Alkoholismus. Jedes Mal, wenn die Leber geschädigt wird, versucht diese, sich selbst zu reparieren. Dabei bildet sich Narbengewebe. Mit fortschreitender Zirrhose bildet sich immer mehr Narbengewebe, sodass die Leberfunktionen der Patient:innen eingeschränkt werden. Der durch die Vernarbung verursachte Leberschaden kann im Allgemeinen nicht rückgängig gemacht werden. Eine fortgeschrittene Leberzirrhose kann zu Leberversagen führen und ist lebensbedrohlich. Durch eine Diagnose in einem frühen Stadium der Zirrhose kann die Ursache bei betroffenen Patient:innen behandelt und eine weitere Leberschädigung im besten Falle begrenzt werden.

Wie häufig ist Leberzirrhose und wer ist betroffen?

Mit etwa 1,47 Millionen Todesfällen jährlich zählt die Leberzirrhose zu den bedeutendsten Todesursachen weltweit. Sie ist eingebettet in ein größeres Spektrum leberassoziierter Mortalität: Insgesamt versterben pro Jahr rund zwei Millionen Menschen an Lebererkrankungen – neben der Zirrhose vor allem am hepatozellulären Karzinom (HCC) und an den Folgen viraler Hepatitiden. Die Sterblichkeit variiert regional erheblich.

In der europäischen Mortalitätsstatistik belegt die Leberzirrhose Rang neun. Global betrachtet steht sie an 15. Stelle der häufigsten Todesursachen und verursacht erhebliche Krankheitslast, gemessen in verlorenen gesunden Lebensjahren (Disability-Adjusted Life Years, DALYs). Besonders ausgeprägt ist die Belastung bei Menschen zwischen 50 und 74 Jahren, wo Leberzirrhose unter den sieben häufigsten Ursachen für DALYs rangiert.

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Was verursacht eine Leberzirrhose?

Leberzirrhose gilt als das Endstadium chronischer Lebererkrankungen und kann durch eine Vielzahl von Erkrankungen verursacht werden. Die häufigsten Ursachen sind:

  • Alkoholkonsum: Alkoholische Fettleber

  • Metabolisch und genetisch:

    • Metabolisch assoziierte steatotische Lebererkrankung (MASLD)

    • Morbus Wilson

    • Hämochromatose

    • Alpha-1-Antitrypsin-Mangel

    • Zystische Fibrose (Mukoviszidose)

    • Glykogenspeicherkrankheit

  • Infektionserkrankungen

    • Hepatitis B, C, D

    • Schistosomiasis

  • Autoimmunerkrankungen

    • Autoimmunhepatitis

    • Primär biliäre Cholangitis

  • Biliäre Ursachen

    • Gallengangsatresie, Gallengangsstrikturen

    • Primär sklerosierende Cholangitis

  • Vaskuläre Ursachen    

    • Budd-Chiari-Syndrom

    • Kardiale Zirrhose/Rechtsherzinsuffizienz

    • Veno-okklusive-Erkrankung

  • Medikamente

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Wie wird die Leberzirrhose klassifiziert?

Prognostische Scores bei Leberzirrhose dienen der Abschätzung der Mortalitätswahrscheinlichkeit, der Quantifizierung der hepatischen Funktionsreserve und der Beurteilung der Belastbarkeit für chirurgische oder invasive Therapien.

Child-(Turcotte-)Pugh-Score (CTP)

Der CTP-Score gilt als etabliertes, bettseitiges Instrument zur Prognoseabschätzung und eignet sich besonders für langfristige Verlaufsbeurteilungen. Er klassifiziert Patient:innen in drei Kategorien: A (gute Leberfunktion), B (mäßig eingeschränkte Leberfunktion) und C (fortgeschrittene Leberdysfunktion). Das Scoring-System bewertet folgende fünf Parameter und vergibt Punkte: Hepatische Enzephalopathie, Aszites, Bilirubin, Albumin und INR. Die Gesamtpunktzahl klassififiziert den Schweregrad der Leberzirrhose:

  • Child-Pugh A: 5–6 Punkte (5-Jahres-Überleben: 75 %)

  • Child-Pugh B: 7–9 Punkte

  • Child-Pugh C: 10–15 Punkte (5-Jahres-Überleben: 20 %)

MELD-Na-Score

Die Notwendigkeit einer objektiven Priorisierung bei der Lebertransplantation führte zur Entwicklung und breiten Implementierung des MELD-Scores (Model for End-Stage Liver Disease). Ursprünglich wurde er konzipiert, um das Überleben nach transjugulärer intrahepatischer portosystemischer Shunt-Anlage (TIPS) vorherzusagen. Der MELD-Score basiert auf drei Laborwerten – Serumbilirubin, Serumkreatinin und INR – und erstreckt sich von 6 bis 40 Punkten, wobei höhere Werte eine schwerere Lebererkrankung anzeigen.

Im Gegensatz zum CTP-Score, der sich für Langzeitprognosen eignet, fokussiert der MELD-Na auf kurzfristige Vorhersagen bei dekompensierter Zirrhose. Bei Patient:innen mit akut-auf-chronischem Leberversagen (ACLF) ist seine Aussagekraft jedoch eingeschränkt.

Welche Symptome treten bei Leberzirrhose auf?

Viele Patient:innen mit Leberzirrhose zeigen keine Beschwerden, insbesondere in frühen Krankheitsstadien. Die Erkrankung kann lange Zeit asymptomatisch verlaufen. Im Anfangsstadium können unspezifische Beschwerden auftreten.

Frühe Symptome

  • Anhaltende Müdigkeit und allgemeines Unwohlsein

  • Appetitlosigkeit oder ungewollter Gewichtsverlust

  • Übelkeit und Erbrechen

  • Abdominelle Schmerzen

Mit zunehmender hepatischer Dekompensation entwickeln sich zusätzliche klinische Zeichen.

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Fortgeschrittene Symptomatik

  • Hämorrhagische Diathes: erhöhte Blutungsneigung, spontane Hämatome

  • Ödeme und Aszites

  • Ikterus von Haut und Skleren

  • Juckreiz

  • Bei Frauen: Ausbleiben der Menstruation, die nicht mit der Menopause zusammenhängen

  • Bei Männern Verlust des Sexualtriebs, Gynäkomastie oder Hodenatrophie

  • Verwirrtheit, Schläfrigkeit

  • Leberhautzeichen: Spidernävi, Palmar- und Plantarerythem, Lacklippen und -zunge, Mundwinkelrhagaden, Teleangiektasien, Milchglasnägel, Bauchglatze

Welche Komplikationen können bei einer Leberzirrhose auftreten?

  • Portale Hypertonie (portale Hypertension): Hoher Blutdruck in den hepatischen Venen durch Rückstau

  • Schwellungen in den Beinen (Ödeme) und im Bauch (Aszites)

  • Splenomegalie: Der portale Bluthochdruck kann zu Veränderungen und Schwellungen der Milz sowie zum Einschließen von weißen Blutkörperchen und Blutplättchen führen. Verminderte weiße Blutkörperchen und Blutplättchen im Blut können das erste Anzeichen sein.

  • Unterernährung: Das vernarbte Lebergewebe kann es dem Körper erschweren, Nährstoffe zu verarbeiten, was zu Schwäche und Gewichtsverlust führt, Sarkopenie

  • Hepatorenales Syndrom: Eine Abnahme der Nierenfunktion mit der möglichen Folge des Nierenversagens

  • Blutungen: Die Portale Hypertension kann dazu führen, dass Blut in kleinere Venen umgeleitet wird, die durch den zusätzlichen Druck platzen. Portale Hypertonie kann zudem vergrößerte Venen (Varizen) in der Speiseröhre (Ösophagusvarizen) oder im Magen (Magenvarizen) verursachen und zu lebensbedrohlichen Blutungen führen. Wenn die Leber nicht genügend Gerinnungsfaktoren herstellen kann, kann dies ebenfalls zu anhaltenden Blutungen beitragen.

  • Erhöhtes Risiko, am Leberzellkarzinom zu erkranken

  • Hepatische Enzephalopathie: Durch die Lebererkrankung können Giftstoffe nicht ausreichend aus dem Blut  ausgewaschen werden. Diese Toxine können sich im Gehirn ansammeln und geistige Verwirrung und Konzentrationsschwierigkeiten verursachen. Mit der Zeit kann sich die hepatische Enzephalopathie zu Reaktionslosigkeit oder Koma entwickeln.

  • Spontan bakterielle-Peritonitis im Rahmen einer therapierefraktären Aszites

Wie diagnostiziert man eine Leberzirrhose?

Zur Diagnose der Erkrankung können folgende Methoden herangezogen werden:

  • Körperliche Untersuchung: Untersuchung auf typische Leberhautzeichen, Palpation einer verhärteten, vergrößerten Leber und ggf. einer Splenomegalie

  • Laborchemische Untersuchung: Bilirubin, Leberenzyme, Gerinnungswerte, Nierenwerte

  • Virologische Untersuchungen: Untersuchung auf Hepatitis-Viren

  • Bildgebende Untersuchungen: Ultraschall, MRT, Magnetresonanz-Elastografie, CT

  • Biopsie: Eine Gewebeprobe ist für die Diagnose nicht unbedingt erforderlich, kann jedoch verwendet werden, um den Schweregrad, das Ausmaß und die Ursache der Leberschädigung zu ermitteln.

Regelmäßige diagnostische Tests sind erforderlich, um Anzeichen für ein Fortschreiten der Erkrankung oder Komplikationen, insbesondere Ösophagusvarizen und Leberkrebs, bei den betroffenen Patient:innen zu erkennen.

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Wie wird die Leberzirrhose therapiert?

Die Behandlung der Leberzirrhose hängt von der Ursache und dem Ausmaß der Leberschädigung ab. Ziel der Therapie ist es, das Fortschreiten von Narbengewebe in der Leber zu verlangsamen und die Symptome und Komplikationen der Erkrankung zu verhindern.

In einem frühen Stadium kann eine Behandlung der zugrunde liegenden Ursache der Leberzirrhose sinnvoll sein, durch:

  • Therapie der Alkoholabhängigkeit

  • Gewichtsverlust, Lifestyle-Änderung

  • Behandlung einer viralen Hepatitis

Eine Behandlung der Komplikationen ist z.B. möglich durch:

  • Diuretikagabe und eine natriumarme Diät zur Vermeidung von Flüssigkeitsansammlungen, um Aszites und Schwellungen zu kontrollieren

  • Carvedilol zur Behandlung der portalen Hypertension

  • Medikamente (z.B. Carvedilol), um das Blutungsrisiko bei Varizen zu senken

  • Lebertransplantation: in fortgeschrittenen Fällen von Leberzirrhose

Wie kann man einer Leberzirrhose vorbeugen?

Bei einer chronischen Lebererkrankung sollte eine frühzeitige Mitbetreuung durch spezialisierte Gastroenterolog:innen oder Hepatolog:innen angestrebt werden, da diese langsam progredient verlaufen und eine rechtzeitige Diagnose sowie Therapie den Progress zur Zirrhose und zum hepatozellulären Karzinom verhindern können.

In frühen Zirrhose-Stadien kann durch Behandlung der Grunderkrankung die Progression verhindert und sogar eine Regression der Zirrhose erreicht werden. Dies gilt insbesondere für die antivirale Therapie bei Hepatitis-B- und Hepatitis-C-induzierter Zirrhose, die immunsuppressive Therapie bei Autoimmunhepatitis, die Behandlung der Eisen- bzw. Kupferüberladung bei Hämochromatose bzw. Morbus Wilson sowie die Alkoholkarenz bei alkoholtoxischer Zirrhose.

Neben der konsequenten Vermeidung schädlichen Alkoholkonsums bei allen chronischen Lebererkrankungen sollte auch Nikotinverzicht empfohlen werden, da Rauchen die Fibroseprogression verstärken kann.

Patient:innen-FAQ

Häufig gestellte Fragen zum Thema Leberzirrhose

Rund um das Thema Leberzirrhose stellen sich für Betroffene und Angehörige oft viele Fragen: zur Diagnose, zu Behandlungsmöglichkeiten, zu Nebenwirkungen oder zum Alltag mit der Erkrankung. In dieser Patient:innen-FAQ finden Sie Antworten auf die häufigsten Fragen.

Literatur:

(1)

Liu YB & Chen MK.Epidemiology of liver cirrhosis and associated complications: Current knowledge and future directions. World J Gastroenterol. 2022 Nov 7; 28(41): 5910–5930.

(2)

D’Amico G et al. Natural history and prognostic indicators of survival in cirrhosis: A systematic review of 118 studies. J Hepatol. 2006; 44: 217-231.

(3)

D'Amico G et al. Clinical states of cirrhosis and competing risks. J Hepatol. 2018;68:563–576.

(4)

NHS: Cirrhosis, abrufbar unter: https://www.nhs.uk/conditions/cirrhosis/

(5)

Wiegand J, Berg T: Ätiologie, Diagnose und Prävention einer Leberzirrhose, Deutsches Ärzteblatt, abrufbar unter: https://api.aerzteblatt.de/pdf/110/6/m85.pdf

(6)

Battle A et al. (2025) Liver Cirrhosis: Evolving Definitions, and Recent Advances in Diagnosis, Prevention and Management, Livers, DOI: 10.3390/livers5030028