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Leberzirrhose

von Dr. rer. nat. Marion Adam

Leberzirrhose
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Die Leberzirrhose ist das Endstadium einer chronischen Lebererkrankung. Sie entwickelt sich langsam über Jahre und hat verschiedene Ursachen. Häufige Ursachen sind langjähriger übermäßiger Alkoholkonsum, eine Fettleber oder chronische Virusinfektionen. Aber auch seltenere Auslöser wie Erkrankungen der Gallenwege, angeborene Stoffwechselstörungen oder Autoimmunerkrankungen der Leber können zu einer Leberzirrhose führen. Die Lebenserwartung von Patient:innen mit Leberzirrhose ist deutlich verkürzt.
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Was ist Leberzirrhose?

Leberzirrhose ist ein spätes Stadium der Vernarbung (Fibrose) der Leber. Sie entsteht durch viele Formen von Lebererkrankungen wie Hepatitis und chronischem Alkoholismus. Jedes Mal, wenn die Leber geschädigt wird – sei es durch Krankheit oder übermäßigen Alkoholkonsum – versucht sie sich selbst zu reparieren. Dabei bildet sich Narbengewebe. Mit fortschreitender Zirrhose bildet sich immer mehr Narbengewebe, so dass die Leberfunktionen der Patient:innen eingeschränkt werden. Der durch die Vernarbung verursachte Leberschaden kann im Allgemeinen nicht rückgängig gemacht werden. Eine fortgeschrittene Leberzirrhose kann zu Leberversagen führen und ist für die Patient:innen lebensbedrohlich (2).
Durch eine Diagnose in einem frühen Stadium der Zirrhose können die Ursache bei betroffenen Patient:innen behandelt und weitere Leberschädigungen im besten Fall begrenzt werden.
Die Zahl alkoholbedingter Fettlebern und auch die nicht-alkoholischer Fettlebern (NAFLD) nehmen rapide zu. Aufgrund der steigenden Prävalenz von Stoffwechselerkrankungen wie Fettleibigkeit und Diabetes wird die NAFLD-bedingte Leberzirrhose wahrscheinlich häufiger auftreten und auch die Prävalenz von alkoholinduzierter Leberzirrhose steigt (1).

Ursachen: Wie entsteht Leberzirrhose?

Leberzirrhose gilt als das Endstadium chronischer Lebererkrankungen und kann durch eine Vielzahl von Erkrankungen verursacht werden.

Die häufigsten Ursachen:
 
  • Alkoholkonsum, alkoholische Fettleber
  • nicht-alkoholische Fettlebererkrankung (NAFLD)
  • Hepatitisviren, die eine chronische Hepatits B, Hepatitis C oder Hepatitis D auslösen
  • Autoimmunerkrankungen, wie Mukoviszidose oder Autoimmunhepatitis
  • Eisenansammlung im Körper (Hämochromatose)
  • In der Leber angesammeltes Kupfer (Morbus Wilson)
  • schlecht ausgebildete Gallenwege (Gallengangsatresie)
  • Alpha-1-Antitrypsin-Mangel
  • Erbliche Störungen des Zuckerstoffwechsels (Galaktosämie oder Glykogenspeicherkrankheit)
  • Genetische Verdauungsstörung (Alagille-Syndrom)
  • Zerstörung der Gallenwege (primäre biliäre Zirrhose)
  • Verhärtung und Vernarbung der Gallengänge (primär sklerosierende Cholangitis)
  • Infektionen, wie Syphilis oder Brucellose
  • Medikamente
     
     
     

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Welche Symptome bei Leberzirrhose?

Der fortschreitende Verlauf einer Leberzirrhose kann Stadien ohne Symptome umfassen.

Bei Betroffenen können folgende Symptome auftreten:
 
  • Müdigkeit
  • leichte Blutungen oder Blutergüsse
  • Appetitlosikeit
  • Erbrechen
  • Schwellungen in Beinen, Füßen oder Knöcheln (Ödeme)
  • Gewichtsverlust
  • juckende Haut
  • Gelbfärbung der Haut und Augen (Gelbsucht)
  • Flüssigkeitsansammlung im Bauchraum (Aszites)
  • Spinnenartige Blutgefäße auf der Haut
  • Rötung in den Handflächen
  • bei Frauen: Ausbleiben der Menstruation, die nicht mit der Menopause zusammenhängen
  • bei Männern Verlust des Sexualtriebs, Brustvergrößerung (Gynäkomastie) oder Hodenatrophie
  • Verwirrtheit
  • Schläfrigkeit
  • undeutliche Sprache (hepatische Enzephalopathie)

Welche Komplikationen treten bei einer Leberzirrhose auf?

Komplikationen einer Zirrhose können sein (1):
 
  • portale Hypertonie (portale Hypertension): hoher Blutdruck in den hepatischen Venen
  • Schwellungen in den Beinen (Ödeme) und im Bauch (Aszites)
  • Splenomegalie (Vergrößerung der Milz). Portaler Bluthochdruck kann auch zu Veränderungen und Schwellungen der Milz sowie zum Einschließen von weißen Blutkörperchen und Blutplättchen führen. Verminderte weiße Blutkörperchen und Blutplättchen im Blut können das erste Anzeichen sein.
  • Blutungen: Portale Hypertension kann dazu führen, dass Blut in kleinere Venen umgeleitet wird, die durch den zusätzlichen Druck platzen. Portale Hypertonie kann zudem vergrößerte Venen (Varizen) in der Speiseröhre (Ösophagusvarizen) oder im Magen (Magenvarizen) verursachen und zu lebensbedrohlichen Blutungen führen. Wenn die Leber nicht genügend Gerinnungsfaktoren herstellen kann, kann dies ebenfalls zu anhaltenden Blutungen beitragen.
  • Entzündungen: der Körper hat Schwierigkeiten, Infektionen zu bekämpfen. Aszites kann zu einer bakteriellen Peritonitis führen, einer schweren Infektion.
  • Hepatorenales Syndrom: Abnahme der Nierenfunktion mit der Folge Nierenversagen
  • Unterernährung: das vernarbte Lebergewebe kann es dem Körper erschweren, Nährstoffe zu verarbeiten, was zu Schwäche und Gewichtsverlust führt.
  • hepatische Enzephalopathie: Ansammlung von Toxinen im Gehirn. Durch die Lebererkrankung können Giftstoffe nicht ausreichend aus dem Blut ausgewaschen werden. Diese Toxine können sich dann im Gehirn ansammeln und geistige Verwirrung und Konzentrationsschwierigkeiten verursachen. Mit der Zeit kann sich die hepatische Enzephalopathie zu Reaktionslosigkeit oder Koma entwickeln.
  • Gelbsucht: tritt auf, wenn die erkrankte Leber nicht genug Bilirubin, ein Blutabfallprodukt, aus dem Blut entfernt. Gelbsucht verursacht eine Gelbfärbung der Haut und des Weißen der Augen und eine Verdunkelung des Urins.
  • Sarkopenie: Verlust an Muskelmasse
  • Knochenkrankheit
  • manche Betroffenen verlieren an Knochenstärke und haben ein höheres Frakturrisiko
  • erhöhtes Leberkrebsrisiko
  • Multiorganversagen
Diese Komplikationen stellen eine schwere Belastung für die globale öffentliche Gesundheit im Hinblick auf eine erhebliche Beeinträchtigung der Lebensqualität und eine damit verbundene hohe Sterblichkeit der Patient:innen dar (2).
 
 
 

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Welche Stadien gibt es bei Leberzirrhose?

Die Einteilung der Zirrhose in Stadien hilft bei der Prognose. Die Leberzirrhose wird nach den „Child-Pugh-Kriterien“ in die Stadien Child A bis Child C eingeteilt. Ist die Erkrankung zu Beginn noch leicht ausgeprägt, nimmt der Schweregrad im Verlauf deutlich zu. Um eine Prognose über die Lebenserwartung stellen zu können, werden die Leberfunktion und die Folgeerkrankungen untersucht.
Im kompensierten Stadium, Child-Pugh A, sind meist noch keine Beeinträchtigungen feststellbar. Daher ist die Lebenserwartung der Patient:innen noch nicht so stark eingeschränkt. Entwickelt sich im weiteren Verlauf jedoch eine dekompensierte Leberzirrhose (Child-Pugh B und C), können Komplikationen wie hepatische Enzephalopathie, Gelbsucht, Aszites oder Blutungen auftreten. Die Lebenserwartung ist hier bereits deutlich reduziert.

Diagnose: Woran erkennt man Leberzirrhose?

Zur Diagnose der Erkrankung können folgende Methoden herangezogen werden:
 
  • Körperliche Untersuchung
  • Bluttests zur Suche nach:
    • überschüssigem Bilirubin
    • bestimmten Enzymen, die auf eine Leberschädigung hinweisen
    • Kreatinin als Hinweis auf die Nierenfunktion
    • Hepatitis-Viren
    • möglichen Ursachen und dem Schweregrad der Erkrankung
  • Bildgebende Tests:
    • Magnetresonanz-Elastografie (MRE)
    • MRT
    • CT
    • Ultraschall
  • Biopsie: eine Gewebeprobe ist für die Diagnose nicht unbedingt erforderlich, kann jedoch verwendet werden, um den Schweregrad, das Ausmaß und die Ursache der Leberschädigung zu ermitteln.
Regelmäßige diagnostische Tests sind erforderlich, um Anzeichen für ein Fortschreiten der Erkrankung oder Komplikationen, insbesondere Ösophagusvarizen und Leberkrebs, bei den betroffenen Patient:innen zu erkennen.

Therapie: Wie wird eine Leberzirrhose behandelt?

Die Behandlung der Leberzirrhose hängt von der Ursache und dem Ausmaß der Leberschädigung ab. Ziel der Therapie ist es, das Fortschreiten von Narbengewebe in der Leber zu verlangsamen und die Symptome und Komplikationen der Erkrankung zu verhindern.

In einem frühen Stadium kann eine Behandlung der zugrunde liegenden Ursache der Leberzirrhose sinnvoll sein, durch:
 
  • Therapie der Alkoholabhängigkeit
  • Gewichtsverlust
  • Behandlung einer Hepatitis B oder C
  • Medikamente können das Fortschreiten bestimmter Arten von Leberzirrhose verlangsamen
  • Medikamente gegen bestimmte Symptome, wie Juckreiz, Müdigkeit und Schmerzen
  • Nahrungsergänzungsmittel gegen Mangelernährung und um Osteoporose vorzubeugen

Behandlung der Komplikationen der Zirrhose:
 
  • natriumarme Diät und Medikamente zur Vermeidung von Flüssigkeitsansammlungen, um Aszites und Schwellungen zu kontrollieren
  • Blutdruckmedikamente zur Behandlung der portalen Hypertension
  • Medikamente, um das Blutungsrisiko bei Varizen zu senken
  • Bekämpfung von Infektionskrankheiten, z.B. durch Antibiotika oder Impfungen gegen Grippe, Lungenentzündung und Hepatitis
  • Lebertransplantation: in fortgeschrittenen Fällen von Leberzirrhose

Mögliche zukünftige Behandlungen
Wissenschaftler:innen arbeiten daran, die derzeitigen Behandlungsmöglichkeiten für Zirrhose zu erweitern, aber der Erfolg ist begrenzt. Da die Zirrhose zahlreiche Ursachen und Komplikationen hat, gibt es viele potenzielle Ansatzpunkte. Eine Kombination aus verstärkten Vorsorgeuntersuchungen, Änderungen des Lebensstils und neuen Medikamenten kann die Ergebnisse für Menschen mit Leberschäden verbessern, wenn frühzeitig damit begonnen wird.
 
 

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Ist eine Zirrhose heilbar?

Die Leberzirrhose ist behandelbar, aber nicht heilbar. Die bisher bekannten therapeutischen Maßnahmen können lediglich das Fortschreiten der Erkrankung verlangsamen oder aufhalten und die Beschwerden lindern. Je nach Ursache sollten vor allem die Grunderkrankungen gezielt behandelt werden. Im dekompensierten Stadium kommt die Vermeidung von Komplikationen hinzu. Ist die Zirrhose bereits weit fortgeschritten, bleibt als letzter Ausweg oft nur die Lebertransplantation.

Redaktion journalmed.de

Literatur:

(1) Liu YB & Chen MK.Epidemiology of liver cirrhosis and associated complications: Current knowledge and future directions. World J Gastroenterol. 2022 Nov 7; 28(41): 5910–5930.
(2) D’Amico G et al. Natural history and prognostic indicators of survival in cirrhosis: A systematic review of 118 studies. J Hepatol. 2006; 44: 217-231.
(3) D'Amico G et al. Clinical states of cirrhosis and competing risks. J Hepatol. 2018;68:563–576.

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