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SchwerpunktMai 2017

01. Mai 2017
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Allergenspezifische Immuntherapie

Die allergenspezifische Immuntherapie ist derzeit die einzige krankheitsmodifizierende Behandlungsmöglichkeit bei Allergie gegen Inhalationsallergene. Hohe Allergendosen induzieren regulatorische T-Zellen und drängen die Immunantwort in Richtung dauerhafter Toleranz gegenüber individuellen Allergenen. Infrage kommt die Therapie immer dann, wenn verursachende Allergene nicht gemieden werden können, oder die Meidung nicht ausreichend ist. In klinischen Studien wurde für verschiedene Allergenpräparate die Wirksamkeit der subkutanen Immuntherapie belegt; die Wirksamkeit der sublingualen Immuntherapie ist insbesondere mit Gräserpollenpräparaten dokumentiert.
 
Abkürzungen
SIT spezifische Immuntherapie
SCIT spezifische subkutane Immuntherapie
SLIT spezifische sublinguale Immuntherapie
TAV Therapieallergenverordnung
Th2 Zellen T Helfer 2 Zellen
Der p 1 Dermatophagoides pteronyssinus
IL-4 Interleukin 4
IL-5 Interleukin 5

Gefordert wird heute der Wirksamkeitsnachweis für jedes einzelne Allergenpräparat. Untersuchungen zum Vergleich der Wirksamkeit unterschiedlicher Allergenpräparate liegen nicht vor. Derzeit obliegt es dem Anwender, klinische Studien zu bewerten und das optimale Präparat auszuwählen. Für Präparate, die nach den aktuellen Bestimmungen der Therapieallergenverordnung (TAV) neu zugelassen wurden, ist die Wirksamkeit durch Studien im Rahmen des Zulassungsprogramms garantiert. Nach den aktuellen Empfehlungen soll die Therapie konsequent über zumindest drei Jahre durchgeführt werden; nach aktuellen Daten brechen aber eher mehr als 50% der Patienten die Behandlung vorher ab. Die Erhöhung der Therapie-Adhärenz ist eine wesentliche Herausforderung im Praxisalltag.

Die Zunahme von Allergien gegen ubiquitäre Aeroallergene in den letzten Jahrzehnten ist dokumentiert. In Deutschland leiden ca. 25% der Bevölkerung unter allergischer Rhinokonjunktivitis und 5% unter allergischem Asthma.

Auch wenn die allergische Rhinokonjunktivitis keine lebensbedrohliche Erkrankung darstellt, schränkt sie die Lebensqualität der Betroffenen erheblich ein, was dem Gesundheitssystem direkte Behandlungskosten und der Gesellschaft indirekte Kosten durch Arbeitsunfähigkeitszeiten und durch eine verminderte Leistungsfähigkeit in Schule und Beruf verursacht (1).

Dennoch werden Allergien in großem Umfang bagatellisiert und oft mehr als Belästigung denn als Erkrankung deklariert (2). Eine Allergie als Ursache für Beschwerden wird oft nicht in Betracht gezogen, andererseits suchen viele Patienten trotz des Wissens um ihre Allergie keinen Arzt auf (1). Laut einer aktuellen Forsa Befragung (3) geben 58% der Allergiker an, ihre Allergie selbst oder durch nicht verschreibungspflichtige Medikamente oder Allergenmeidung zu therapieren. 28% der befragten Allergiker erhielten eine spezifische Immuntherapie (SIT), mit deren Ergebnis 70% zufrieden waren.

Allergische Erkrankungen zeigen im Laufe des Lebens oft eine Verschlechterungstendenz;  auf der einen Seite dehnt sich das Sensibilisierungsspektrum aus (Entstehung von Allergien gegen eine zunehmende Zahl inhalativer Allergene), auf der anderen Seite manifestiert sich die Erkrankung an verschiedenen Organsystemen im Sinne eines Etagenwechsels. Fortgeschrittene Erkrankungen sind schwerer therapierbar und mit höheren Behandlungskosten verbunden. So liegen die jährlichen Gesamtkosten für leichtes Asthma bei ~1.670 € und für schweres Asthma bei ~6.008 € (5). Ein wesentliches Ziel der Allergiebehandlung liegt in der Verhinderung der Krankheitsprogression. Dieses Ziel kann derzeit einzig mit der SIT als krankheitsmodifizierender Behandlung erreicht werden.

Therapie allergischer Erkrankungen des Atemtraktes

Antihistaminika stehen zur Therapie der allergischen Rhinokonjunktivitis zur Verfügung, topische und systemische Kortikosteroide wie auch Leukotrienrezeptorantagonisten können sowohl bei allergischer Rhinitis als auch bei allergischem Asthma eingesetzt werden. Die genannten Medikamente wirken aber nur symptomatisch und sind nicht kurativ.

Bei Vergleich der Wirksamkeit der symptomatischen Therapie mit der SCIT ist Letztere bereits im ersten Jahr nach der Therapieeinleitung überlegen (5). Darüber hinaus gewährleistet die SIT die dauerhafte Beeinflussung der allergischen Erkrankung, durch gezielte Beeinflussung des Immunsystems in Richtung spezifischer, dauerhafter Toleranz gegenüber individuellen Allergenen.

Seit Beginn des SIT vor gut 100 Jahren wurde die spezifische Immuntherapie konsequent weiterentwickelt, sodass heute immer besser charakterisierte und standardisierte Extrakte zur subkutanen und auch sublingualen Anwendung zur Verfügung stehen.

Wirkungsweise der spezifischen Immuntherapie

Bis vor einigen Jahren wurde als wesentliches Wirkmodell  einer SIT die Induktion  „blockierender“ IgG-Antikörper postuliert. Heute wird das Modell einer Regulation der allergenspezifischen Immunantwort durch regulatorische und andere T-Zellen favorisiert. Abhängig von der Allergendosis entwickelt das Immunsystem entweder Toleranz oder Überempfindlichkeit im Sinne einer Sensibilisierung.

 
Abb. 1: Hämatopoese inkl. am Allergiegeschehen beteiligte T-Zellen, Mastzellen, eosinophile Granulozyten
Abb.1: Hämatopoese inkl. am Allergiegeschehen beteiligter T-Zellen, Mastzellen, eosinophiler Granulozyten (©extender_01/ Fotolia.com)



Niedrige Allergenmengen aktivieren Th2-Zellen, die über Interleukin IL-5 Eosinophile stimulieren und über IL-4 und IL-13 die Umwandlung von B-Zellen in IgE-Antikörper-produzierende Plasmazellen induzieren. Unter hohen Allergendosen, z.B. im Rahmen einer SIT, werden allergenspezifische regulatorische T-Zellen induziert, die eine Th1-dominierte Immunantwort auslösen und zur Synthese spezifischer IgG4-Antikörper führen. Nach einer SIT können solche Antikörper als IgE-Bindung-blockierender Faktor über Jahre im Serum von Patienten nachgewiesen werden. Der exakte Wirkmechanismus der SIT ist allerdings noch nicht abschließend aufgeklärt (6,7).

 
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