Freitag, 10. April 2020
Navigation öffnen

SchwerpunktJanuar 2020

15. Januar 2020
Seite 3/4

Anzeige:


Gezielte ernährungstherapeutische Maßnahmen können helfen, einer Gewichtszunahme oder -abnahme entgegenzuwirken. Ernährungstherapeutisches Ziel ist es, das Gewicht zu stabilisieren. Zudem zielt eine Ernährungsintervention auf die aktuellen, ernährungsrelevanten Symptome (wie z.B. Appetitlosigkeit, Durchfall, Kotkonsistenz, Veränderungen bei Kau- und Schluckstörungen) ab und unterstützt die Patienten, die Ernährung an eine veränderte Verdauungsleistung anzupassen. Leidet ein Patient beispielsweise unter einer reduzierten Energie- und Eiweißzufuhr aufgrund von Chemotherapie-induzierten Geschmackseinschränkungen, adressiert die Ernährungstherapie vorrangig auf die Maximierung der Energiedichte, Anpassung von Portionsgrößen und ggf. Steigerung der Mahlzeitenfrequenzen.
 
Ausgewählte Empfehlungen hierzu sind in Tabelle 3 aufgelistet.
 
Tab. 3: Ausgewählte Ernährungsempfehlungen bei Appetitlosigkeit (mod. nach (6)).
Tab. 3: Appetitlosigkeit

 

Eine einmal implementierte, individuelle Ernährungstherapie sollte regelmäßig monitoriert und ggf. adaptiert werden. Eine situative Modifikation der Ernährung ist häufig indiziert. So leiden beispielsweise viele Krebspatienten unter Obstipation. Medizinische oder diätetische Lehrbücher empfehlen in diesem Fall eine ballaststoffreiche Ernährung. In Zusammenhang mit einer erhöhten Flüssigkeitszufuhr hat sich diese Intervention bei gesunden Menschen bewährt. Allerdings wird Verstopfung bei Krebspatienten häufig durch die Einnahme von Schmerzmitteln oder die Abnahme der Flüssigkeits- und Nahrungsmenge sowie des Aktivitätsniveaus verursacht. Dagegen können ballaststoffreiche Nahrungsmittel wenig helfen, weil Ballaststoffe das Stuhlvolumen erhöhen und nicht die Darmtätigkeit anregen. Zudem können ballaststoffreiche Nahrungsmittel das Sättigungsgefühl verstärken und sind nicht immer leicht verdaulich. Ballaststoffreiche Nahrungsmittel wie Leinsamen können sogar mit oral eingenommen Medikamenten wechselwirken und deren Resorption reduzieren (15).
 
Eine effektive Ernährungstherapie setzt immer an der Ursache, gelegentlich aber auch am Symptom des Ernährungsproblems an. Wird z.B. ein onkologischer Patient in der Ernährungsberatung vorstellig, der überzeugt davon ist, dass ausschließlich eine bestimmte „Krebsdiät“ seine Erkrankung heilen kann, zielt die ernährungstherapeutische Beratung zunächst darauf ab, die Ursache des Ernährungsproblems zu lösen. Bei dem hier geschilderten Patienten wäre die Ursache des Ernährungsproblems die problematische Überzeugung „nur die Krebsdiät kann mir helfen“, die in einer Mangelernährung resultieren könnte. Anders verhält es sich jedoch, wenn ein Patient aufgrund der Nebenwirkungen der Anti-Tumortherapie unter Anorexie aufgrund von Geschmacksveränderung leidet und der Patient bereits signifikant an Gewicht verloren hat. In diesem Fall setzt die ernährungstherapeutische Beratung nicht an der Ursache (Nebenwirkungen der Anti-Tumortherapie) an, sondern am Symptom, den Geschmacksveränderungen, um die orale Nahrungsaufnahme wieder zu erhöhen. In diesem Fall würde die Beratung darauf abzielen, diätetische Maßnahmen zu besprechen, die helfen, Lebensmittel oder Mahlzeitenkomponenten geschmacklich anzupassen oder ggf. gleichwertige andere Lebensmittel bzw. Mahlzeitenkomponenten zu identifizieren, die vom Patienten besser vertragen werden und dazu beitragen, die adäquate Energie- und Proteinzufuhr sicherzustellen.
 
In der ernährungstherapeutischen Praxis hat sich die Vorgehensweise nach dem German-Nutrition Care Process (G-NCP) etabliert, der mittlerweile auch als Qualitätssicherungsinstrument in verschiedenen Empfehlungen eingeflossen ist und zudem die Grundlage des qualitätsgesicherten Arbeitens in dem 2018 etablierten Heilmittel „Ernährungstherapie“ darstellt. Der G-NCP ist ein 5-stufiges Prozessmodell, das die Komplexität der individuellen Ernährungstherapie widerspiegelt und das Ziel verfolgt, eine qualitätsgesicherte und transparente Vorgehensweise in der Ernährungstherapie zu gewährleisten (Abb. 2) (16).
 
 
Abb. 2: Modell des German-Nutrition Care Process (G-NCP) (mod. nach VDD 2015).
Abb. 2: Modell des German-Nutrition Care Process

 
 

Das könnte Sie auch interessieren

Vorsorgekoloskopie gehört zu den effektivsten Maßnahmen in der Medizin

Vorsorgekoloskopie gehört zu den effektivsten Maßnahmen in der Medizin
© Crystal light - stock.adobe.com

Anlässlich des Darmkrebsmonats März ruft die Deutsche Gesellschaft für Gastroenterologie, Verdauungs- und Stoffwechselkrankheiten (DGVS) dazu auf, die Vorsorgekoloskopie besser zu nutzen. Das von den gesetzlichen Krankenkassen bezahlte Angebot gehört zu den effektivsten Früherkennungsmaßnahmen, die in der Medizin zu Verfügung stehen: In den ersten 10 Jahren nach Einführung der gesetzliche Darmkrebsfrüherkennung sank die Darmkrebssterblichkeit bei Männern ab 55 Jahren um fast 21 %, bei Frauen dieser Altersgruppe sogar um mehr als 26 %....

Rolle der Selbstmotivation bei schweren Lungenerkrankungen wie Asthma und COPD

Rolle der Selbstmotivation bei schweren Lungenerkrankungen wie Asthma und COPD
© Sebastian Kaulitzki / Fotolia.com

Neben den oft schweren körperlichen Einschränkungen leiden Patienten mit einer chronischen Lungenerkrankung häufig auch an starken seelischen und psychischen Belastungen. Die Angst vor Atemnot, vor dem Fortschreiten der Krankheit oder vor sozialer Ausgrenzung kann auf Dauer Mutlosigkeit und Depressionen nach sich ziehen. Ein Teil der Therapie kann daher auch die Behandlung psychischer Belastungen sein sowie das Erlernen von Ansätzen, sich in schwierigen Zeiten selbst zu motivieren.

Verlässliche Informationen zum Coronavirus auf Patienten-Information.de

Verlässliche Informationen zum Coronavirus auf Patienten-Information.de
© ra2 studio / Fotolia.com

Im Internet gibt es eine Hülle und Fülle von Informationen zum neuartigen Coronavirus und zur Erkrankung Covid-19. Doch nicht alle sind ausgewogen und qualitätsgesichert. Darüber hinaus grassieren viele Falschmeldungen. Daher möchte das Ärztliche Zentrum für Qualität in der Medizin (ÄZQ) Bürgerinnen und Bürger unterstützen, verlässliche und verständliche Informationen zum aktuellen Thema zu finden. 

Jeder vierte Patient erhält die Diagnose bereits als Kind

Jeder vierte Patient erhält die Diagnose bereits als Kind
© magicmine / Fotolia.com

„In Deutschland sind etwa 400.000 Menschen von den chronisch entzündlichen Darmerkrankungen (CED) Morbus Crohn und Colitis ulcerosa betroffen“, sagt der CED-Experte der niedergelassenen Magen-Darm-Ärzte, PD Dr. Bernd Bokemeyer. „Die Diagnose wird bei etwa einem Viertel der Patienten schon vor dem 18. Lebensjahr gestellt. Ein Viertel dieser erkrankten Jugendlichen hat seine Diagnose sogar schon vor dem zehnten Lebensjahr erhalten.“  

Sie können folgenden Inhalt einem Kollegen empfehlen:

"Ernährungsberatung in der Onkologie"

Bitte tragen Sie auch die Absenderdaten vollständig ein, damit Sie der Empfänger erkennen kann.

Die mit (*) gekennzeichneten Angaben müssen eingetragen werden!

Die Verwendung Ihrer Daten für den Newsletter können Sie jederzeit mit Wirkung für die Zukunft gegenüber der rsmedia GmbH widersprechen ohne dass Kosten entstehen. Nutzen Sie hierfür etwaige Abmeldelinks im Newsletter oder schreiben Sie eine E-Mail an: info[at]rsmedia-verlag.de.


EILMELDUNGEN zu SARS-CoV-2 und COVID-19
  • Boris Johnson hat Intensivstation verlassen – Der britische Premierminister benötigt keine intensivmedizinische Behandlung mehr. Aus der Dowing Street hieß es, er sei „außerordentlich guten Mutes“ (dpa, 10.04.2020).
  • Boris Johnson hat Intensivstation verlassen – Der britische Premierminister benötigt keine intensivmedizinische Behandlung mehr. Aus der Dowing Street hieß es, er sei „außerordentlich guten Mutes“ (dpa, 10.04.2020).

Cookies

Diese Webseite benutzt Cookies, um den Nutzern das beste Webseiten-Erlebnis zu ermöglichen. Ausserdem werden teilweise auch Cookies von Diensten Dritter gesetzt. Weitere Informationen erhalten Sie in den Allgemeine Geschäftsbedingungen und in den Datenschutzrichtlinien.

Verstanden