Donnerstag, 30. Juni 2022
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Hämatologie

Hämatologie
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Was ist Hämatologie? Die Hämatologie (altgriech. haima=Blut, logos=Lehre) ist die Lehre der Blutkrankheiten und des blutbildenden Systems. Hämatologie (als Facharztdisziplin oft gepaart mit Onkologie) ist als Teilgebiet der Inneren Medizin ein interdisziplinäres Gebiet: Einerseits gibt es benigne (gutartige) Bluterkrankungen, die vom Hausarzt/Allgemeinmediziner behandelt werden können (z.B. Eisenmangelanämie, Blutgerinnungsstörungen). Andererseits gehört die Therapie maligner Bluterkrankungen (z.B. Leukämien) in die Hände eines auf die Behandlung spezialisierten Hämatologen/Onkologen.
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Inhaltsverzeichnis

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Welche Funktionen erfüllt Blut im menschlichen Körper?

Das Blut übernimmt im menschlichen Körper folgende wichtige Aufgaben:
 
  • Gasaustausch: Versorgung des gesamten Körpergewebes mit Sauerstoff, Abtransport von CO2
  • Transport: Abbauprodukte des Zellstoffwechsels, Nährstoffe, Hormone durch peripheres Blut
  • Immunabwehr (durch weiße Blutzellen und Antikörper)
  • Wärmeregulation
  • Wundverschluss

Wie sieht der Aufbau des Blutes aus?

Das menschlische Blut setzt sich aus festen und flüssigen Bestandteilen zusammen. Die Gesamtblutmenge, das sogenannte Blutvolumen, beträgt bei einem Erwachsenen ca. 5 bis 6 Liter und besteht zu 40-50% aus zellulären, festen Bestandteilen. Zu den zellulären Bestandteilen werden die 3 Zelltypen Erythrozyten (rote Blutkörperchen), Leukozyten (weiße Blutkörperchen) und Thrombozyten (Blutplättchen) gezählt. Die restlichen 50-60% des Blutvolumens bestehen aus dem flüssigen Bestandteil Blutplasma. Es enthält lebenswichtige Proteine, Zucker, Fette, Mineralsalze, Vitamine und Hormone, besteht jedoch zu 92% aus Wasser. Dieses gleichbleibende Mengenverhältnis von flüssigen und festen Bestandteilen ist sehr wichtig. Überwiegen zelluläre Bestandteile (z.B. beim unbehandelten Multiplen Myelom), wird das Blut dickflüssig, fließt dadurch langsamer und kann vor allem kleinere Blutgefäße verstopfen, was man als Thrombose bezeichnet. Je nachdem, welches Gefäß betroffen ist, werden so Herzinfarkte, Schlaganfälle oder Infarkte anderer Organe ausgelöst.

Was sind Erythrozyten (rote Blutkörperchen)?

Erythrozyten machen etwa 45% des Vollbluts aus und sind besonders geformte („konvex-konkav“) Zellen. Sie werden bei Erwachsenen im Knochenmark (bei Kindern zusätzlich in den Röhrenknochen) gebildet und nach ca. 120 Tagen durch das Milzgewebe wieder aus dem Blut herausgefiltert und abgebaut. Erythrozyten transportieren den Sauerstoff von der Lunge zum Körpergewebe und Kohlendioxid wieder zurück in die Lunge. Wenn ein Erythrozyt seine typische konvex-konkave Form verliert (z.B. als Sichelzelle bei Sichelzellanämie), kann er die Funktion des Sauerstofftransports nicht mehr ausführen.

Was sind Leukozyten (weiße Blutkörperchen)?

Die Leukozyten werden ebenfalls im Knochenmark gebildet. Zusammen mit den Blutplättchen machen sie weniger als 1% des Vollbluts aus. Hier gibt es mehrere Unterarten. So helfen beispielsweise T-Lymphozyten bei der Bekämpfung von Infektionen. B-Lymphozyten sind für die Produktion von Antikörpern zuständig. Neutrophile Granulozyten, Monozyten, Makrophagen und Dendritische Zellen sind Fresszellen, die in den Körper eingedrungene Viren, Bakterien oder Gifte umschließen und unschädlich machen (Phagozytose, phagein=fressen).

Was sind Monozyten?

Bei Monozyten handelt es sich um große Fresszellen, die den Erreger nach der Aufnahme mit eigenen Enzymen auflösen und dann Zellen zur Abwehr aktivieren. Der Normalwert bei erwachsenen Menschen beträgt hier 285 bis 500/µL. Zu niedrige Werte können durch Knochenmarkschäden oder Immunerkrankungen ausgelöst werden, während zu hohe Werte auf chronische Entzündungen, akute Infektionen oder Blutkrebs hindeuten können.
 
 

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Was sind Granulozyten?

Granulozyten können neutrophil, eosinophil und basophil sein. Die Bezeichnungen ergeben sich aus ihren Färbeeigenschaften: Basophile sind nach Färbung mit basischem Farbstoff dunkelviolett gefärbt, Eosinophile rötlich und Neutrophile hellviolett.

Was sind neutrophile Granulozyten (NEU, Neutro)?

Neutrophile Granulozyten sind sog. „Fresszellen“, die Erreger und Zelltrümmer in sich aufnehmen. Der Normalwert für Erwachsene liegt bei 3.000/µL für Frauen und 5.800/µL für Männern. Ist der Wert zu niedrig, kann das unter anderem auf einen Immundefekt, eine Virusinfektion oder einen Vitamin-B12-Mangel hinweisen. Zu hohe Werte können hingegen beispielsweise ein Indikator für eine Pilzingektion, einen bakteriellen Infekt, Entzündungen, Stress oder eine Vergiftung sein.

Was sind eosinophile Granulozyten (EOS, Eosino)?

Auch bei den eosinophilen Granulozyten handelt es sich um Fresszellen, die aber außerdem Histamin inaktivieren und Antigen-Antikörper-Komplexe aufnehmen und vor allem Parasiten wie z.B. Würmer bekämpfen. Der Normalwert liegt bei Erwachsenen zwischen 50 und 250/µL. Zu niedrige Werte können z.B. auf Knochenmarkschäden oder das Cushing-Syndrom hindeuten, während es sich bei zu hohen Werten unter anderem um Allergien, Parasiten oder akute Infektionen handeln kann.

Was sind basophile Granulozyten (BAS, Baso)?

Die basophilen Granulozyten sind unter anderem für die allergische Sofortreaktion des Körpers verantwortlich. Im Blut eines Erwachsenen darf der Anteil der basophilen Granulozyten bezogen auf die Gesamtleukpzytenzahl höchstens 1,2% betragen. Zu hohe Werte können durch Allergien, Parasitenbefall, Diabetes, jedoch auch durch chronische myeloische Leukämie/ Basophilenleukämie oder Polyzythämia vera verursacht werden.

Was sind Thrombozyten (Blutplättchen)?

Auch Thrombozyten werden im Knochenmark gebildet. Sie sind kleine, farblose Fragmente, die im ersten Schritt der sogenannten Gerinnungskaskade zusammenkleben und mit Gerinnungsproteinen zusammenwirken, um Blutungen zu stoppen oder zu verhindern.

Was versteht man unter Hämato-Onkologie?

Die Hämato-Onkologie beschäftigt sich mit der Erforschung, Diagnose und Behandlung von Krebserkrankungen des Knochenmarks, des lymphatischen Systems und des Blutes. Sie beinhaltet die Therapie maligner Neubildungen (Neoplasien) des Blutes oder lymphatischen Systems.

Dazu gehören beispielsweise:

•    Akute und chronische Leukämien
•    Myeloproliferative Neoplasien
•    Myelodysplastische Syndrome
•    Lymphome (Hodgkin-Lymphom, Non-Hodgkin-Lymphome)
•    Multiples Myelom

Welche Verfahren werden für die hämatologische Diagnostik verwendet?

In der Hämatologie werden verschiedene Verfahren zur Diagnose von Bluterkrankungen angewandt. Neben einer allgemeinen körperlichen Untersuchung und der Anamnese werden im ersten Schritt ein kleines Blutbild und ein Differentialblutbild erstellt, aus denen sich weiterführende Untersuchungen (z.B. Molekulare Untersuchung auf Genmutationen, Knochenmarksstanze, Elektrophorese etc.) ergeben können.

Das kleine und das große Blutbild

Im kleinen Blutbild wird die Anzahl und die Gestalt der verschiedenen Blutzellen und die Konzentration des Hämoglobins gemessen. Hämoglobin ist ein Protein der roten Blutkörperchen. Es verleiht Blut seine rote Farbe und ist für den Transport von Sauerstoff und den Abtransport von Kohlenstoffdioxid zuständig.

Welche Werte beinhaltet das kleine Blutbild?

Zelltyp Normwerte Männer Normwerte Frauen Einheit
rote Blutkörperchen
(Erythrozyten)
4,8–5,9 Mio./µL 4,3–5,2 Mio./µL Mio/µL
(Millionen pro Mikroliter)
weiße Blutkörperchen
(Leukozyten)
4.000–10.000/µL 4.000–10.000/µL Tsd./µL (Tausend pro Mirkoliter)
Blutplättchen
(Thrombozyten)
150.000–400.000/µL 150.000–400.000/µL Tsd./µL (Tausend pro Mirkoliter)
Hämoglobin
roter Blutfarbstoff
14–18 g/dl 12–16 g/dl g/dl (Gramm pro Deziliter)
Hämatokrit
(Anteil roter Blutkörperchen
am Blutvolumen)

40–54%

37–47%

% (Prozent)
MCH, HbE
(Konzentration des Hämaglobins
pro Erythrozyt)

28–34 pg

28–34 pg

pg/dl (Pikrogramm pro Deziliter)
MCHC
(Konzentration des Hämaglobins
auf gesamte Menge der Erythrozyten)

30–36 g/dl

30–36 g/dl

g/dl (Gramm pro Deziliter)
MCV
(Mittleres Volumen der roten Blutkörperchen)
78–94 fl 78–94 fl fl (Femotoliter)
 
 
 

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Welche Werte behinhaltet das große Blutbild / Differentailblutbild?

Das große Blutbild beinhaltet neben den Werten des kleinen Blutbildes die Zelltypen der Leukozyten.
 
Zelltyp Normwerte bei Erwachsenen (in Prozent (%))
Stabkernige Granulozyten 3–5%
Segmentkernige Granulozyten 50–70%
Basophile Granulozyten 0–1%
Eosinophile Granulozyten 1–4%
Monozyten 3–7%
Lymphozyten 25–45%
 

Wie funktioniert eine Knochenmarkbiopsie / Knochenmarkstanze?

Mithilfe einer Stanznadel wird eine Probe eines intakten Knochmarkstücks entnummen. Im Labor wird diese Probe im Anschluss untersucht, um Aufschluss über mögliche Erkrankungen des blutbildenden Systems zu geben. Dieses Verfahren wird beispielsweise bei der Diagnose von Blutkrebs oder Knochenmarkkarzinosen durchgeführt.

Was sind hämatologische Erkrankungen?

Was sind allgemeine Bluterkrankungen?

Je nachdem, welches Bestandteil im Blut fehlt, können verschiedene Krankheitsbilder oder Blutauffälligkeiten auftreten. Charakteristisch für Blutkrankheiten ist, dass die Symptome eher unspezifisch sind. Anämien äußern sich beispielsweise als Müdigkeit, eine Störung der Leukozyten durch vermehrtes Auftreten von Infekten oder Nachtschweiß, Störungen der Thrombozyten z.B. durch Nasenbluten, blauen Flecken oder stecknadelkopfgroße Einblutungen (sogenannte Petechien). Aber auch eine Vergrößerung von Leben und Milz (sogenannte Hepatosplenpmegalie) kann als Folge einer gestörten Blutbildung auftreten.

Zu den allgemeinen Bluterkrankungen / Blutauffälligkeiten gehören:
 
  • Anämie (Verringerung von Eythrozyten oder Erythrozytbestandteilen, z.B. Hämoglobin)
  • Leukozytopenie (= Anzahl der Leukotyten ist vermindert)
  • Thrombozytopenie (= Anzahl der Thrombozyten ist verringert)
  • Aplastische Anämie (Die Bildung von Erythrozyten im Knochenmark ist annährend zum Stillstand gekommen)
  • Agranulozytose (Die Menge der Granulozyten im Blut ist verringert)
  • Panzytopenie: Alle 3 Zellreihen (Erythrozyten, Leukozyten, Thrombozyten) im Knochenmark sind vermindert.
Sind einzelne Bestandteile des Blutes erhöht, spricht man von
 
  • Erythrozytose,
  • Leukozytose,
  • Thrombozytose

Mangel an Blutzellen

Anämie (Blutarmut)
Darunter versteht man einen Mangel an Hämoglobin oder Erythrozyten. Häufig führt eine Anämie zu Schwäche, Blässe, Konzentrationsschwierigkeiten und einer höheren Anfälligkeit für Infektionen. Durch ihre Menstruation sind Frauen deutlich häufiger betroffen als Männer. Es gibt jedoch viele mögliche Ursachen für die Entstehung einer Anämie.
Aplastische Anämie
Bei der aplastischen Anämie sind die Vorläuferzellen des Knochenmarks beschädigt, die sich später zu reifen Blutkörperchen entwickeln. Folge kann eine zu geringe Anzahl an roten oder weißen Blutkörperchen sein.
 
 

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Leukozytopenie
Hierbei handelt es sich um einen Mangel an Leukozyten. Die Leukozytopenie wird umgangssprachlich auch als Leukopenie bezeichnet. Häufig äußert sich die Leukozytopenie durch Entzündungen in betroffenen Körperregionen.
Thrombozytopenie
Hierbei handelt es sich um eine Verringerung der Anzahl der Blutplättchen. Häufig kommt es zu Hämatomen (Blutergüssen).

Erhöhte Anzahl an Blutzellen

Erythrozytose
Die Erythrozytose wird auch Polyglobulie oder Polyzythämie genannt. Sie bezeichnet eine Erhöhung der Anzahl der Erythrozyten. Symptome dieser Erkrankung können Schwäche, Müdigkeit, Kopfschmerzen, Kurzatmigkeit und Benommenheit sein.
Leukozytose
Bei der Leukozytose sind die Leukozyte erhöht. Das kann verschiedene Ursachen haben. Meist wird sie durch eine Infektion oder Vorerkrankungen wie beispielsweise Rheuma hervorgerufen. In der Regel verursacht diese Erkrankung keine Symptome.
Essenzielle Thrombozythämie
Bei der Thrombozythämie handelt es sich um eine sog. myeloproliferative Neoplasie. Es befinden sich dauerhaft zu viele Blutplättchen im Blut, was zu ungewöhnlichen Blutungen (z.B. hämorrhagischer Diathese) oder einer ungewöhnlichen Blutgerinnung führen kann. Häufig rötet sich die Haut an Händen und Füßen, kribbelt oder brennt. Die Fingerspitzen der Patientinnen und Patienten sind häufig kalt.

Genetisch bedingte Bluterkrankungen

Sichelzellanämie
Die Sichelzellanämie ist eine erblich bedingte Erkrankung des Sauerstoff-transportierenden Proteins Hämoglobin. Das Hämoglobin verändert seine Form, wird sichelförmig und weniger biegsam. Dieses veränderte Protein wird als Hämoglobin S bezeichnet. Das bedeutet nicht, dass sich alle Erythrozyten verformen. Jedoch steigt die Anzahl der verformten roten Blutkörperchen durch Umweltfaktoren wie beispielsweise eine Infektion. Als Folge der Erkrankung tritt eine chronische Anämie der Erythrozyten auf. Die Symptome der Erkrankung ähneln also der der Anämie. Hinzukommen kann bei einigen Patientinnen und Patienten außerdem eine Gelbsucht (Ikterus). Manche Betroffene leiden an schweren Symptomen, bei anderen treten hingegen keine auf.
Thalassämie
Thalassämien sind erbliche Bluterkrankungen, die das Hämoglobin, das Molekül, das Sauerstoff transportiert, betreffen. Es besteht ein Ungleichgewicht in der Bildung der 4 Aminosäureketten, die das Hämoglobin bilden. Es gibt verschiedene Arten von Thalassämie. Bei leichten Formen ist meist keine Behandlung notwendig, während schwere Formen in manchen Fällen mit einer Knochenmarktransplantation behandelt werden müssen. Auch das auftreten von Symptomen ist von Betroffenem zu Betroffenem unterschiedlich und hängt mit Art und Schwere der Thalassämie zusammen.
von-Willebrand-Syndrom
Hierbei handelt es sich um eine erblich bedingte Erkranung, die durch einen Mangel des Bluteiweißes „von-Willebrand-Faktor“, das die Funktion der Blutplättchen beeinflusst. Wenn der Von-Willebrand-Faktor fehlt, können sich die Blutplättchen nicht an einer Wunde sammeln, um diese zu verschließen. Dadurch kann eine Blutung nicht eigenständig gestillt werden.
 
 

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Weitere hämatologische Erkrankungen

Myelofibrose
Die Myelofibrose ist eine chronische Erkrankung, die sich durch faseriges Material im Knochenmark, Anämie und eine vergrößerte Milz äußert. Sie wird auch als agnogene myeloische Metaplasie bezeichnet. Grund für die Erkrankung ist die Überwucherung von blutbildenden Zellen durch Bindegewebe im Knochenmark. Dadurch entstehen anormal geformte Erythrozyten.
Blutgerinnungsstörung (Koagulationsstörung)
Die Blutgerinnungsstörung entsteht durch eine Störung der Fähigkeit, die Bildung von Blutplättchen zu regulieren. Die Folge kann entweder eine zu starke Blutgerinnung sein, was zu einer Thrombose führen kann oder eine zu geringe Blutgerinnung, wodurch ungewöhnliche Blutungen entstehen können.

Mögliche Therapie

Liegt einer Blutbildungsstörung ein Nährstoffmangel zu Grunde, kann dieser häufig durch eine Ernährungsumstellung behoben werden. Oftmals sind Supplemente einzunehmen wie beispielsweise Eisen-Tabletten. Je nachdem, um welche Erkrankung es sich handelt, können auch Bluttransfusionen notwendig sein

Leukämien

Was ist eine Leukämie?

Bei einer Leukämie handelt sich um eine maligne Erkrankung des Knochenmarks. Bei dieser Erkrankung entstehen zu viele weiße Blutkörperchen im Knochenmark. Meist sind diese Leukozyten nicht funktionsfähig, unreif und verdrängen die gesunden weißen und roten Blutkörperchen. Daher leitet sich der Begriff Leukämie („weißes Blut“) ab.

Es gibt verschiedene Arten von Leukämie, die 4 häufigsten Formen sind:
 
Akute Leukämien
Die akuten Leukämien sind bösartige Erkrankungen des blutbildenden Systems. Während bei der AML das System betroffen ist, das für die Bildung von Monozyten, Granulozyten, Megakaryozyten und Erythrozyten zuständig ist, handelt es sich bei der ALL um eine Störung bei den Vorläuferzellen der Lymphozyten, den Lympohblasten. Eine ALL tritt häufiger bei Kindern als bei Erwachsenen auf.
Chronische Leukämien
Die Bezeichnung der chronischen Leukämien ist abhänig von den betroffenen Blutzelltypen. Werden weiße Blutkörperchen, in diesem Fall neutrophile Granulozyten, fehlerhaft und in krankhafter Menge produziert, spricht man von einer chronischen myeloischen Leukämie (CML). Bei der chronischen lymphatischen Leukämie (CLL) sind dagegen fehlerhafte Lymphozyten die Ursache.

Die chronischen Leukämien sind im Gegensatz zu den akuten meist gut behandelbar oder können lange Zeit ohne eine Therapie beobachtet werden („Warch and wait“).

Was sind maligne Lymphome?

Maligne Lymphome bezeichnen bösartige Neubildungen (Neoplasien), die von lymphatischen Zellen (z.B. Stammzellen im Knochenmark, Lymphknoten, Milz, Tonsillen) ausgehen.

Was ist das Hodgkin-Lymphom (Morbus Hodgkin)?

Das Hodgkin-Lymphom geht in der Regel von den B-Lymphozyten aus. Das Hodgkin-Lymphom betrifft in Deutschland 3 von 100.000 Einwohnern und stellt die häufigste hämatologische Erkrankung bei jungen Erwachsenen dar. Ein Grund dafür ist die hohe Durchseuchung der Bevölkerung mit dem Epstein-Barr-Virus, das bei jungen Menschen für die „Studentenkusskrankheit“ (Synonyme sind Infektiöse Mononukleose und Morbus Pfeiffer) verantwortlich ist, aber auch an der Entstehung eines Hodgkin-Lympgoms beteiligt sein kann. Im Blut treten bei Morbus Hodgkin die typischen Reed-Sternberg-Riesenzellen auf. Ein Hodgkin-Lymphom ist sehr gut behandel- und in den meisten Fällen auch heilbar.

Was ist das Non-Hodgkin-Lymphom (NHL)?

Bei allen Neoplasien, die von den B- oder T-Lymphozyten ausgehen und nicht die Merkmale eines Hodgkin-Lymphoms tragen (also keine Reed-Sternberg-Riesenzellen), handelt es sich um Non-Hodgkin-Lymphome. Hier gibt es sehr viele Unterarten. Die häufigsten NHL sind das diffuse großzellige B-Zell-Lymphom (DLBCL) sowie das follikuläre Lymphom. An einem Non-Hodgkin-Lymphom erkranken in Deutschland jedes Jahr 10-12 Menschen pro 100.000 Einwohner:innen. Anders als das Hodgkin-Lymphom tritt diese Erkrankung meist erst im höheren Lebensalter auf.
 
 

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Was sind T-Zell-Lymphome?

T-Zell-Lymphome gehören zu den seltenen hämato-onkologischen Erkrankungen. Hierbei finden sich bösartig veränderte T-Zellen in den Lymphknoten, in der Leber, Milz, im Knochenmark und seltener auch in anderen Organen. Sie gehören zu der Gruppe der Non-Hodgkin-Lymphome.

Was sind B-Zell-Lymphome?

Was ist das diffuse großzellige B-Zell-Lymphom?
Hierbei handelt es sich um die häufigste Neoplasie des lymphatischen Systems. Das diffuse großzellige B-Zell-Lymphom geht von reifen B-Zellen aus.
Was ist das multiple Myelom (Plasmozytom)?
Auch das Multiple Myelom (MM) gehört zu den B-Zell-Lymphomen. Es ist durch die Vermehrung von Plasmazellen im Knochenmark definiert. Infolge der erhöhten Produktion von maligne veränderten Plasmazellen steigt mit der Anwesenheit von Antikörpern der zelluläre Anteil im Blut- Diese bestehen aus Immunglobulinen. Beim multiplen Myelom sind die Immunglobuline jedoch nicht funktionstüchtig (Paraproteine).

Was sind myeloproliferative Neoplasien (MPN)?

Unter dem Begriff myeloproliferative Neoplasien wird eine Gruppe verschiedener chronischer Erkrankungen der blutbildenden Zellen im Knochenmark zusammengefasst. Bei jeder dieser Erkrankungen wird eine bestimmte Blutzelle im Übermaß gebildet. Sowohl die roten und weißen Blutkörperchen als auch die Blutplättchen oder mehrere Blutzelltypen können hierbei betroffen sein. Die produzierten Blutzellen sind zwar funktionsfähig, doch die übermäßige Produktion zieht Folgen nach sich wie beispielsweise Blutgerinnsel, eine erhöhte Blutungsneigung oder Gefäßverschlüsse. Zu den häufigsten MPN gehören die primäre Myelofibrose (PMF), die Polyzythämia vera (PV) und die essentielle Thrombozythämie (ET). Auch die chronische myeloische Leukämie (CML) gehört zu den MPN, im Unterschied zu den anderen MPN-Formen weist sie das sogenannte Philadelphia-Chromosom auf.

Was sind myelodysplastische Syndrome (MDS)?

MDS treten durch Mutationen in den Blutstammzellen auf. Im Gegensatz zu den MPN werden den Myelodysplastischen Syndromen zu wenige reife, funktionsfähige Blutzellen gebildet, stattdessen gibt es sehr viele unreife Zellen (Blasten). Bei 50% der MDS-Patient:innen finden sich erworbene chromosomale Veränderungen, bei ca. 80-90% liegen Genmutationen vor. Bei einigen MDS-Patient:innen geht die Krankheit in eine sekundäre akute myeloische Leukämie über.

Red. Journal Onkologie

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