Samstag, 17. November 2018
Navigation öffnen

Patientenbereich

06. März 2017 Warum über 20 Millionen Deutsche gesundheitlich benachteiligt werden

„Versteh‘ ich nicht!“

Gesundheit ist an sich kein wirklich schwieriges Thema. Solange man die Punkte Ernährung und Bewegung beachtet, sowie die gesetzlichen Leistungen zur Prävention von Krankheiten – wie Impfungen und Zahnvorsorge – in Anspruch nimmt, ist schon viel gewonnen.
Und trotzdem: Nicht jeder nutzt diese Chancen.

Die Gesundheits-Typologie spricht hier neben den Gesundheitsbewussten von zwei weiteren Gruppen – den Unentschlossenen und den Desinteressierten bzw. Verweigerern.

Kaum verwunderlich, dass sich in den beiden letzten Gruppen überproportional viele Menschen befinden, mit denen es das Leben nicht so besonders gut gemeint hat. Sozioökonomisch betrachtet! Sie haben deshalb unter anderem einen problematischeren Lebensstil, der sich wiederum negativ auf ihren Gesundheitsstatus auswirkt.

Eigentlich also, wären es genau diese Menschen, die Präventionsleistungen am nötigsten hätten. Genau sie wären es, die priorisiert über das „Warum?“ und das „Wie?“ von Präventionsmaßnahmen aufgeklärt werden müssten – sprich, sie müssten eigentlich mehr tun, um gesund zu bleiben.

Aber: Diese Aufklärung erfolgt nur selten über ein persönliches Gespräch mit einem Arzt.

Und selbst wenn, liegt hier schon das erste Problem: Mehr als die Hälfte der Deutschen hat Schwierigkeiten im Umgang mit Gesundheitsinformationen – so schreibt es die frisch erschienene Broschüre „Gesundheitskompetenz“ des Bundministeriums für Justiz und Verbraucherschutz. 54,3% der deutschen Bevölkerung fällt es schwer, mit Gesundheitsinformationen umzugehen. Sie sind überfordert, wenn es darum geht Informationen einzuordnen und Handlungen für sich abzuleiten.

Ein ausführliches Arztgespräch, das die jeweilige Health Literacy berücksichtigt und Feedbackmechanismen implementiert, wäre hier sehr zielführend. Aber halt! Die „Verweigerer“ gehen ja nicht zum Arzt. Sie sind – wenn überhaupt – über Werbung, persönliche Ansprachen und redaktionelle Beiträge erreichbar.

Und hier kommen wir zum Hauptproblem.

Denn 7,5 Millionen Menschen in Deutschland zwischen 18-64 Jahren, sind funktionale Analphabeten, wie die leo.-level one Studie der Universität Hamburg gezeigt hat. Ihnen misslingt auch das Lesen und Verstehen schriftlicher Arbeitsanweisungen.

Weitere 13,3 Millionen Menschen in dieser Altersgruppe können nur sehr langsam lesen und schreiben und ihre Schriftsprache ist auch bei gebräuchlichem Wortschatz fehlerhaft.
Dies sind in Summe also rund 40% der Erwachsenen, die teils massive Kompetenzprobleme im Lesen und Schreiben haben.

Eine entsetzlich hohe Zahl!

Und trotzdem: Auch diese Menschen werden mit Infoflyern, Gesundheitsbroschüren und Empfehlungen ihrer Krankenkasse „bombardiert“. Vielleicht sogar auch noch im Rahmen eines organisierten Einladungsverfahrens zum Screening auf Brust- oder Darmkrebs.

Ihre persönliche Lage, ihre Kompetenz mit diesen Dingen umzugehen, wird nicht berücksichtigt.

Dieses „Gießkannenprinzip“ führt dann dazu, dass gerade diejenigen, die am meisten zur Erhaltung ihrer Gesundheit motiviert werden müssten, diejenigen sind, die am wenigsten von Präventionsprogrammen profitieren.

Absurd! 
Und ungerecht.

Carsten Frederik Buchert, Director Marketing & Communications, Felix Burda Stiftung

Felix Burda Stiftung

Literatur:

Broschüre „Gesundheitskompetenz“:
http://www.bmjv.de/SharedDocs/Downloads/DE/Artikel/01252017_Broschuere_Gesundheitskompetenz.pdf;jsessionid=2F380AB46C13319D071BAA3BD120C730.1_cid297?__blob=publicationFile&v=1

leo.-level one Studie: http://blogs.epb.uni-hamburg.de/leo/

Robert Koch Institut „Welche Faktoren beeinflussen Gesundheit?“ http://www.rki.de/DE/Content/Gesundheitsmonitoring/Gesundheitsberichterstattung/GBEDownloadsGiD/2015/03_gesundheit_in_deutschland.pdf?__blob=publicationFile


Weitere Beiträge zum Thema

Es ist mehr als nur eine Ausrede: Migräne am Arbeitsplatz

Mit starken Kopfschmerzen, Übelkeit, Licht- und Geräuschempfindlichkeit zur Arbeit? Für viele Migränepatienten ist das Alltag. Ein Großteil der 900.000 an Migräne leidenden Deutschen schleppt sich trotz starker Schmerzen zur Arbeit – aus Angst einen schlechten Eindruck bei Arbeitskollegen und Vorgesetzten zu hinterlassen. Denn wer über Kopfschmerzen klagt, trifft immer noch auf Vorurteile. Nicht selten wird Migräne belächelt und als Ausrede abgetan. Zum Tag der Arbeit berichten Migränepatienten und Nutzer der Kopfschmerz- und Migräne-App M-sense von ihrem Arbeitsalltag und verraten, wie sie sich von Vorurteilen abgrenzen und Akzeptanz bei Chefs und Kollegen erreichen.

Wenn die Eltern trinken: Über 2,6 Millionen Kinder wachsen mit alkoholabhängigem Elternteil auf

Kinder von alkoholkranken Eltern haben keinen normalen Alltag und ihre Sorgen beschränken sich nicht mehr auf Schule oder Freizeit-Aktivitäten. Oftmals müssen sie sich viel zu früh Aufgaben und Sorgen eines Erwachsenen stellen und sind der Situation ausgeliefert. In Deutschland leben mehr als 2,6 Millionen Kinder in einer solchen Situation. Mindestens ein Elternteil dieser Kinder ist alkoholabhängig.

Ängste und Zurückweisung beim Thema AIDS abbauen

Dank moderner Medikamente können die rund 87.000 Menschen in Deutschland mit HIV beziehungsweise AIDS heute fast normal leben. Stattdessen belasten mitunter Ausgrenzung, Zurückweisung und Angst Betroffene heute schwerer als die eigentliche Erkrankung. „Vorurteile und mangelndes Wissen sind oft die Hauptursachen für Ausgrenzung und Zurückweisung von HIV-Positiven. Dem wollen wir unter anderem mit einer Telefon-Hotline entgegenwirken“, so Dr. Ursula Marschall, leitende Medizinerin der BARMER.

Rauchen ist Hauptursache für chronische Lungenkrankheit, die nicht heilbar ist

COPD – diese vier Buchstaben stehen für eine chronische Lungenkrankheit (chronic obstructive pulmonary disease). Sie stehen gleichzeitig auch für die weltweite Nummer Drei unter den Todesursachen. Bei 90 Prozent aller Fälle hierzulande ist die Hauptursache ziemlich klar bestimmt: das Rauchen. Zum Welt-COPD-Tag am 15. November weist Prof. Hubert Wirtz, Leiter der Abteilung für Pneumologie am UKL, auf unangenehme Wahrheiten rund um diese Krankheit hin: "COPD verkürzt die Lebenserwartung. Es ist nicht heilbar."

Opioid-Abhängigkeit: Notstand in USA ausgerufen

Nachdem der amerikanische Präsident Donald Trump aufgrund der massiven Zunahme an Drogentoten den nationalen Notstand bezüglich Opioiden erklärt hat, gibt die Deutsche Gesellschaft für Schmerzmedizin e.V. (DGS) Entwarnung: In Deutschland sei aktuell kein Gesundheitsnotstand aufgrund von Opioid-Abhängigkeit zu befürchten. Die gesetzlichen Regelungen sowie die vorhandenen Leitlinien zum Einsatz von Opioiden verhinderten in den meisten Fällen die Entwicklung einer Abhängigkeit.

Das könnte Sie auch interessieren

Über 6 Millionen an Osteoporose erkrankt

6,3 Millionen Menschen leiden heute in Deutschland an Osteoporose.(1) Jede vierte Frau über 50 Jahren ist betroffen, jeder 17. Mann.1 Jedes Jahr erkranken rund 885.000 Menschen neu an der Volkskrankheit.(1) Häufig bleibt jedoch die Krankheit unerkannt und unbehandelt. Nur 25 Prozent der Erkrankten werden in Deutschland medikamentös behandelt.(2) Im Vergleich: In Frankreich erhalten fast 60 Prozent der Erkrankten, in Spanien über 80 Prozent eine Osteoporose-Therapie.(2) Diagnose- sowie Behandlungsmöglichkeiten werden in Deutschland nicht ausreichend genutzt, warnen Experten anlässlich des Welt Osteoporose Tags am 20. Oktober.

5 Tipps für ein Leben mit Diabetes

Laut der Deutschen Diabetes-Hilfe erkranken jeden Tag rund 1.000 Menschen in Deutschland neu an Diabetes. Mediziner unterscheiden dabei je nach Ursache zwischen zwei Typen. Sowohl der Typ 1 als auch der Typ 2 äußern sich in einem chronisch erhöhten Blutzuckerspiegel aufgrund von Insulinresistenz oder -mangel. Dadurch staut sich Zucker in den Blutgefäßen an. Bleibt eine Diabeteserkrankung unentdeckt, führt dies zur Schädigung der Blutgefäße und anderer Organe. Damit Betroffene trotz Erkrankung ihr Leben genießen können, gilt es einiges zu beachten. Prof. Stephan Schneider, Chefarzt der Inneren Medizin II, Endokrinologie und Diabetologie im St. Vinzenz-Hospital Köln, gibt fünf Tipps für einen gesunden Alltag mit Diabetes.

Lymphknoten–Transplantation: Hilfe bei Lymphödemen

Neues Verfahren bietet erstmals Heilungschance bei Lymphstauungen. Vor allem Krebspatienten haben darunter zu leiden: Zwar ist der Krebs erfolgreich behandelt, doch zurück bleiben Folgen wie beispielsweise Lymphstauungen an Armen und Beinen. Meist handelt es sich um geschwollene, schmerzende Extremitäten, in denen die Lymphflüssigkeit nicht mehr abfließen kann, weil das feine System der dafür nötigen Kanäle beschädigt wurde. Bisher konnten nur die Symptome gelindert werden, oft eine unbefriedigende und lebenslang leidvolle Situation für die Betroffenen. Die plastischen Chirurgen am Universitätsklinikum Leipzig nutzen als eines von wenigen Zentren in Deutschland ein neues Verfahren, um hier wirksam Linderung zu verschaffen: die Transplantation von Lymphknoten.

Mit Online-Selbsthilfe von Selfapy Wege aus der Trauer finden

Der Verlust eines geliebten Menschen – ganz gleich ob unvermittelt oder nach einem schweren Leidensweg – reißt Hinterbliebenen den Boden unter den Füßen weg. Nicht selten wird der Schmerz zur unerträglichen Belastung, die Trauer nimmt überhand und ein Gefühl von Hoffnungslosigkeit und Leere stellt sich ein, während der Alltag unerträglich wird. Das Online Selbsthilfe Portal Selfapy nimmt sich der Hilflosigkeit Betroffener an und zeigt Wege aus dem Kummer auf. Individuelle Kursangebote und das Erlernen spezieller Bewältigungsmechanismen helfen Angehörigen dabei, den Schmerz zu verarbeiten, das Ohnmachtsgefühl zu überwinden und mittels sozialer Kontakte, zurück in den Alltag zu finden.

Sie können folgenden Inhalt einem Kollegen empfehlen:

"Warum über 20 Millionen Deutsche gesundheitlich benachteiligt werden"

Bitte tragen Sie auch die Absenderdaten vollständig ein, damit Sie der Empfänger erkennen kann.

Die mit (*) gekennzeichneten Angaben müssen eingetragen werden!

Die Verwendung Ihrer Daten für den Newsletter können Sie jederzeit mit Wirkung für die Zukunft gegenüber der rsmedia GmbH widersprechen ohne dass Kosten entstehen. Nutzen Sie hierfür etwaige Abmeldelinks im Newsletter oder schreiben Sie eine E-Mail an: info[at]rsmedia-verlag.de.