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Medizin

17. Oktober 2016 HIV und Psyche – Hilfe für Patienten nach der Diagnose

Drei von vier HIV-Patienten leiden im Verlauf ihrer Erkrankung an einer psychischen Störung. Viele von ihnen benötigen daher zusätzlich zur Therapie beim HIV-Schwerpunktarzt auch eine Behandlung durch einen Psychiater und/oder Psychotherapeuten. Doch hier sind die Wartezeiten oft lang. Eine erste Anlaufstelle für Betroffene bietet der neue Bereich "HIV & Psyche" vom forschenden Pharmaunternehmen Janssen. Hier finden Betroffene auf ihre Bedürfnisse zugeschnittene Informationen, Adressen von Therapeuten und Expertenrat für individuelle Fragen. Mit dem neuen Bereich "HIV & Psyche" möchte das Unternehmen zu einer besseren Versorgung von HIV-Erkrankten beitragen.

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Viele Patienten mit einer HIV-Infektion stellen sich die Fragen: Wie gehe ich mit der Infektion um? Mit wem kann ich sprechen? Die Betroffenen quälen sich mit Existenz- und Zukunftsängsten. Hinzu kommen Schuld- und Schamgefühle. "Diese  Gefühle können Anzeichen einer Depression sein", berichtete Dr. med. Steffen Heger, Facharzt für Psychosomatische Medizin und Psychotherapie, Köln. Die Psyche sei in dieser Situation häufig mit der Verarbeitung der durch die Diagnose ausgelösten Krise überfordert. "Dadurch werden extreme Ängste ausgelöst und die Handlungsfähigkeit eingeschränkt", erklärte Heger.

Drei von vier HIV-positiven Patienten leiden im Verlauf ihrer Erkrankung unter seelischen Störungen. Auch die Suizidgefahr ist bei HIV-Patienten erhöht: 23% gaben an, Suizidgedanken gehabt zu haben (1). Laut Heger seien die vielfältigen psychischen Aspekte und Differentialdiagnosen komplex. Zu den häufigsten psychischen Beeinträchtigungen bei HIV-Patienten zählen depressive Störungen und Ängste nach der Diagnosestellung oder bei akuten Verschlechterungen des Gesundheitszustands sowie psychosomatische Symptome wie Schlaf- oder funktionelle Störungen. Nicht selten bringe die HIV-Infektion bereits vorher bestehende seelische Probleme zur Dekompensation, so Heger. Dabei spiele vor allem die soziale Isolation eine Rolle, die z. B. durch Stigmatisierungserlebnisse verstärkt werden kann.

Psychische Störungen können den Verlauf der HIV-Infektion negativ beeinflussen: Sie wirken sich auf die Therapie-Adhärenz, auf Komorbiditäten und auf die Arzt-Patienten-Beziehung aus. Auch die Lebenserwartung könne dadurch reduziert werden, da Patienten mit Depressionen häufiger kardiovaskuläre Ereignisse erleiden, so Heger. "Zusätzlich erhöht sich bei einigen Betroffenen durch Drogenkonsum (z. B. im Rahmen von Chemsex) das Risiko seelischer Störungen. Diese Patienten neigen zudem dazu, ihre HIV-Medikamente zu vergessen oder es kommt durch den allgemeinen ungesunden Lebensstil zu einer Verschlechterung des Gesundheitszustands." Daher sei eine frühzeitige Diagnose und Therapie dringend erforderlich – auch um einer Chronifizierung vorzubeugen.
 
Patienten mit seelischen Störungen erfordern mehr Betreuungsaufwand

Die Erfahrung zeigt: Im ärztlichen Alltag bleibt neben der Verlaufskontrolle und Therapieüberwachung nicht immer ausreichend Zeit innerhalb eines Termins alle Fragen umfassend zu beantworten. Die Vermittlung an einen Psychiater oder Psychotherapeuten ist aufgrund von Schwellenängsten auf Seiten der Patienten und wegen oft langer Wartezeiten mitunter schwierig. Und nicht jeder Psychotherapeut ist mit den spezifischen Problemen von HIV-Patienten vertraut. Viele Betroffene suchen sich in dieser Zeit die Informationen im Internet zusammen. Diese sind laut Heger jedoch nicht immer fachlich korrekt, manchmal auch missverständlich und verstärken eher noch die Angst. Prinzipiell wünschen sich Ärzte aufgeklärte Patienten im Sinne einer partizipativen Entscheidungsfindung. Doch die Qualität der angebotenen Informationen sei leider oft nicht gut, was medizinische Laien nur schwer beurteilen könnten. "Unsere Aufgabe als Ärzte ist es daher auch, den Patienten bei der Trennung von Spreu und Weizen behilflich zu sein", sagte Heger.
 
My-MicroMacro.net: Individuelle Hilfe für HIV-Patienten

Auf My-MicroMacro.net finden Betroffene in dem neu eingerichteten Bereich "HIV & Psyche" insgesamt 34 Artikel zu einer Vielzahl von im täglichen Leben relevanten Aspekten: Einzelne psychische Störungen (Depressionen, Angststörungen, Schlafstörungen, Drogen usw.), Behandlungsmöglichkeiten (Psychopharmaka, Psychotherapie), Umgang mit der Erkrankung, medizinische Themen wie Adhärenz, soziale Themen wie Umgang mit Stigmatisierung und sozialer Isolation sowie Outing in Familie und Beruf. Das Portal bietet wertvolle, aktuelle Informationen auf dem neuesten wissenschaftlichen Stand. "Der Arzt wird entlastet und erhält eine gewisse Rückendeckung, wenn die Informationen aus dem Netz damit übereinstimmen, was dem Patienten durch ihn vermittelt wurde", beschrieb Heger die Vorteile des Portals. Verschiedene Serviceangebote wie der „Expertenrat“ und ein Adressfinder für Psychotherapeuten und Psychiater, die mit den spezifischen Problemen von HIV-Patienten vertraut sind, helfen zudem, die Wartezeiten zu überbrücken. Es sei wichtig, die Patienten aus ihrer sozialen Isolation heraus- und da abzuholen, wo sie persönlich gerade stehen: Männer haben andere Fragen als Frauen, schwule Männer andere Fragen als heterosexuelle Männer. "Patienten müssen hier nicht lange suchen, um die für sie relevanten Informationen zu finden, sondern sie können sich über einen Filter von vorneherein nur die Informationen anzeigen lassen, die für ihre individuelle Situation relevant sind", so das Fazit des Experten.


(1) Positive Stimmen; Ergebnisbericht des PLHIV Stigma Index in Deutschland. https://www.aidshilfe.de/sites/default/files/documents/positive%20stimmen%20Ergebnisbericht.pdf

Quelle: Janssen


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