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Medizin

02. Juli 2012 Chronische Hirnentzündungen begünstigen Alzheimer

Chronische Hirnentzündungen können die für Alzheimer charakteristischen Eiweiss-Ablagerungen, so genannte Beta-Amyloid-Plaques, auslösen. Forschende der Universität Zürich beweisen, dass Hirnentzündungen eine Ursache und nicht reine Folge der Neuropathologie sind und möglicherweise auch den Abbau kognitiver Leistungen verursachen. Seit der ersten Fallbeschreibung ist klar: Hirnentzündungen sind ein wichtiger Bestandteil der Alzheimer-Krankheit. Zwar haben mehrere Studien die Wirksamkeit entzündungshemmender Medikamente untersucht und auf einen möglichen Schutz im Anfangsstadium der Krankheit hingewiesen. Doch die spezifische Rolle von Entzündungen im Krankheitsverlauf zu bestimmen, ist bis heute schwierig geblieben.

Hirnforscher der Universität Zürich haben gemeinsam mit Wissenschaftlern der ETH Zürich und der Universität Bern untersucht, welchen Einfluss eine Überstimulation des Immunsystems, vergleichbar mit einer schweren viralen Infektion, auf die Entwicklung von Alzheimer in Mäusen hat. «Eine vorgeburtliche virale Infektion genügt, um neurologische Defizite und schwere Gedächtnisprobleme im Alter auszulösen», sagt Irene Knüsel, Studienleiterin am Institut für Pharmakologie und Toxikologie der Universität Zürich.

Wiederholte Infektion verstärkt den Effekt

Die betroffenen Mäuse zeigten während des Älterwerdens nicht nur eine chronische Erhöhung entzündungsfördernder Zytokine, sondern auch einen kontinuierlichen Anstieg des Amyloid-Precursor-Proteins – ein wichtiges Vorläuferprotein der Amyloid-Ablagerungen. Alzheimer ähnliche Veränderungen fanden die Forschenden auch im Tau-Protein, das sich zudem an unüblichen Stellen in Nervenzellen ansammelte. Diese Effekte verschlimmerten sich markant, wenn die vorgeburtlich infizierten Mäuse im Alter nochmals einer Infektion ausgesetzt wurden. Genetisch nicht veränderte Mäuse entwickelten dabei in den gleichen Hirngebieten Amyloid ähnliche Ablagerungen und Tau- Aggregate, die auch früh in der Alzheimer-Erkrankung betroffen sind.

Abb.: Hirnpräparat einer infizierten transgenen Maus. Die typischen Beta-Amyloid-Plaques (grün) bilden sich genau an den Stellen, wo sich durch die Erstinfektion das Amyloid- Precursor-Protein (rot) abnormal angehäuft hat. Die Zellkerne von benachbarten Nerven- und Gliazellen sind blau gekennzeichnet. (Bild: UZH)

Wenn transgene Mäuse der gleichen Behandlung ausgesetzt wurden, bildeten sich die klassischen Beta-Amyloid-Plaques genau da, wo sich durch die Erstinfektion das Amyloid-Precursor-Protein abnormal in den Nervenzellen angehäuft hatte. Die grosse Ähnlichkeit zwischen den Ablagerungen im Gehirn von immunstimulierten Mäusen und denjenigen von Alzheimer-Patienten lassen laut Knüsel den Schluss zu: Chronische Entzündungen können neuronale Fehlfunktionen verursachen, die wiederum die Bildung von Amyloid-Ablagerungen im Alter begünstigen. Und dies möglicherweise sogar Jahre bevor sich eine Neuropathologie und damit einhergehende Demenz manifestiert.

Literaturhinweis:
Dimitrije Krstic, Amrita Madhusudan, Jana Doehner, Prisca Vogel, Tina Notter, Claudine Imhof, Abigail Manalastas, Martina Hilfiker, Sandra Pfister, Cornelia Schwerdel, Carsten Riether, Urs Meyer and Irene Knuesel. Systemic immune challenges trigger and drive Alzheimer-like neuropathology in mice. Journal of Neuroinflammation, 2 July, 2012.

Quelle: Universität Zürich


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