Sonntag, 29. März 2020
Navigation öffnen

SchwerpunktSeptember 2019

01. September 2019
Seite 1/4
Eisenmangelanämie: Aktuelle Behandlungsstandards und Empfehlungen für Diagnostik und Therapie

Dr. med. Catarina Stosiek

Eisenmangel stellt die weltweit häufigste Mangelerkrankung dar. Prinzipiell können alle Altersgruppen betroffen sein. Eisen ist für viele Stoffwechselvorgänge des Körpers unentbehrlich, ein Mangel kann sich daher auf verschiedene Weise bemerkbar machen. Laborchemisch fällt in erster Linie die hypochrome mikrozytäre Anämie auf. Ursache des Eisenmangels ist i.d.R. entweder ein Missverhältnis zwischen Eisenaufnahme und Eisenbedarf oder auch ein gesteigerter Eisenverlust. Letzterer ist meist durch einen (okkulten) Blutverlust bedingt. Bei der Diagnostik sollte u.a. den Parametern Hb, Retikulozyten, MVC, MCH, CRP, Ferritin und Transferrinsättigung erhöhte Aufmerksamkeit geschenkt werden. Eine Eisensubstitution kann entweder oral oder intravenös erfolgen, zuvor sollte jedoch immer eine Ursachenabklärung im Fokus stehen. 
Anzeige:
Eisenmangel ist die weltweit häufigste Mangelerkrankung des Menschen und die häufigste Ursache einer Anämie. Die Prävalenz in Europa beträgt 5-10%, besonders betroffen sind Frauen im gebärfähigen Alter. Weitere Risikogruppen sind Säuglinge und Kleinkinder sowie in geringem Maße auch Adoleszente (1, 2).

Klinik

Die Symptome eines Eisenmangels können vielseitig sein. Trophische Störungen wie brüchige Fingernägel, Haarausfall und Mundwinkelrhagaden können auf einen Eisenmangel hinweisen. Außerdem können Konzentrationsstörungen, Vergesslichkeit, Schwindel, Kopfschmerzen, Infektanfälligkeit und Nervosität bis hin zu depressiver Verstimmung auftreten. Besteht ein Eisenmangel über einen längeren Zeitraum fort, entwickelt sich infolge einer eisendefizitären Erythropoese die typische hypochrome mikrozytäre Anämie mit ihren Folgeerscheinungen wie Blässe, Belastungsdyspnoe, Tachykardie und Leistungsknick.

Eisenstoffwechsel

In der Nahrung befindliches Eisen wird überwiegend im Duodenum und zum geringeren Teil im oberen Jejunum aufgenommen. Die Resorption bedarf hierbei eines komplexen Transportsystems. Nahrungseisen in Form von Fe3+ wird durch eine Reduktase noch im Darmlumen zu Fe2+ überführt, an einen speziellen Eisentransporter (DMT1) gebunden und nach intrazellulär überführt. Ein weiterer Eisentransporter (Ferroportin) schleust das Eisen durch die basale Membran des Enterozyten weiter in das Portalblut, wo ein erneuter Valenzwechsel für den Abtransport erforderlich wird.

Eine weitere Resorptionsmöglichkeit besteht für an Häm gebundenes Eisen, welches an der luminalen Oberfläche des Enterozyten nach Bindung an einen Hämrezeptor (HCP1) nach intrazellulär aufgenommen wird. Nach Abspaltung des Eisens aus dem Porphyrinring wird dieses intrazellulär an Mobilferrin gebunden und kann so entweder für die Produktion eisenhaltiger Enzyme zur Verfügung gestellt oder bei Bedarf nach intravasal ausgeschleust werden (1). Im Blut gelangt das Eisen gebunden an das Transportprotein Transferrin zur weiteren Verwertung in die eisenspeichernden Zellen wie Hepatozyten und Makrophagen. Unter physiologischen Bedingungen sind 16-45% der Transferrinmoleküle im Plasma mit Eisen gesättigt. Bei einer Eisenüberladung ist die Transferrinsättigung erhöht, bei einem Eisenmangel erniedrigt (1). Die Speicherung des Eisens erfolgt ebenfalls mit Hilfe eines spezifischen Proteins, des Ferritins.
Das Peptidhormon Hepcidin, welches in der Leber synthetisiert wird, greift regulatorisch in den Eisenstoffwechsel ein, indem es die Eisenaufnahme in die Enterozyten bzw. die Eisenfreisetzung aus den Enterozyten hemmt. Inflammatorische Prozesse fördern die Bildung von Hepcidin und können so die Eisenresorption bzw. Eisenfreisetzung behindern. Bei einem Eisenmangel, einer Anämie oder Hypoxie wird die Hepcidin-Produktion in der Leber vermindert, um die Eisenaufnahme über den Gastrointestinaltrakt zu steigern (1). Im Gegenzug hierzu existiert für den menschlichen Organismus kein physiologischer Mechanismus, Eisen aktiv auszuscheiden (9).
 
Abb. 1: Eisenstoffwechsel, Anämien, Diagnostik und Therapie (mod. nach (11)).
Eisenstoffwechsel, Anämien, Diagnostik und Therapie


Ursachen eines Eisenmangels

Die Ursachen eines Eisenmangels können grob in 3 Kategorien eingeteilt werden (1):
 
  • Eisenverlust (durch akute bzw. chronische Blutungen, z.B. Ulcera, Polypen, Karzinome, Angiodysplasien, Blutspenden, Menstruation, Dialyse etc.)
  • erhöhter Bedarf (z.B. Schwangerschaft, Wachstum, Hochleistungssport, Hämolyse etc.)
  • verminderte Aufnahme (z.B. vegane/vegetarische Ernährungsweise, atrophische Gastritis, Malabsorption, chronisch-entzündliche Darmerkrankungen etc.)
 
Vorherige Seite

Das könnte Sie auch interessieren

Orthopäden und Unfallchirurgen setzen sich für aktiven Lebensstil ein

Orthopäden und Unfallchirurgen setzen sich für aktiven Lebensstil ein
@ Von Schonertagen / Fotolia.com

Jedes Jahr verletzen sich 1,25 Millionen Bundesbürger beim Sport so schwer, dass sie ärztlich versorgt werden müssen (1). Überbelastung, hohe Risikobereitschaft und eine mangelnde Vorbereitung auf das Training führen immer wieder zu Unfällen. Gleichzeitig leben in Deutschland viele Millionen Menschen, die sich aufgrund einer Erkrankung nicht mehr schmerzfrei bewegen können. Auf dem Deutschen Kongress für Orthopädie und Unfallchirurgie (DKOU) stellen Experten vom 24. bis 27. Oktober Therapien vor, mit denen sie Beweglichkeit bis ins hohe Alter...

Betroffene teilen Erfahrungen und geben Depression eine Stimme – nutzergenerierte Website gestartet

Betroffene teilen Erfahrungen und geben Depression eine Stimme – nutzergenerierte Website gestartet
© Artem Furman / fotolia.com

Eine interaktive und multimediale Aufklärungs-Webseite über Depression ist neu an den Start gegangen. Auf der Seite können Betroffene und Angehörige in eigenen Beiträgen über ihre Erfahrungen mit Depression berichten und der Erkrankung so eine Stimme geben. Die Betroffenen können für die Website schriftliche Erfahrungsberichte oder Audio- und Video-Dateien einreichen.

Wenn die Eltern trinken: Über 2,6 Millionen Kinder wachsen mit alkoholabhängigem Elternteil auf

Wenn die Eltern trinken: Über 2,6 Millionen Kinder wachsen mit alkoholabhängigem Elternteil auf
© Africa Studio / Fotolia.com

Kinder von alkoholkranken Eltern haben keinen normalen Alltag und ihre Sorgen beschränken sich nicht mehr auf Schule oder Freizeit-Aktivitäten. Oftmals müssen sie sich viel zu früh Aufgaben und Sorgen eines Erwachsenen stellen und sind der Situation ausgeliefert. In Deutschland leben mehr als 2,6 Millionen Kinder in einer solchen Situation. Mindestens ein Elternteil dieser Kinder ist alkoholabhängig.

Mehr als heiße Luft - Bei Sommerhitze die Ozonwerte im Auge behalten

Mehr als heiße Luft - Bei Sommerhitze die Ozonwerte im Auge behalten
© Thaut Images / Fotolia.com

Bei anhaltend hohen Temperaturen steigt auch die Ozonkonzentration in der Luft. „Das schädliche Gas kann bei empfindlichen Menschen die Augen reizen, Hustenanfälle auslösen oder Kopfschmerzen verursachen“, sagt Dr. Ursula Marschall. Die leitende Medizinerin bei der BARMER empfiehlt deshalb insbesondere älteren Menschen und chronisch Kranken bei hohen Ozonwerten körperliche Anstrengungen zu reduzieren.

Sie können folgenden Inhalt einem Kollegen empfehlen:

"Eisenmangelanämie: Aktuelle Behandlungsstandards und Empfehlungen für Diagnostik und Therapie"

Bitte tragen Sie auch die Absenderdaten vollständig ein, damit Sie der Empfänger erkennen kann.

Die mit (*) gekennzeichneten Angaben müssen eingetragen werden!

Die Verwendung Ihrer Daten für den Newsletter können Sie jederzeit mit Wirkung für die Zukunft gegenüber der rsmedia GmbH widersprechen ohne dass Kosten entstehen. Nutzen Sie hierfür etwaige Abmeldelinks im Newsletter oder schreiben Sie eine E-Mail an: info[at]rsmedia-verlag.de.


Cookies

Diese Webseite benutzt Cookies, um den Nutzern das beste Webseiten-Erlebnis zu ermöglichen. Ausserdem werden teilweise auch Cookies von Diensten Dritter gesetzt. Weitere Informationen erhalten Sie in den Allgemeine Geschäftsbedingungen und in den Datenschutzrichtlinien.

Verstanden