Dienstag, 23. April 2024
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Gesundheitspolitik

Post-COVID: keine falschen Versprechungen

Post-COVID: keine falschen Versprechungen
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Im Gesundheitsausschuss wurde im April 2023 über die Versorgungssituation von Post-COVID- und ME/CFS-Betroffenen diskutiert – das ist wichtig, allerdings fanden die Beratungen unter Ausschluss der wissenschaftlichen Expertise der Allgemeinmedizin statt. Die Deutsche Gesellschaft für Allgemeinmedizin und Familienmedizin (DEGAM) empfiehlt, diese Expertise künftig von Beginn an in solche Debatten und strukturelle Überlegungen einzubeziehen. Gleichzeitig warnt die DEGAM davor, spezialisierte Ambulanzen flächendeckend aufzubauen, die zum jetzigen Zeitpunkt (noch) kein erfolgversprechendes und evidenzbasiertes Therapieangebot machen können.

Anhörung im Gesundheitsausschuss zur Versorgungssituation

Im Gesundheitsausschuss wurde kürzlich über die Versorgung von Patientinnen und Patienten gesprochen, die an Post-COVID und / oder Myalgischer Enzephalomyelitis / Chronischem Fatigue-Syndrom (ME/CFS) leiden. Leider war die DEGAM, die die Perspektive der evidenzbasierten Allgemeinmedizin vertritt, nicht zur Anhörung geladen. Aus Sicht der DEGAM wäre es unethisch und auch ineffizient, hier eine neue Versorgungsebene in Aussicht zu stellen: Auch Ambulanzen können den Post-COVID-Betroffenen zum jetzigen Zeitpunkt wenig Konkretes anbieten.

Allgemeinmedizin einbeziehen und hausärztliche Versorgungsebene stärken

„Spezialisierte Ambulanzen können nur dann helfen, wenn sie etwas anbieten können, das verfügbar und nachweislich wirksam ist. Das ist im Moment nicht der Fall, da weder einheitliche Diagnose-Kriterien noch Nachweise über evidenzbasierte erfolgreiche Therapieoptionen vorliegen. Insofern sollten hier keine Versprechungen gemacht werden“, warnt Prof. Martin Scherer, Präsident der DEGAM. „Was wir aber unbedingt tun sollten, ist, die wissenschaftliche Expertise der Allgemeinmedizin von Anfang an in solche strukturellen Fragen mit einzubeziehen. Und wir müssen die hausärztliche Versorgungsebene so stärken, dass Post-COVID- und ME/CFS-Patientinnen und Patienten in der Fläche bestmöglich begleitet werden können.“
 
 

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Die DEGAM weist in diesem Zusammenhang auch auf den Unterschied von Long- und Post-COVID und ME/CFS hin: „Wir gehen davon aus, dass die allermeisten, die an Long-COVID-Symptomen leiden, wieder gesund werden. Einige der Betroffenen erkranken allerdings stark, mit einem monatelang hohen Leidensdruck. Dann sprechen wir von Post-COVID. Bei Post-COVID gibt es bisher keine schnellen Lösungen. Wir brauchen, wie bei manch anderen Krankheitsbildern auch, viel Geduld. Zwischen Post-COVID und ME/CFS gibt es große Überschneidungen. Allerdings fehlen uns zu den genaueren Abgrenzungen bisher gute Daten, so dass wir nicht wissen, wie die Gesamtsituation wirklich aussieht.

Leid der Betroffenen ernstnehmen

Die DEGAM möchte ausdrücklich davor warnen, das Leid und die Not der Betroffenen nicht ernst zu nehmen – und mahnt gerade deshalb an, wirklich wirksame Lösungen zu finden. Ein zentraler Punkt dabei ist auch die Erforschung der Krankheitsbilder. Hierfür sollte auch die Initiative Deutscher Forschungspraxennetze – DESAM-ForNet, eine bundesweite Forschungsinfrastruktur in der Hausarztmedizin, genutzt werden.

Update der Leitlinie Müdigkeit veröffentlicht

„Der Wissenstransfer in die Hausarztpraxen gelingt dann insbesondere durch unsere Leitlinien. Wir haben kürzlich ein Update der Leitlinie Müdigkeit mit eigenem ME/CFS-Kapitel publiziert und sind an der Post-COVID-Leitlinie beteiligt“, erklärt Martin Scherer abschließend.
 
 

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Quelle: Deutsche Gesellschaft für Allgemeinmedizin und Familienmedizin (DEGAM)


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