Freitag, 18. Januar 2019
Navigation öffnen

Aktuelle Infos für Ärzte

09. Juli 2012 Multiple Sklerose: Zusammenhang zwischen genetischem Risikofaktor und Entzündungsprozessen entdeckt

Für Multiple Sklerose sind verschiedene genetische Risikofaktoren bekannt. Wie eine bestimmte Abweichung im Erbgut des sogenannten TNF-Rezeptors 1 die Krankheit fördert, beschreibt eine internationale Forschergruppe mit RUB-Beteiligung in Nature. Das Team unter Federführung von Prof. Lars Fugger aus Oxford deckte einen Zusammenhang zwischen einer Genvariante und chronischen Entzündungsprozessen auf. Die Daten von 7000 Menschen, unter anderem aus der Genbank der Neurologischen Uniklinik am St. Josef-Hospital Bochum, gingen in die Analyse ein.

Für Multiple Sklerose sind verschiedene genetische Risikofaktoren bekannt. Wie eine bestimmte Abweichung im Erbgut des sogenannten TNF-Rezeptors 1 die Krankheit fördert, beschreibt eine internationale Forschergruppe mit RUB-Beteiligung in Nature. Das Team unter Federführung von Prof. Lars Fugger aus Oxford deckte einen Zusammenhang zwischen einer Genvariante und chronischen Entzündungsprozessen auf. Die Daten von 7000 Menschen, unter anderem aus der Genbank der Neurologischen Uniklinik am St. Josef-Hospital Bochum, gingen in die Analyse ein. „Die Ergebnisse zeigen, dass genomweite Assoziationsstudien für die klinische Praxis und Routine bedeutend sind. Sie helfen uns auch, die verschiedenen Entstehungsfaktoren der Multiplen Sklerose besser zu verstehen“, sagt Klinikdirektor Prof. Ralf Gold.

Wie der TNF-Rezeptor an Entzündungsprozessen beteiligt ist

Nach europa- und weltweiten Untersuchungen in großen Patientengruppen beschrieben Forscher verschiedene genetische Risikofaktoren für Multiple Sklerose. Darunter waren zum Beispiel der sogenannte Tumornekrosefaktor-Rezeptor 1 (TNF-Rezeptor 1) und die Histokompatibilitätsantigene – Marker, die dem Immunsystem erlauben, zwischen eigenen und fremden Zellen zu unterscheiden. Die aktuelle Studie deckte funktionelle Hintergründe auf. Der kritische Genabschnitt des TNF-Rezeptors unterscheidet sich von einer harmlosen Sequenz in nur einem DNA-Baustein. Dieser Austausch bewirkt, dass der TNF-Rezeptor bei den Betroffenen löslich ist. Üblicherweise ist das Protein an die Membran gebunden. Der lösliche Rezeptor zirkuliert durch den Zellzwischenraum und fängt dabei das Molekül TNF alpha ein, das unter anderem Entzündungen im Gehirn eindämmt. So können Entzündungsprozesse durch die genetische Abweichung chronisch werden.

Nur schädlich bei Multipler Sklerose

„Interessanterweise ist das genetische Muster des TNF-Rezeptors 1 nur mit Multipler Sklerose assoziiert, aber nicht mit anderen Autoimmunkrankheiten wie rheumatoider Arthritis oder Morbus Crohn“, sagt Prof. Gold. Diese Resultate passen zum Klinikalltag. Medikamente, die TNF alpha blockieren, verstärken die Symptome von Patienten mit Multipler Sklerose (MS) – nicht jedoch von Patienten mit anderen Autoimmunkrankheiten. Bei MS-Patienten erzeugt der Körper die Wirkung des Medikaments quasi von allein in einem Ausmaß, das schädlich ist.

Risikofaktoren für Multiple Sklerose

Neben genetischen Risikomustern diskutieren Experten eine Reihe weiterer Auslöser für Multiple Sklerose. Dazu zählen virale Infektionen in der frühen Jugend. Auch wenn Menschen in Regionen mit geringerer Sonneneinstrahlung auswandern, könnte das die Krankheit fördern, weil die Haut dann weniger Vitamin D produziert.

Literaturhinweis:
A.P. Gregory et al. (2012): TNF receptor 1 genetic risk mirrors outcome of anti-TNF therapy in multiple sclerosis, Nature, doi: 10.1038/nature11307

Quelle: Ruhr-Universität Bochum


Das könnte Sie auch interessieren

Über 6 Millionen an Osteoporose erkrankt

6,3 Millionen Menschen leiden heute in Deutschland an Osteoporose.(1) Jede vierte Frau über 50 Jahren ist betroffen, jeder 17. Mann.1 Jedes Jahr erkranken rund 885.000 Menschen neu an der Volkskrankheit.(1) Häufig bleibt jedoch die Krankheit unerkannt und unbehandelt. Nur 25 Prozent der Erkrankten werden in Deutschland medikamentös behandelt.(2) Im Vergleich: In Frankreich erhalten fast 60 Prozent der Erkrankten, in Spanien über 80 Prozent eine Osteoporose-Therapie.(2) Diagnose- sowie Behandlungsmöglichkeiten werden in Deutschland nicht ausreichend genutzt, warnen Experten anlässlich des Welt Osteoporose Tags am 20. Oktober.

10 Fakten über Psychotherapie

Psychotherapie ist ein effektiver und sinnvoller Weg aus Krisen und Problemen. Wäre da nicht das Imageproblem. Um dieser Stigmatisierung entgegenzuwirken, wurde mit dem 5. Februar der Tag des Psychotherapeuten ausgerufen. Ein wichtiger Jahrestag, der zur Aufklärung von Missverständnissen beiträgt und das Bewusstsein für die lebenswichtige Arbeit schärft, die von Therapeuten täglich geleistet wird. Dr. Anabel Ternès ist Gründerin der digitalen Service-Plattform Psychologio, die Betroffenen einen vereinfachten Zugang zu einer psychotherapeutischen Behandlung ermöglicht.

Nüsse sind kein Ersatz für die Darmspiegelung

Magen-Darm-Ärzte mahnen zur Vorsicht bei Meldungen über bestimmte Nahrungsmittel, die vor Krebs schützen sollen. „Öffentliche Erklärungen wie gerade mal wieder von Ernährungswissenschaftlern der Uni Jena über den Schutzmechanismus von Nüssen sind eher irreführend als hilfreich“, betont Dr. Dagmar Mainz, die Sprecherin der niedergelassenen Magen-Darm-Ärzte. „Auch Nusskonsumenten sind vor Darmkrebs nicht gefeit. Sicherheit bietet nur die Darmspiegelung.“

Neu aus dem ÄZQ: Patientenleitlinie "Kreuzschmerz"

Bettruhe, Bewegung oder Medikamente – welche Behandlung ist bei Beschwerden im Kreuz die richtige? Was Fachleute derzeit empfehlen, lesen Patientinnen und Patienten in der neuen ÄZQ-Patientenleitlinie "Kreuzschmerz". Jeder kennt Kreuzschmerzen. Oft sind sie harmlos und gehen von alleine weg. Die Schmerzen können aber auch länger andauern oder wiederkehren. Das kann belasten und im Alltag einschränken. Gegen die Schmerzen werden viele Behandlungen angeboten: einige helfen, andere nicht.

Sie können folgenden Inhalt einem Kollegen empfehlen:

"Multiple Sklerose: Zusammenhang zwischen genetischem Risikofaktor und Entzündungsprozessen entdeckt"

Bitte tragen Sie auch die Absenderdaten vollständig ein, damit Sie der Empfänger erkennen kann.

Die mit (*) gekennzeichneten Angaben müssen eingetragen werden!

Die Verwendung Ihrer Daten für den Newsletter können Sie jederzeit mit Wirkung für die Zukunft gegenüber der rsmedia GmbH widersprechen ohne dass Kosten entstehen. Nutzen Sie hierfür etwaige Abmeldelinks im Newsletter oder schreiben Sie eine E-Mail an: info[at]rsmedia-verlag.de.