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Medizin

22. Juni 2015 Frauenärzte der GenoGyn kritisieren: Präventionsgesetz vergibt große Potenziale

Drei Bundesregierungen haben vergeblich versucht, der Prävention eine gesetzliche Grundlage zu geben; die Große Koalition hat es nun geschafft: Heute hat der Bundestag das Gesetz zur Stärkung der Gesundheitsförderung und der Prävention verabschiedet. "So sehr wir dieses Gesetz begrüßen, so sehr kritisieren wir dessen mangelhafte Ausgestaltung, allem voran die fehlende Einbindung der Frauenärzte", sagt Dr. Jürgen Klinghammer, Gynäkologe und geschäftsführender Vorstand der Ärzteorganisation GenoGyn, die sich seit 2008 für eine erweiterte Primärprävention in den gynäkologischen Praxen einsetzt und in eigenen zertifizierten Fortbildungen bereits über 330 Ärzte in Präventionsmedizin qualifiziert hat.

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"Wir vermissen eine ausreichende strukturelle Einbindung der ärztlichen Kompetenz in das Präventionsgesetz. Das gilt in besonderem Maße für die niedergelassenen Gynäkologinnen und Gynäkologen, die sich aus gutem Grund als die eigentlichen Präventionsärzte verstehen, weil sie ihre Patientinnen in allen Altersgruppen, Schichten und Lebensumständen erreichen und circa 90% ihrer täglichen Arbeit aus Früherkennung und Prävention besteht. Nur ca. 10% sind kurative Leistungen", so Dr. Klinghammer. Dazu gehöre die Früherkennung von Gebärmutterhals- und Brustkrebs ebenso wie die primäre Prävention, mit dem Ziel, die Patientin durch Beratung, Coaching und Motivation zur Eigenverantwortung gesund zu erhalten.
Konkret heißt das in der Pubertät Aufklärung über Empfängnisverhütung, Genitalhygiene und den Impfstatus. Gerade hier tragen Gynäkologen mit der HPV-Impfung Verantwortung für eines der wichtigsten Präventionsinstrumente überhaupt. Auch Untergewicht und Übergewicht sind in dieser Altersgruppe bereits ein wichtiges Thema. Zwischen 25 und 45 Jahren geht es um Kinderwunsch und Schwangerenvorsorge, um Aufklärung über ausreichende Bewegung und gesunde Ernährung, Gewichtsreduktion sowie um Vorbeugung einer Harninkontinenz oder eines Burnout-Syndroms. Im Klimakterium stehen die Linderung von Wechseljahresbeschwerden, die Osteoporosevorsorge, Risikoabklärung von Arteriosklerose, Neurostress, Depression und von neurodegenerativen Veränderungen im Zentrum der gynäkologischen Prävention.
 
"Diese Fachkompetenz hätte der Gesetzgeber im Präventionsgesetz stärken müssen", betont der GenoGyn-Vorstand. "Allemal, da die ambulante Gynäkologie nicht nur eine große, sondern eine sehr wichtige Zielgruppe erreicht. Frauen sind relevante Multiplikatorinnen ihres erworbenen Gesundheitsbewusstseins, und als Gesundheitsmanagerin in der Familie haben sie Einfluss auf die Gesamtgesundheit unserer Gesellschaft." Jedes Verständnis fehlt den Präventionsexperten der GenoGyn dafür, dass die Prävention von Gesundheitsschäden des Ungeborenen durch die fetale Programmierung nicht zu den erklärten Gesundheitszielen des neuen Gesetzes gehört. "Aus fachspezifischer Sicht geht in der jetzigen Gesetzesform enormes Präventionspotenzial verloren", sagt Dr. Klinghammer.
 
Generell greife es zu kurz, präventives ärztliches Handeln auf eine Gesundheitsuntersuchung und das Ausschreiben von Empfehlungen für Präventionskurse der Krankenkassen zu beschränken. Weiter kritisieren die Frauenärzte der GenoGyn, dass die Gesundheitsuntersuchen nachträglich und ausschließlich durch den G-BA ausgestaltet werden sollen. Dabei fehle, wie in der Nationalen Präventionskonferenz, die ausreichende Präsenz unabhängiger ärztlicher Organisationen und medizinischer Fachgesellschaften.

Quelle: GenoGyn


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