Nachdem die Bedeutung erhöhter Homocysteinwerte im Blut als kardiovaskulärer Risikofaktor sowie als Ursache u.a. für die häufigste frühkindliche Missbildung, die sog. Spina bifida, in den 90er Jahren durch eine wachsende Zahl von Studien immer offenkundiger wurde, entschlossen sich einige Länder wie die USA, Kanada und Ungarn, einem besonders weit verbreiteten Grundnahrungsmittel Folsäure zusetzen zu lassen. Eine Analyse der Entwicklung der Inzidenz anderer Erkrankungen, die bislang nicht mit Homocystein in Zusammenhang gebracht wurde, kann bei entsprechendem Verlauf seit Einführung der Fortifikation wichtige Hinweise darauf geben, dass Homocystein ev. auch bei weiteren Erkrankungen ein pathogenetisch wichtiger Faktor sein könnte.
Diese Erkenntnis ist nicht zuletzt für die Entwicklung von spezifischen Präventionsstrategien von Bedeutung, in denen es keine gesetzlichen Regelungen zur Anreicherung eines Grundnahrungmittels mit B-Vitaminen gibt (dazu zählt auch Deutschland). Kanadische Forscher untersuchten die Entwicklung der Anzahl der Neuerkrankungen an einer Reihe von bösartigen Erkrankungen, die typischerweise bereits bei Säuglingen und Kleinkindern auftreten wie Neuroblastom, lymphoblastische Leukämie und Hepatoblastom.
Zusammenfassung: Zugrundegelegt wurden die Daten der “Pediatric Oncology Group of Ontario” (die etwa 95% aller auftretenden Krebsfälle im Kindesalter im Raum Ontario in Kanada erfasst) vor und nach der Einführung der Folsäurefortifikation. Während sich an der Inzidenz von lymphoblastischer Leukämie und Hepatoblastom keine Veränderungen der Inzidenz beobachten ließen, sank die Rate der Neuerkrankungen an Neuroblastomen von 1.57 Fällen auf 0.62 Fälle pro 10.000 Geburten im Gefolge der Folsäurefortifikation. Das entspricht einem Rückgang der Inzidenz um etwa 60%.
Adresse zum Bestellen der Publikation: Dr. G. Koren, Hosp Sick Children, Div Clin Pharmacol & Toxicol, Motherisk Program, 555 Univ Ave, Toronto, ON M5G 1X8.
(E-mail: gkoren@sickkids.ca)