25.10.2006
Memantine bei Alzheimer-Demenz: Nachhaltiger Patientennutzen in der Praxis Patienten mit Alzheimer-Demenz und ihre pflegenden Angehörigen profitieren von der Behandlung mit Memantine. Dies wurde im Symposium „Patients with AD – worth to treat?” beim diesjährigen EAGP-Kongress (European Association of Geriatric Psychiatrists) in Köln deutlich. Die Wirksamkeit von Memantine auf Kognition, Alltagskompetenz und Verhalten ist durch klinische Studien belegt. Diese Zielkriterien spiegeln wichtige Symptombereiche wider und sind daher unmittelbar patientenrelevant. Beobachtungen aus dem praktischen Behandlungsalltag bestätigen die positiven Effekte.
Die Wirksamkeit von Antidementiva ist in randomisierten kontrollierten Studien mehrfach nachgewiesen worden. Vor allem in den Bereichen Kognition und Aktivitäten des täglichen Lebens lassen sich positive Effekte feststellen. In jüngster Zeit ist die Relevanz dieser klinischen Endpunkte für eine Bewertung des Patientennutzens der Therapie verschiedentlich in Frage gestellt worden. Dem widersprach Prof. Dr. Lutz Frölich, Mannheim: „Die Endpunkte Kognition und Alltagsaktivitäten sind für den Patienten unmittelbar relevant und lassen valide Rückschlüsse auf den Grad seiner Beeinträchtigung zu.“ Die komplexe Symptomatik, die die Erkrankung im Alltag prägt, resultiere wesentlich aus dem Verfall der kognitiven Leistungsfähigkeit und dem damit einhergehenden Verlust der Alltagskompetenz.
Darüber hinaus sind auch weitere Endpunkte wie der Zeitpunkt der Pflegeheimeinweisung oder die Belastung der pflegenden Angehörigen zu berücksichtigen. Wie in dem Symposium deutlich wurde, werden diese Aspekte insbesondere durch psychopathologische Symptome des Patienten beeinflusst. Gerade Verhaltensstörungen wie Agressivität oder Unruhe sind für die Angehörigen enorm belastend. „Sie machen eine häusliche Pflege häufig unmöglich und geben so den Ausschlag für die Unterbringung in einem Pflegeheim“, betonte PD Dr. Pasquale Calabrese, Bochum.
Dass Memantine Verhaltensstörungen bessert, zeigte eine Subanalyse zweier klinischer Studien. Die psychopathologischen Veränderungen wurden mit dem NPI-Score (NeuroPsychiatric Inventory-Score) erfasst. Dabei zeigte sich, dass die Memantine-Gruppe der Kontroll¬gruppe in beiden Studien in fast allen Kriterien überlegen war. Besonders deutlich
war der Effekt bei aggressivem und agitiertem Verhalten: Unter der Memantine-Therapie gingen diese Symptome im Vergleich zu Plazebo signifikant zurück, und bei anfangs unauffälligen Patienten entwickelten sie sich nur bei 27 Prozent (Plazebo: 58 Prozent). In die gleiche Richtung weisen Ergebnisse einer sechsmonatigen Anwendungsbeobachtung zu Memantine: In der NOSGER-Skala (Nurses’ Observation Scale for Geriatric Patients) zeigten sich die deutlichsten Verbesserungen in den Dimensionen „Stimmung“ und „störendes Verhalten.“
Mit ihrer nachgewiesenen Wirksamkeit auf Kognition, Alltagskompetenz und Verhaltensstörungen tragen Antidementiva dazu bei, die Belastungen der pflegenden Angehörigen zu reduzieren, und ermöglichen es den Betroffenen, deutlich länger in ihrem vertrauten Umfeld zu blei¬ben. Dies machte Dr. Hans-Martin Schuchardt, niedergelassener Psychiater aus Köln, anhand eigener Daten deutlich. Über fünf Jahre hinweg beobachtete er rund 100 Patienten mit Alzheimer-Demenz, die in seiner Praxis primär medikamentös behandelt wurden. Ergebnis: Obwohl die Mehrzahl der Patienten nach und nach in höhere Pflegestufen rückten, blieb ihre Wohnsituation lange stabil: Wie zu Beginn lebten auch noch im vierten Jahr der Beobachtung 80 Prozent zu Hause und 20 Prozent in separaten Wohneinheiten im Pflegeheim. Dies zeigt erneut, dass moderne Antidementiva wesentlicher Teil einer nachhaltigen Alzheimer-Therapie sind, von der Patienten und Angehörige langfristig profitieren können. Quelle: Lundbeck |