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Medizin

05. Dezember 2018 Diabetes mellitus: Gefahr der Lipohypertrophie

„Lipohypertrophien werden im Praxisalltag leicht übersehen. Dabei können sie mitunter eklatante Folgen habe“, weiß die Diabetesberaterin Elisabeth Schnellbächer, Birkenfeld. Diese Verdickungen im Unterhautfettgewebe führen zu einer schlechteren Resorption des Insulins, was wiederum eine ungenügende Blutzuckerkontrolle zur Folge haben kann. Auf einem von Berlin Chemie unterstützten Symposium auf der Herbsttagung der Diabetologen in Wiesbaden diskutierten Experten die möglichen unerwünschten Wirkungen von Lipohypertrophien (LHT) und wie sie vermieden werden können.
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Pflichttext
Ein wichtiger Faktor für die Entstehung von LHTs, so der niedergelassene Diabetologe Dr. med. Matthias Kaltheuner, Leverkusen, ist die Alltagsroutine. Viele insulinpflichtige Diabetiker absolvieren bis zu 1.000 Injektionen im Jahr, wobei es sich nicht vermeiden lässt, dass einige Orte, etwa im Bauchbereich bei den Mahlzeiteninsulinen, mit der Zeit präferiert werden. Daher wird „die Bauchregion insofern fortlaufend verbraucht, bezüglich gut funktionierender Insulin-Resorptionsstellen.“

Eine Lösung: Hochkonzentriertes Insulin

In der Praxis, berichtet die Diabetesberaterin Schnellbächer, gibt es bestimmte Äußerungen der Patienten, die diesbezüglich aufhorchen lassen sollten. „Wenn der Patient beispielsweise über Unterzuckerung klagt, die er sich nicht erklären kann, oder seine Zuckerwerte schlecht sind, obwohl er nach eigenen Angaben vermehrt Insulin spritzt. Ebenso wenn er das Gefühl hat, sein Insulin wirke nicht mehr, können dies Anzeichen für entstandene Lipohypertrophien sein.“ Eine Maßnahme gegen die Entwicklung von LHTs ist es, dem Patienten ein ihm genehmes Rotationsschema zu empfehlen.

Gefahr der Hypoglykämie

Ein relevantes Problem der LHTs, erklärt Dr. med. Winfried Keuthage, niedergelassener Diabetologe in Münster, sind vermehrt auftretende Hypoglykämien. Durch die gestörte Resorption stellt der Patient zunächst einen zu hohen Blutzuckerspiegel bei der Selbstmessung fest. Daraufhin erhöht er die Insulindosis, was jedoch – sofern er dann eine gut resorbierende Lokalisation im Bauchbereich erwischt – zu einer Hypoglykämie führen kann.

Dies erklärt möglichweise, fährt Keuthage fort, auch das zunächst paradox erscheinende Untersuchungsergebnis von Gentile und Kollegen. Denn das Resultat ihrer Studie war, dass mit dem hochkonzentrierten Insulin Lispro 200 E (Liprolog® 200 E/ml KwikPen) im Vergleich mit der 100 E-Formulierung sowohl signifikant weniger Hypoglykämien als auch eine signifikante Verbesserung des HbA1c erzielt worden sind (1).

Zudem entfällt durch die Verwendung eines hochkonzentrierten Insulins in der Regel eine Aufteilung der Spritzmenge auf 2 Injektionen. Insgesamt kann somit die Anzahl der Einstichstellen mindestens halbiert werden. Dies kann, resümiert der Diabetologe, dazu beitragen, das Auftreten von Lipohypertrophien zu minimieren, da diese mit der Zahl der Injektionen korrelieren (2).

Reimund Freye
 

Quelle: Symposium und Pressegespräch, "Hautveränderung bei Diabetes – nur ein kosmetisches Problem?", Diabetes Herbsttagung 2018, , 10.11. 2018, Wiesbaden; Veranstalter: Berlin Chemie

Literatur:

(1) Gentile S et al., Expert opinion on Drug Safety 2018; 17(5):445-50.
(2) Blanco M et al., Diabetes Metab 2013; 39(5):445-53.


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