Mittwoch, 19. Februar 2020
Navigation öffnen
Anzeige:

Medizin

05. Dezember 2018 Diabetes mellitus: Gefahr der Lipohypertrophie

„Lipohypertrophien werden im Praxisalltag leicht übersehen. Dabei können sie mitunter eklatante Folgen habe“, weiß die Diabetesberaterin Elisabeth Schnellbächer, Birkenfeld. Diese Verdickungen im Unterhautfettgewebe führen zu einer schlechteren Resorption des Insulins, was wiederum eine ungenügende Blutzuckerkontrolle zur Folge haben kann. Auf einem von Berlin Chemie unterstützten Symposium auf der Herbsttagung der Diabetologen in Wiesbaden diskutierten Experten die möglichen unerwünschten Wirkungen von Lipohypertrophien (LHT) und wie sie vermieden werden können.
Anzeige:
Ein wichtiger Faktor für die Entstehung von LHTs, so der niedergelassene Diabetologe Dr. med. Matthias Kaltheuner, Leverkusen, ist die Alltagsroutine. Viele insulinpflichtige Diabetiker absolvieren bis zu 1.000 Injektionen im Jahr, wobei es sich nicht vermeiden lässt, dass einige Orte, etwa im Bauchbereich bei den Mahlzeiteninsulinen, mit der Zeit präferiert werden. Daher wird „die Bauchregion insofern fortlaufend verbraucht, bezüglich gut funktionierender Insulin-Resorptionsstellen.“

Eine Lösung: Hochkonzentriertes Insulin

In der Praxis, berichtet die Diabetesberaterin Schnellbächer, gibt es bestimmte Äußerungen der Patienten, die diesbezüglich aufhorchen lassen sollten. „Wenn der Patient beispielsweise über Unterzuckerung klagt, die er sich nicht erklären kann, oder seine Zuckerwerte schlecht sind, obwohl er nach eigenen Angaben vermehrt Insulin spritzt. Ebenso wenn er das Gefühl hat, sein Insulin wirke nicht mehr, können dies Anzeichen für entstandene Lipohypertrophien sein.“ Eine Maßnahme gegen die Entwicklung von LHTs ist es, dem Patienten ein ihm genehmes Rotationsschema zu empfehlen.

Gefahr der Hypoglykämie

Ein relevantes Problem der LHTs, erklärt Dr. med. Winfried Keuthage, niedergelassener Diabetologe in Münster, sind vermehrt auftretende Hypoglykämien. Durch die gestörte Resorption stellt der Patient zunächst einen zu hohen Blutzuckerspiegel bei der Selbstmessung fest. Daraufhin erhöht er die Insulindosis, was jedoch – sofern er dann eine gut resorbierende Lokalisation im Bauchbereich erwischt – zu einer Hypoglykämie führen kann.

Dies erklärt möglichweise, fährt Keuthage fort, auch das zunächst paradox erscheinende Untersuchungsergebnis von Gentile und Kollegen. Denn das Resultat ihrer Studie war, dass mit dem hochkonzentrierten Insulin Lispro 200 E (Liprolog® 200 E/ml KwikPen) im Vergleich mit der 100 E-Formulierung sowohl signifikant weniger Hypoglykämien als auch eine signifikante Verbesserung des HbA1c erzielt worden sind (1).

Zudem entfällt durch die Verwendung eines hochkonzentrierten Insulins in der Regel eine Aufteilung der Spritzmenge auf 2 Injektionen. Insgesamt kann somit die Anzahl der Einstichstellen mindestens halbiert werden. Dies kann, resümiert der Diabetologe, dazu beitragen, das Auftreten von Lipohypertrophien zu minimieren, da diese mit der Zahl der Injektionen korrelieren (2).

Reimund Freye
 

Quelle: Symposium und Pressegespräch, "Hautveränderung bei Diabetes – nur ein kosmetisches Problem?", Diabetes Herbsttagung 2018, , 10.11. 2018, Wiesbaden; Veranstalter: Berlin Chemie

Literatur:

(1) Gentile S et al., Expert opinion on Drug Safety 2018; 17(5):445-50.
(2) Blanco M et al., Diabetes Metab 2013; 39(5):445-53.


Das könnte Sie auch interessieren

Myome – Eine Ursache für unerfüllten Kinderwunsch

Myome – Eine Ursache für unerfüllten Kinderwunsch
© Sandra Thiele / fotolia.com

Myome sind die häufigsten gutartigen Tumore der weiblichen Geschlechtsorgane: Es wird geschätzt, dass zwischen 20 und 40 Prozent der Frauen im gebärfähigen Alter betroffen sind. Unter der Leitung von Prof. Dr. med. Jörg B. Engel und Dr. med. Eva Velten bietet das Myomzentrum am Krankenhaus Nordwest Betroffenen kompetente Beratung, modernste Diagnostik und zielgerichtete Behandlungsmöglichkeiten. Patientinnen, bei denen ein Myom der Grund für den unerfüllten Kinderwunsch ist, erhalten Unterstützung und Hilfestellungen.

Urologen geben Entwarnung: Sorgen vor Zeugungsunfähigkeit sind unbegründet

Urologen geben Entwarnung: Sorgen vor Zeugungsunfähigkeit sind unbegründet
@ deagreez / Fotolia.com

Eine neue Studie zur männlichen Fruchtbarkeit, veröffentlicht in der Fachzeitschrift "Human Reproductive Update", sorgt derzeit für Aufsehen. Die Untersuchungen von Mediziner Hagai Levine und seinem Team der Hebräischen Universität Jerusalem zeigen, dass die Spermienanzahl von Männern aus westlichen Ländern immer weiter abnimmt. Laut den Wissenschaftlern ist die Spermienanzahl pro Milliliter Sperma um etwa 52 Prozent gesunken. Bei der Gesamtzahl der Spermien pro Samenerguss gaben die Forscher sogar einen Rückgang von nahezu 60 Prozent an....

Aktionsbündnis Patientensicherheit e.V. (APS) vergibt Deutschen Preis für Patientensicherheit 2018

Aktionsbündnis Patientensicherheit e.V. (APS) vergibt Deutschen Preis für Patientensicherheit 2018
© psdesign1 / fotolia.com

In deutschen Krankenhäusern sterben jährlich etwa 15 000 Patienten an Infektionen. Damit diese weitestgehend vermieden und Patienten schnellstmöglich behandelt werden können, ist ein gutes Infektions-management notwendig. Das Kompetenzzentrum „Mikrobiologie und Hygiene" der St. Franziskus-Stiftung Münster verfolgt dazu seit 2014 ein umfassendes interdisziplinäres Gesamtkonzept für mehr Patientensicherheit. Der Fokus liegt dabei auf der Infektionsvermeidung, dem Infektionsmanagement und sowie dem Schutz vor Keimübertragung. Das...

Sie können folgenden Inhalt einem Kollegen empfehlen:

"Diabetes mellitus: Gefahr der Lipohypertrophie"

Bitte tragen Sie auch die Absenderdaten vollständig ein, damit Sie der Empfänger erkennen kann.

Die mit (*) gekennzeichneten Angaben müssen eingetragen werden!

Die Verwendung Ihrer Daten für den Newsletter können Sie jederzeit mit Wirkung für die Zukunft gegenüber der rsmedia GmbH widersprechen ohne dass Kosten entstehen. Nutzen Sie hierfür etwaige Abmeldelinks im Newsletter oder schreiben Sie eine E-Mail an: info[at]rsmedia-verlag.de.