Montag, 20. Januar 2020
Navigation öffnen
Anzeige:

Medizin

Interview mit Prof. Dr. med. Andreas Fritsche

01. August 2019
Seite 1/3
Neue Diabetes-Typen und Subklassen

Eine differenzierte Behandlung von Typ-2-Diabetes ist essentiell, Fehldiagnosen und Fehltherapie können lebensgefährliche Folgen haben. Daher werden neue Unterformen (Subphänotypen) des Typ-2-Diabetes und des Prädiabetes postuliert. Diese sollen in Zukunft eine risikostratifizierte Prävention und Therapie ermöglichen. In diesem Postulat spiegelt sich der Aufbruch der Diabetologie aus dem Zeitalter der Universalprävention und Universaltherapie hin zu einer Präzisionstherapie und Präzisionstherapie.
Im Interview mit www.journalmed.de erläutert Prof. Dr. med. Andreas Fritsche, Tübingen, die unterschiedlichen Subphänotypen und die Konsequenzen einer neuen Klassifizierung.
Die einfache Unterscheidung in Typ-1- und Typ-2-Diabetes ist in Auflösung begriffen. Welche neuen Unterformen gibt es und warum sind diese sinnvoll?

Prof. Fritsche: Es ist bereits länger bekannt, dass Typ-2-Diabetes keinen einheitlichen Verlauf nimmt und ganz unterschiedliche Unterformen (Subphänotypen) bestehen. Postuliert werden jetzt 4 neue Unterformen des Typ-2-Diabetes (1) neben dem klassischen Typ-1-Diabetes. Diese Einteilung beruht auf einer skandinavischen Studie (1), mit Daten von fast 15.000 Patienten. Die Daten wurden darauf hin analysiert, ob sich anhand spezifischer Merkmalcluster differenzierbare Krankheitsbilder und -verläufe beschreiben lassen.

Anhand von 6 Variablen (s. Frage 2) wurden 5 verschiedene Muster mit unterschiedlichem Outcome  entdeckt, die auch in den Kontrollkohorten reproduzierbar waren. Cluster 1 entspricht dem bisherigen Typ-1-Diabetes, die anderen 4 sind neue Subtypen des traditionellen Typ-2-Diabetes.
 
  • Cluster 1 – Schwerer Autoimmun-Diabetes (SAID: niedriges Erkrankungsalter, vergleichsweise niedriger Body Mass Index (BMI), schlechte metabolische Kontrolle, Insulinmangel und GAD-Autoantikörper)
  • Cluster 2 –  Severe Insulin-Deficient Diabetes (SIDD): entspricht Cluster 1, allerdings ohne nachweisbare Autoantikörper und hohem Retinopathie-Risiko
  • Cluster 3 – Severe Insulin-Resistant Diabetes (SIRD): hoher BMI mit besonders ausgeprägter Insulinresistenz
  • Cluster 4 – Mild Obesity Related Diabetes (MOD): hoher BMI, keine ausgeprägten Defizite der Insulinsensitivität
  • Cluster 5 – Mild Age-Related Diabetes (MARD): höheres Erkrankungsalter, nur geringfügige metabolische Störungen; günstigste Prognose innerhalb der Cluster  
 
Vorherige Seite

Das könnte Sie auch interessieren

Diabetes – eine unterschätzte Herausforderung in der Pflege

Diabetes – eine unterschätzte Herausforderung in der Pflege
© Robert Kneschke / fotolia.com

Die stetig steigende Zahl an pflegebedürftigen Menschen mit Diabetes stellt eine wachsende Herausforderung dar. Mit dem Kompaktkurs „Basisqualifikation Diabetes Pflege DDG“ bietet die DDG praktische Hilfe und vermittelt Sicherheit bei der Pflege von Patienten mit Diabetes. Von der DDG qualifizierte Trainer bieten diese Kurse überregional an. Eine Liste der Trainer ist auf der Website abrufbar. Die Trainerteams verfügen sowohl über diabetologisch-ärztliche als auch über Diabetes beratende und pflegerische Qualifikationen. Die Fortbildung für...

Extreme Hitze: Was müssen Herzpatienten beachten?

Extreme Hitze: Was müssen Herzpatienten beachten?
© Korn V. - stock.adobe.com

Sommerliche Hitze mit sehr hohen Temperaturen über 30 Grad Celsius kann zur Herausforderung besonders für ältere Menschen und diejenigen werden, die bereits wegen Herz- oder Blutdruckproblemen in Behandlung sind. Mögliche Folgen der hohen Temperaturen sind Müdigkeit und Schwindel sowie Blutdruckabfall bis hin zum Kreislaufkollaps, außerdem Herzrhythmusstörungen oder auch Muskelkrämpfe. „Diesen Folgen können Betroffene vorbeugen, indem sie mit ihrem behandelnden Arzt Vorsichtsmaßnahmen besprechen, die je nach Herzerkrankung...

"Sleep like a Baby": App für digitale Schlaftherapie

"Sleep like a Baby": App für digitale Schlaftherapie
@ drubig-photo / Fotolia.com

Die britische Firma Abson Development hat mit "Sleep like a Baby" eine neue Lifestyle-App veröffentlicht, um Schlafprobleme von Erwachsenen, Kindern und Säuglingen zu lösen. "Schlaf ist bekannterweise sehr wichtig, aber viele Menschen haben aufgrund von verschiedenen Faktoren, wie Stress, einem neugeborenen Kind oder einem Tinnitus, immer wieder Probleme mit dem Ein- und Durchschlafen", sagt Entwickler Lance Abson.

Sie können folgenden Inhalt einem Kollegen empfehlen:

"Neue Diabetes-Typen und Subklassen"

Bitte tragen Sie auch die Absenderdaten vollständig ein, damit Sie der Empfänger erkennen kann.

Die mit (*) gekennzeichneten Angaben müssen eingetragen werden!

Die Verwendung Ihrer Daten für den Newsletter können Sie jederzeit mit Wirkung für die Zukunft gegenüber der rsmedia GmbH widersprechen ohne dass Kosten entstehen. Nutzen Sie hierfür etwaige Abmeldelinks im Newsletter oder schreiben Sie eine E-Mail an: info[at]rsmedia-verlag.de.