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Medizin

15. Januar 2020
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Fachinformation


Gezielte ernährungstherapeutische Maßnahmen können helfen, einer Gewichtszunahme oder -abnahme entgegenzuwirken. Ernährungstherapeutisches Ziel ist es, das Gewicht zu stabilisieren. Zudem zielt eine Ernährungsintervention auf die aktuellen, ernährungsrelevanten Symptome (wie z.B. Appetitlosigkeit, Durchfall, Kotkonsistenz, Veränderungen bei Kau- und Schluckstörungen) ab und unterstützt die Patienten, die Ernährung an eine veränderte Verdauungsleistung anzupassen. Leidet ein Patient beispielsweise unter einer reduzierten Energie- und Eiweißzufuhr aufgrund von Chemotherapie-induzierten Geschmackseinschränkungen, adressiert die Ernährungstherapie vorrangig auf die Maximierung der Energiedichte, Anpassung von Portionsgrößen und ggf. Steigerung der Mahlzeitenfrequenzen.
 
Ausgewählte Empfehlungen hierzu sind in Tabelle 3 aufgelistet.
 
Tab. 3: Ausgewählte Ernährungsempfehlungen bei Appetitlosigkeit (mod. nach (6)).
Tab. 3: Appetitlosigkeit

 

Eine einmal implementierte, individuelle Ernährungstherapie sollte regelmäßig monitoriert und ggf. adaptiert werden. Eine situative Modifikation der Ernährung ist häufig indiziert. So leiden beispielsweise viele Krebspatienten unter Obstipation. Medizinische oder diätetische Lehrbücher empfehlen in diesem Fall eine ballaststoffreiche Ernährung. In Zusammenhang mit einer erhöhten Flüssigkeitszufuhr hat sich diese Intervention bei gesunden Menschen bewährt. Allerdings wird Verstopfung bei Krebspatienten häufig durch die Einnahme von Schmerzmitteln oder die Abnahme der Flüssigkeits- und Nahrungsmenge sowie des Aktivitätsniveaus verursacht. Dagegen können ballaststoffreiche Nahrungsmittel wenig helfen, weil Ballaststoffe das Stuhlvolumen erhöhen und nicht die Darmtätigkeit anregen. Zudem können ballaststoffreiche Nahrungsmittel das Sättigungsgefühl verstärken und sind nicht immer leicht verdaulich. Ballaststoffreiche Nahrungsmittel wie Leinsamen können sogar mit oral eingenommen Medikamenten wechselwirken und deren Resorption reduzieren (15).
 
Eine effektive Ernährungstherapie setzt immer an der Ursache, gelegentlich aber auch am Symptom des Ernährungsproblems an. Wird z.B. ein onkologischer Patient in der Ernährungsberatung vorstellig, der überzeugt davon ist, dass ausschließlich eine bestimmte „Krebsdiät“ seine Erkrankung heilen kann, zielt die ernährungstherapeutische Beratung zunächst darauf ab, die Ursache des Ernährungsproblems zu lösen. Bei dem hier geschilderten Patienten wäre die Ursache des Ernährungsproblems die problematische Überzeugung „nur die Krebsdiät kann mir helfen“, die in einer Mangelernährung resultieren könnte. Anders verhält es sich jedoch, wenn ein Patient aufgrund der Nebenwirkungen der Anti-Tumortherapie unter Anorexie aufgrund von Geschmacksveränderung leidet und der Patient bereits signifikant an Gewicht verloren hat. In diesem Fall setzt die ernährungstherapeutische Beratung nicht an der Ursache (Nebenwirkungen der Anti-Tumortherapie) an, sondern am Symptom, den Geschmacksveränderungen, um die orale Nahrungsaufnahme wieder zu erhöhen. In diesem Fall würde die Beratung darauf abzielen, diätetische Maßnahmen zu besprechen, die helfen, Lebensmittel oder Mahlzeitenkomponenten geschmacklich anzupassen oder ggf. gleichwertige andere Lebensmittel bzw. Mahlzeitenkomponenten zu identifizieren, die vom Patienten besser vertragen werden und dazu beitragen, die adäquate Energie- und Proteinzufuhr sicherzustellen.
 
In der ernährungstherapeutischen Praxis hat sich die Vorgehensweise nach dem German-Nutrition Care Process (G-NCP) etabliert, der mittlerweile auch als Qualitätssicherungsinstrument in verschiedenen Empfehlungen eingeflossen ist und zudem die Grundlage des qualitätsgesicherten Arbeitens in dem 2018 etablierten Heilmittel „Ernährungstherapie“ darstellt. Der G-NCP ist ein 5-stufiges Prozessmodell, das die Komplexität der individuellen Ernährungstherapie widerspiegelt und das Ziel verfolgt, eine qualitätsgesicherte und transparente Vorgehensweise in der Ernährungstherapie zu gewährleisten (Abb. 2) (16).
 
 
Abb. 2: Modell des German-Nutrition Care Process (G-NCP) (mod. nach VDD 2015).
Abb. 2: Modell des German-Nutrition Care Process

 
 

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