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Medizin

12. Dezember 2019
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Fachinformation


Musik und Kognition

Der Musik von Mozart wird nicht nur Schönheit attestiert, sondern günstige Einflüsse auf die Intelligenz und die Kognition, zusammengefasst unter dem Begriff „Mozart-Effekt“. Das ursprüngliche Konzept stammt von dem französischen HNO-Arzt und Psychologen Dr. Alfred A. Tomatis (2), der während seiner Arbeit Mozart (Abb. 3) zu hören pflegte.
 
Abb. 3: Nach ihm ist der „Mozart-Effekt“ benannt: Wolfgang Amadeus Mozart war außerordentlich produktiv und komponierte u.a. 20 Opern. Eine der bekanntesten ist „Die Zauberflöte“ (hier: Papagena und Papageno, Titelblatt aus der Zeitschrift Jugend von Reinhold Max Eichler, 1899; Sammlung OM)).


Er vertrat die wissenschaftlich sehr umstrittene Meinung, dass speziell aufbereitete Musik dem Ohr hilft und die Heilung bestimmter Krankheiten sowie die Gehirnentwicklung förderten. 1993 berichtete die Forschergruppe von Rauscher (20) der University of California, Irvine, von einem Experiment, bei dem 36 Studenten jeweils einen Teil eines Intelligenztests mit räumlichen Aufgaben machten, nachdem sie entweder 10 Minuten Mozarts Sonate für 2 Klaviere in D-Dur (KV448), Anweisungen einer Entspannungs-CD oder 10 Minuten lang Stille ausgesetzt waren. Im Intelligenztest schnitten die Studenten nach dem Hören von Mozart durchschnittlich 8-9 IQ-Punkte besser ab als die Studenten nach den anderen beiden Bedingungen. Obwohl die Autoren in ihrer Studie betonten, dass die Leistungssteigerung nur 10-15 Minuten anhielt und noch zu testen wäre, ob die Leistungssteigerung auch für andere kognitive Fähigkeiten und bei anderer Musik zu beobachten wäre, fand die Studie in verkürzter Form schnell Einzug in zahlreiche Zeitungen und sogar in die Bildungspolitik (Abb. 4) (21); so veranlasste der Gouverneur des US-Bundesstaats Georgia per Gesetz, jedem frisch geborenen Landeskind eine CD mit klassischer Musik zukommen zu lassen. Florida folgte mit einer Verordnung, der zufolge in staatlichen Kindergärten täglich eine Stunde klassische Weisen zu ertönen hätten.
 
Abb. 4: Bei Kindern soll es zu Verbesserungen kognitiver, sozialer und emotionaler Art durch Mozart-Musik kommen. Dass Mozart Kinder „schlauer“ macht, findet sich immer wieder in diversen Publikationen – trotz heterogener Datenlage.
Abb. 4: Bei Kindern soll es zu Verbesserungen kognitiver, sozialer und emotionaler Art durch Mozart-Musik kommen. Dass Mozart Kinder „schlauer“ macht, findet sich immer wieder in diversen Publikationen – trotz heterogener Datenlage.


1999 läutete Chabris (22) mit einer Metaanalyse von 16 Studien in „Nature“ das Ende des Mozart-Effekts ein: Er kam zu dem Ergebnis, dass das Hören von Mozarts Musik höchstens eine kleine, temporäre Verbesserung bringe und simpel mit der „Arousal-and-mood-Hypothese“ zu erklären sei. Arousal bezeichnet den Erregungszustand, der laut Chabris in der rechten Hirnhemisphäre eintrete und in Kombination mit der guten Stimmung aufgrund von angenehm empfundener Musik das Lösen räumlicher Aufgaben erleichtere. So beginnen die Schwierigkeiten des Existenznachweises des Mozart-Effekts allein schon mit der Methodologie der verschiedenen Tests. Vielleicht lässt es sich auch auf den einfachen Nenner bringen: Nützt nichts, schadet aber auch nicht? Zumindest bei Tieren scheint es doch noch andere positive Effekte zu geben – hier hat Beethoven die Nase vorn. Denn viele Landwirte schwören schon seit Jahren darauf, dass mit der richtigen Musik auch bei ihren Tieren vieles besser geht, z.B. die Milchproduktion bei Kühen (Abb. 5) (1).
 
Abb. 5: Kuhhirte mit Flöte: Bestimmte Arten von Musik scheinen die Milchproduktion von Kühen zu verbessern. Dies war möglicherweise auch schon in früheren Zeiten bekannt (Holzschnitt von 1870 (Sammlung OM)).


Auch wenn die Datenlage für den Mozart-Effekt durchaus als heterogen bezeichnet werden kann, beschäftigen sich zahlreiche Publikationen zu Untersuchungen zum Einsatz von Musik (insbesondere Mozart) zur Verbesserung von unterschiedlich ausgeprägten kognitiven Einschränkungen (23), so z.B. bei Demenz (24, 25), nach Hirntraumata (26) oder bei Epilepsie (27).Im onkologischen Setting besteht ein besonderes Interesse beim Einsatz von Musik zur Verbesserung der kognitiven Einschränkungen, die zahlreiche Patienten unter einer neurotoxischen Chemotherapie erfahren (28). Gleichzeitig konnten einige Studien eine deutliche Angstreduktion vor der chemotherapeutischen Behandlung und eine Verbesserung der Lebensqualität und des körperlichen und geistigen Befindens der Patienten zeigen (29-31).

 

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